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Die Macht der sich selbst erfüllenden Rede

An der Haltestelle wartet eine ältere Dame mit Hackenporsche an den geöffneten Türen eines Gelenkbusses. Sie ist unschlüssig. Die Abfahrt wird erst in 15 Minuten sein. Zwei Busfahrer sind vorne mit irgendwas beschäftigt. Da steigt einer von ihnen mit seinem Pausenbrot gut gelaunt aus und verkündet: "Für einen Kaffe lassen wir Sie jetzt schon rein." Die alte Dame und ich gehen darauf ein. Wir beraten, wo es hier Kaffee gibt und wie wir den holen. Dann sind wir auch schon zu viert im Gespräch. Der mit dem Pausenbrot besteht dadrauf, dass Deutschland am Ende ist, weil keiner mehr grüßt. Der ohne Pausenbrot kommt lächelnd angeschlurft. Auch die alte Frau will die Dinge so schwarz nicht sehen. "Nach dem Krieg", sagt sie, "hat jeder gesehen, dass er was für sich hatte. Diese Nachkriegs-Romantik habe ich nicht erlebt." Sie erzählt von ihrer Familie und der Redefluss des Pausenbrot-Mannes ist gebrochen. Sein Kolleg mischt sich ein. Auch er kennt "sonne und sonne". Der Pausenbrot-Typ versucht es nochmal mit seinen Erfahrungen im Ausland, wo schon die Kinder beim Ein- und Aussteigen grüßen und beim Aussteigen sogar danke sagen. Man sieht den Gesichter der anderen an, dass sie eigene Erfahrungen beisteuern könnten. Es ist nicht alles schlecht - weder hier noch anderswo. Wir sprechen es nicht aus, aber auch ein junger Mann, der zögernd in die offene Tür tritt, scheint nachdenklich, als er sein Smartphone in die Tasche steckt.

Wir alle grüßen und lächeln beim Auststeigen. Der junge Mann fragt die alte Dame mit dem Hackenporsche, ob er ihr helfen kann als sie aussteigt. Sie schafft es auch so.

Ich denke, dass es gut ist, den Elephanten im Raum anzusprechen. Noch besser ist es, wenn die, die lebendig sind, die Mehrheit im Raum bilden. Ehrlich gesagt, habe ich keine Lust, in einem vermüllten Deutschland zu leben. Es ist schon alles schlimm genug. Aber das, was leuchtet, kann ruhig bewundert und genossen werden. Die Psychologie teilt uns in massenhaften Heften in der Bahnhofsbuchhandlung mit, dass der Mensch aus guten Gründen sensibler auf Bedrohliches reagiert. Er weiß halt aus Erfahrung, dass es ums Überleben geht. Entspannen kann ich mich immer noch, denkt der Mensch, der aus seiner Haut nicht kann. Und am Ende des Tages denkt er in der Haut des Pausenbrot-Mannes, was das wieder für ein Scheißtag gewesen ist, und in der Haut der älteren Dame mit dem Hackenporsche denkt der Mensch mit den uralten Reflexen und dem gut entwickelten Gehirn, dass es sich wieder gelohnt hat, vor die Tür zu gehen, weil es trotz wackeliger Beine Sonderangebote und freundliche Menschen gibt. Denn unser Reptiliengehirn lehrt uns das Flüchten und Kämpfen, aber alles, was unser Gehirn seitdem an neuen Arealen entwickelt hat, hilft uns, die Welt zu verstehen und zu gestalten.

Mach watt draus

 

KirchenVolksKonferenz der Reformkräfte 24. und 25. September 2022 in Köln

Unter dem Titel „Wir gehen schon mal voran – für eine synodale Kirche der Zukunft“ laden Reformgruppen, katholische Verbände sowie Betroffeneninitiativen zu einer KirchenVolksKonferenz am letzten Septemberwochenende (24. und 25. September 2022) nach Köln ein. Die Achterbahnfahrt der fast gescheiterten vierten Vollversammlung des Synodalen Weges (8.-10. September 2022 in Frankfurt) hat wieder einmal deutlich gemacht, wie notwendig die Vernetzung und Zusammenarbeit der Reformkräfte innerhalb der Kirche ist.

„So wichtig der Synodale Weg in Deutschland und der weltweite synodale Prozess sind: Es bedarf einer breiten Bewegung an der Kirchenbasis“, heißt es auf der Homepage der KirchenVolksKonferenz www.kvk2022.de. In der aktuellen Multikrise brauche es Hoffnungsbotschaften und solidarisches Engagement im Geist der Ökumene, um die Herausforderungen unserer heutigen Zeit gemeinsam aktiv anzugehen.

Das Vernetzungstreffen von derzeit 34 mitwirkenden und unterstützenden Organisationen will die grundlegenden Reformprozesse in der römisch-katholischen Kirche voranbringen und neue Wege für das gemeinsame Engagement suchen, auch über die engen Kirchengrenzen hinaus.

Das breite Spektrum reicht von Reformgruppen wie der Initiative Maria 2.0, der Aktion , den OrdensFrauen für MenschenWürde über verschiedene Betroffeneninitiativen zu den großen katholischen Verbänden wie dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB), der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Auch pax christi Deutschland ist mit dabei. Weitere Organisationen können sich auch jetzt noch als Mitwirkende oder Unterstützende beteiligen. Ebenso ist die Teilnahme nicht‐organisierter Menschen und Gruppen ausdrücklich gewünscht. 

Impuls – Podium – Zukunfts-Werkstätten – Erklärung – Gottesdienst

Nach dem Impulsreferat („Netzwerk des Heiligen Geistes? Gemeinsam auf dem Weg zur Kirche von morgen“ Soziologische und theologische Einordnungen und Ermutigungen) am Samstagmorgen von Hans-Joachim Höhn, Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln, wird es eine offene Podiumsdiskussion sowie verschiedene Zukunfts-Werkstätten zur weiteren Arbeit geben. Am Ende soll eine gemeinsame Erklärung verabschiedet werden, die sich auch an die deutschen Bischöfe richten wird, die vom 26. bis 29. September zu ihrer Herbstvollversammlung nach Fulda kommen.

Die von Wir sind Kirche initiierte KirchenVolksKonferenz findet am 24. September ganztägig in der Jugendherberge Köln-Deutz statt, der Gottesdienst am Sonntagvormittag, 25. September, am nahen Rheinufer auf Deutzer Seite.

Zuvor, am Freitag, 23. September 2022, findet ab 16 Uhr (nicht 15 Uhr) die 47. öffentliche Bundesversammlung der KirchenVolksBewegung ebenfalls in der Jugendherberg Köln-Deutz statt.

Information und Anmeldung auf der Webseite www.kvk2022.de oder bei Martina Stamm, Geschäftsführerin der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche: E-Mail: kvk2022@wir-sind-kirche.de

Pressekontakt:

Christian WeisnerWir sind Kirche Bundesteam
0172 518 40 82, E-Mail: presse@wir-sind-kirche.de

Sigrid GrabmeierWir sind Kirche Bundesteam
Telefon: 0170 8626 290, E-Mail: grabmeier@wir-sind-kirche.de

sowie bei den
Pressestellen der mitwirkenden und unterstützenden Organisationen: Link

 

 

Habermas - zitiert aus der taz vom 10./11. September 2022

"Je heterogener die sozialen Lebenslagen, die kulturellen Lebensformen und die individuellen Lebensstile einer Gesellschaft sind, desto mehr muss das Fehlen eines a fortiori bestehenden Hintergrundkonsenses durch die Gemeinsamkeit der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung wettgemacht werden."

Jürgen Habermas, Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik, Suhrkamp

 

 

Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet :: bibelwissenschaft.de

Exegese von Professorin Dr. Monika Berwanger.

Leseempfehlung

 

Wenn wir in der katholischen Kirche synodale Prozesse einüben:

 

8. September, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Detmold
Vortrag von Paul Marchal

Die Beginen

Eine religiöse Frauenbewegung des Mittelalters im europäischen Vergleich