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Medieninformation zu dem Gebets-Aufruf aus dem Kloster Fahr

5 min read

 

«Schritt für Schritt» – Start eines wöchentlichen Gebetes in Zeiten der Veränderung.


(Kloster Fahr, 10. Februar 2019)

«Wir alle wissen, wie es um unsere Kirche steht. Unrecht geschah und geschieht, Macht wurde und wird missbraucht. ‹Bei euch aber soll es nicht so sein›, sagt Jesus.» (aus: Schritt für Schritt: Gebet am Donnerstag).

Eine Initiantinnengruppe um Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr, lanciert ein regelmässiges Gebet um Veränderung in der Kirche. Das eigens verfasste Gebet «Schritt für Schritt: Gebet am Donnerstag» kann jeweils in bereits bestehende Liturgien und Gebete aufgenommen werden.


Eine Aussage von Felix Gmür, Bischof von Basel, an der Vernissage des Buches «Ein weiter Weg» des Projektes «Für eine Kirche mit* den Frauen» gab den Anstoss für die Initiative. «Der Bischof wies auf die Wichtigkeit der Kontemplation hin. Diese Anregung hat Resonanz bei mir ausgelöst», sagt Priorin Irene Gassmann. Wege der Aktion gebe es viele, doch die Kontemplation und das regelmässige Gebet um Veränderung seien ebenso wichtig. Über die Netzwerke der Benediktinerin Irene Gassmann werden zunächst die Benediktinerinnenklöster im deutschen Sprachraum sowie rund um den Erdkreis dazu eingeladen, das «Gebet am Donnerstag» in die entsprechende Komplet des Stundengebetes aufzunehmen.


Wo es schon Donnerstagsgebete gibt, wird dazu ermuntert, das «Gebet am Donnerstag» auch in Pfarreien oder in Bibel- und Hauskreisen zu sprechen. Den Initiantinnen ist es wichtig, dass das «Gebet am Donnerstag» im Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes zu einem weltumspannenden Gebetsnetz wächst und langsam Kraft entfaltet. Das wöchentliche Gebet soll Mut und Zuversicht schenken, eine weitere Woche den Weg in und mit der Kirche zu gehen – «Schritt für Schritt und in Verbindung mit allen Frauen und Männern, die es sprechen. Veränderung braucht Zeit, Geduld und stete Rückbindung an den Ursprung und die spirituellen Quellen. In der
Kirche ist dies das Gebet», so Priorin Irene Gassmann.


Heute, am Tag der heiligen Scholastika, der Schwester Benedikts von Nursia, wird die Einladung zum «Gebet am Donnerstag» veröffentlicht. Die Heilige betete einst darum, dass ihr Bruder länger bei ihr zum Gespräch verweilen möge. Gott schickte der Legende nach ein Unwetter und Scholastika sagte zu Benedikt: «Geh, Bruder, wenn du kannst.» In Anlehnung an die Heilige schliesst das «Gebet am Donnerstag» mit den Worten: «Geht, Schwestern und Brüder, wie ihr könnt!»


Das erste «Gebet am Donnerstag» wird am 14. Februar 2019 um 19.30 Uhr im Kloster Fahr im Rahmen der Komplet gebetet werden. Medienanfragen richten Sie bitte an Priorin Irene Gassmann, priorin@kloster-fahr.ch


Auf der Homepage www.gebet-am-donnerstag.ch wird das Gebet zum Download zur Verfügung gestellt. Weiter sollen auf der Homepage alle Orte veröffentlicht werden, an denen das «Gebet am Donnerstag» durchgeführt wird. Für weitere Informationen: info@gebet-am-donnerstag.ch
Initiantinnen: Dorothee Becker, Anne Burgmer, Priorin Irene Gassmann und Jeanine Kosch


Anhang: «Schritt für Schritt: Gebet am Donnerstag»


«Schritt für Schritt»


Gott, du unser Vater und unsere Mutter,
wir alle wissen, wie es um unsere Kirche steht. Unrecht geschah und geschieht, Macht wurde
und wird missbraucht. «Bei euch aber soll es nicht so sein», sagt Jesus.
Wir bitten dich um dein Erbarmen.
-
 Kyrie eleison.


Frauen und Männer sind durch die eine Taufe gleich- und vollwertige Mitglieder der Kirche.
Im Miteinander in allen Diensten und Ämtern können sie zu einer Kirche beitragen, die erneuert in die Zukunft geht.
Wir bitten dich um Kraft und Zuversicht.
-
 Kyrie eleison.


Menschen kommen mit ihrer Sehnsucht nach Frieden, nach Gemeinschaft, nach Beziehung zu Gott und zueinander. Eine glaubwürdige Kirche ist offen für Menschen gleich welcher Herkunft, welcher Nationalität, welcher sexuellen Orientierung. Sie ist da für Menschen, deren Lebensentwurf augenscheinlich gescheitert ist, und nimmt sie an mit ihren Brüchen und Umwegen. Sie wertet und verurteilt nicht, sondern vertraut darauf, dass die Geistkraft auch dort wirkt, wo es nach menschlichem Ermessen unwahrscheinlich ist.
Wir bitten dich um Kraft und Zuversicht.
-
 Kyrie eleison.


In dieser Zeit, in der Angst und Enge lähmen und die Zukunft düster erscheint, braucht es grosses Vertrauen, um mit Zuversicht nach vorn zu schauen. Es braucht Vertrauen, dass durch neue Wege und einschneidende Veränderungen mehr Gutes geschaffen wird als durch Verharren im Ist-Zustand.
Wir bitten dich um Kraft und Zuversicht.
-
 Kyrie eleison.


Gott, du unsere Mutter und unser Vater,
im Vertrauen darauf, dass du mit uns auf dem Weg bist, gehen wir weiter mit und in der Kirche; in der Tradition all der Frauen und Männer, die vor uns aus dem Feuer der Geistkraft gelebt und gehandelt haben, die vor uns und für uns geglaubt und gelebt haben. Die heilige Scholastika vertraute auf die Kraft des Gebets. In ihrem Sinne wollen wir Schritt für Schritt vorwärtsgehen, beten und handeln, wie sie es getan hat: «Geht, Schwestern und Brüder, wie ihr könnt!» Behüte uns. Sei mit uns alle Tage bis zum Ende der Welt. Darum bitten wir jetzt und in Ewigkeit. Amen.


10. Februar 2019 / www.gebet-am-donnerstag.ch

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Das Siegel für klimaneutralen Druck des Flyers

Der Text des Gebetes ist nach einer Vorlage der Organisatorinnen gedruckt worden und kann bei mir mitgenommen werden.

Wenn Sie nichts verändern wollen, suchen Sie doch einfach die Schuldigen

4 min read

Man macht mich verantwortlich. Die Neujahrsgrüße des Bischofs müssten eigentlich in gedruckter Form hinten in allen Kirchen unserer Pfarrei ausliegen, aber das ist nicht der Fall. Der Überbringer der Nachricht ist der Täter und gehört geköpft. Warum kann ich nicht einfach die Klappe halten? Warum muss ich unbedingt erzählen, dass es Broschüren gibt von diesem beeindruckenden Bischofswort? In einer unserer Kirchen wurde es von dem verantwortlichen Priester so vorgelesen, dass es in seinen Duktus passt. Die gedruckten Expemplare waren nicht da, sonst hätte man was zum Vergleichen gehabt. In einer anderen Kirche wurde es so langweilig vorgelesen, dass alle es zu lang fanden. In einer weiteren Kirche wurde es anständig und aktivierend verlesen, leider waren die gedruckten Exemplare nicht da. Und so weiter und so fort.

Wen auch immer sie fragen, ob man noch an das Neujahrswort des Bischofs kommt, sie bekommen immer eine voraussehbare Antwort:

  • Keine Ahnung, wo man die bekommt.
  • Ich bin nicht verantwortlich.
  • Wieso? Liegen hinten keine mehr?

Ich gehe sowieso allen Gremienmitgliedern mit meiner penetranten Art auf die Nerven. Aber unser Bischof hatte nunmal ganz deutlich gegen Machtmissbrauch geredet. Also muss ich die missliche Lage der unerreichbaren gedruckten Broschüren ansprechen. Böse Blicke. Was soll 's.

Eine Frau kommt auf dem Kirchplatz auf mich zugerauscht. Ob ich ihr so ein Bischofswort aus dem Internet ausdrucken könnte. Sie erklärt ausführlich, wem sie alles von dem Bischofswort erzählt hat und wer alles und warum so eines braucht. Sie erzählt, dass sie privat (das ist das Wort, das sie gebrauchte) mit ihrer Familie und Freunden darüber spricht. Sie hat Kontakt zu Menschen in einem anderem Bistum, in dem diese Menschen gehört haben, dass sie sich mehr anstrengen müssen und dass die Kirchen nur erhalten bleiben, wenn alle sich Mühe geben. Das sei etwas ganz anderes, sagt die Frau, als unser Bischof uns sagt. Darum säßen sie beieinander und reden darüber. Privat.

Der Geist weht Gott sei Dank wo er will.

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https://www.erzbistum-paderborn.de/38-Nachrichten/24320,Gro%DFes-Echo-auf-den-Brief-von-Erzbischof-Becker.html

https://www.bistum-essen.de/presse/artikel/bischof-overbeck-wir-stehen-vor-einer-kirchlichen-zeitenwende/

https://www.bistum-essen.de/presse/artikel/bischof-overbeck-wirbt-fuer-neue-haltung-gegenueber-homosexuellen/

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Ein Neujahrsgruß ist ein Wort von Gewicht, wenn es länger in den Köpfen der Menschen bleibt als bis zum Leeren des Sektglases. Bischof Dr. Overbeck hat in seinem Bischofswort einige Fässer markiert, die ernsthat in diesem Jahr angestochen werden. Der Presseartikel zum Thema Homosexualität läßt darauf schließen. Der ist nur ein Merkmal. Alles andere kommt ja noch. Work In Progress. Hörende, die zu Tätern werden, weil sie sich ermutigt fühlen. Hörende, die nicht zuerst danach fragen, ob der Pastor es denn richtig finden wird, sondern dem Klang der Botschaft in ihren eigenen Herzen nachgehen und nicht anders können, als darüber zu sprechen. Gott sei Dank.

Und wer hat nun Schuld, dass die Broschüren nicht in die Kirchen verteilt waren? Die Gesellschaft? Das System? blahblahblah Während die einen ihren Sitzungskatholizismus pflegen, gehen die anderen ganz privat zur Sache und fühlen sich nicht exkommuniziert. Die einen betrauern einen morschen Kahn, die anderen bauen ein seetüchtiges Boot. Die einen machen alles richtig und nie irgendwelche Fehler, weil sie immer rechtzeitig die Schuldigen finden. Die anderen verstehen das Problem nicht, zucken mit den Schultern und wenden sich wieder dem eigentlichen Thema zu.

Wichtige Info in Sachen Fledermauskästen

2 min read

red box in the hands of someone wearing a black shirt, post-it on the box: act nowVielleicht gehören Sie auch zu denen, die sich wundern, wo die Fledermäuse bleiben, wo der NABU doch so rührig ist, zu deren Schutz Fledermauskästen anzupreisen. Aber mein Feldermauskasten bleibt leer. Schon im dritten Jahr.

Die Biologische Station in Brilon gab folgende Auskunft:

Der Aufhängeort : 4 m oder so hoch es geht.  Bei Begrünungen mit z.B. Efeu lässt sich da auch keine Fledermaus blicken. Fledermäuse bekommen nur EIN Junges, da ist ihr Sicherheitsbedürfnis recht hoch. Die Erfahrung zeigt, dass minimal 6m Höhe erforderlich sind.

Die Richtung : Norden oder Osten geht, wenn es nicht zu windig an der Stelle ist, ist Westen auch ok. Muss man testen, wie zwischen den Häusern die Luftströmungen sind. Fledermäuse mögen keine Zugluft! Schwalben übrigens auch nicht. Dann ist es so, dass Fledermäuse sehr wählerisch sind. Finden sie etwas mit noch besseren Bedingungen, gehen, oder besser fliegen, sie dort hin.

Und trotzdem:

"Hatte vor fast 30 Jahren zusammen mit anderen Leuten fast 50 Kisten gebaut und sehr sorgfältig die Aufhägeorte gewählt. Ein Kasten war nur einmal, ein anderer bisher 5 mal besetzt. Zum erste Mal nach fast 10 Jahren. Da hatten wir schon zig mal die Wespennester da rausgeprukelt. Die Kästen "funktionieren" am Haus also wirklich selten! Was die Hersteller und auch der Nabu da an Erwartungen schüren, ist wirklich hart an der Grenze. Die Fotos der Hersteller sind fast alle getürkt. Wenn man die normale Körperhaltung von Fledermäusen in ihren Quartieren genau beobachtet hat, erkennt man das sofort. Ich baue nur noch ganz spezielle Kästen, sehr aufwändig und nur zum Nachweis von Fledermäusen im Wald. Da ist die Quote auch gering, andere Nachweismethoden sind auch zeitaufwändig und teuer." (Zitat aus der Antwort von Herrn Hülshoff) 


Vielleicht sollte ich mir doch besser einen Meisenkasten kaufen. Nach der Auskunft von Hernn Hülshoff geht da fast immer wer rein. Flugloch 35 mm. Er hatte 12 Stück im Dorf verteilt, die bis zu 80 bis 90% besetzt sind.

 

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Linkliste:

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/fledermaeuse/index.html

http://biostation-hsk.de/

Foto: https://unsplash.com/@joszczepanska

Das Nähkästchen der Frau Verzjeve

4 min read

Im November 2018 führte uns der Betriebsausflug nach Maastricht. Neben den beiden Basiliken gab es Stadtgeschichte zu entdecken. Wir hatten das Glück, einem engagierten Stadtführer zu begegnen, der viele Details der Geschichte kannte. Seine Begeisterung sprang auf uns über. Wir schlenderten durch verwinkelte Gässchen, blickten in Hinterhöfe und auf kleine Flüsse, stolperten über Kopfsteinpflaster und konnten doch nie genug bekommen. Besonders die Figur der Frau Verzjeve mit ihrem Nähkästchen hatte es uns angetan. Darum möchte ich eine Geschichte weitererzählen, die wir von unserem Stadtführer Jo Mathijssen gehört haben:

In der Straße mit dem Namen Lange Grachtje (Langer kleiner Graben) sieht man Steinreste an der Stadtmauer. Dort hat es in früheren Jahren Armenhäuser gegeben. Sie bestanden aus nur einem Raum und einem Dachboden.

Dort lebte einst eine Familie mit zwei Töchtern. Die Eine der Töchter wollte heiraten. Nun war es schon damals sehr schwer für Töchter armer Leute, ohne Geld zu heiraten. Wie sollte man an das Geld kommen? Die Familie kam auf eine Idee: Man kaufte vier Kaninchen, die wollte man mästen und nach einiger Zeit mit Gewinn wieder verkaufen. Die Kaninchen wurden auf dem Dachboden gut untergebracht und wurden von der jüngsten Tochter gefüttert.

So weit, so gut.

Doch eines Tages waren die Kaninchen weg. Man suchte und suchte und konnte sie nirgends finden. Was war passiert? Erst am Abend kam Licht in die Sache: Der Vater kam mit besoffenem Kopp und zwei Freunden heimgetorkelt. Ihn hatte der große Durst ergriffen. Er hatte sich keinen anderen Rat gewusst, als die Kaninchen vorzeitig gegen Geld auszutauschen. Von dem Geld kauften er und seine Freunde sich Bier und Schnaps. Der Durst wurde gelöscht. Aber glücklich wurden die drei Männer nicht. Sie wurden von der Mutter und einer Nachbarin ordentlich verprügelt. Da beschloss der Vater, aus der Planung der Hochzeit auszusteigen. Er verkrümelte sich lieber. Nun war die Familie wirklich in Not. Die Hochzeit war ja schon geplant, der Termin stand fest, aber es gab kein Geld. Guter Rat musste her. Man grübelte und suchte nach Lösungen. Bis endlich eine der Nachbarfrauen sagte:

Dann müssen wir halt wieder das Nähkästchen von Frau Verzjeve verlosen.

Gesagt, getan. Im Viertel gab es Arme und Leute mit etwas mehr Geld. Man stellte Lose her, die wenig kosteten. So konnte jeder ein Los kaufen und das Geld kam zusammen. Die Familie war getröstet, das Mädchen konnte verheiratet werden. Alle waren glücklich und zufrieden.

Aber der eigentliche Clou an der Geschichte ist die Tatsache, dass Frau Verzjeve ihr Nähkästchen immer noch hatte. Es gab keinen Gewinner. Oder anders gesagt: Gewonnen hatte nur die Tochter. Und die Gemeinschaft der Armen hatte wieder einmal super funktioniert.

Bis auf den heutigen Tag geht die Frau Verzjeve mit ihrem Nähkästchen beim Karnevalszug mit. So wird die Erinnerung an sie bewahrt. Sie muss eine kluge Frau gewesen sein mit vielen guten Ideen und großem Herz. Und mancher Stadtführer erzählt den Touristen davon. Übrigens gab es damals 40 Brauerein in Maastricht. Bier war gesünder als Wasser, weil es durch den Brauvorgang keine Keime enthielt. Wasser wurde aus der Erde hochgepumpt und war voller Keime. Im Brauverfahren wird das Wasser gekocht. "Unsere lebenslustige Art stammt aus dieser Zeit", sagte unser Stadtführer Jo Mathijssen, der uns diese Geschichte erzählte. "Wir sahen uns genötigt, Bier zu trinken. Übrigens lebten die Leute von Maastricht montags noch gesünder. Es gab das Bier zum halben Preis, weil dienstags frisch gebraut wurde. Der Hintergrund war damals, dass Bier nur eine Woche haltbar war."

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Quellen

Bücher

Mestreechter Vertelsel, Alfons Olterdissen, Herausgeber: Vroom en Dreesmann, Maastricht (das war eine Kaufhauskette so wie Kaufhof), 2. Auflage 1975

Prozawerken, Alfons Olterdissen, Herausgeber/Drucker : Leiter-Nypels Maastricht. 1. Auflage 1926

Stadtführer und Erzähler

Jo Mathijssen

Link

https://dbnl.org

https://dbnl.org/tekst/olte001alfo01_01/olte001alfo01_01_0056.php

Youtube

Bitte bedenken Sie, dass beim Nutzen von Youtube Ihre Daten nicht sicher sind.

ein paar Tage Berlin

5 min read

Mit dem Zug nach Berlin. Weggefahren bin ich dann auch mit einem Zug, aber es war der Flixzug. Das Unternehmen hatte hatte das Startup Locomore übernehmen und macht offenbar da weiter, wo diese geendet sind: alte Waggons, mit Branding oder ohne (es gab sogar einen Waggon im Locomore-Style), innen sauber aber alt, Steckdosen und WLan funktionierten leider nicht, aber im Waggon ganz am Anfang gab es einen Kiosk mit Bio-Angeboten (ich saß im letzten Waggon). Mit mir saßen viele Menschen mit Migrationserfahrung und viele Akademiker im Zug.

In Berlin wohne ich immer im Hotel Grenzfall und es war wie immer perfekt.

Mein erster Eindruck in Berlin:

Hier sind ja kaum Bettler

Im Ruhrgebiet wird man auf den Fußgängerzonen und am Bahnhof ständig angebeldet, mal aggressiv, mal entsetzlich verwahrlost und demütigend. Aber dann betrat ich die U-Bahn. In den 4 Tagen in Berlin gab es nicht eine Fahrt, die nicht mit Musik oder Gesprächen im Rahmen von Bettelei vergingen. Das ist ein interessantes Konzept.

Man betritt die U-Bahn. Sucht sich einen Sitzplatz. Hängt seinen Gedanken nach oder spricht mit jemandem. Dann betritt jemand den Wagen und fängt an auf einem Instrument zu spielen. Derselbe Mensch läuft anschließend von Sitzplatz zu Sitzplatz und hält die Hand auf. Mancher Bettler ist penetrant, will nicht weitergehen, schaut einen auffordernd an. Es stimmt ja auch: Jeder weiß, dass es Bettlern schlecht geht. Kaum ist der Bettler weg, kommt schon der nächste. Noch so eine Masche: Jemand betritt den Waggon und beginnt mit einer Rede. Er spricht  die Fahrgäste direkt an, erzählt seine Geschichte oder das, was er für seine Geschichte hält. Eine Frau verkauft Zeitungen. Ich kaufe eine. Das Erscheinungsdatum liegt ein halbes Jahr zurück. Man kann nicht U-Bahn fahren, ohne angebettelt zu werden. Die Zugänge sind  lang und voll mehr oder wenig guter Musik. Es ist nicht möglich, dieses wunderbare und praktische U-Bahn-Netz zu nutzen, auch das S-Bahn-Netz nicht, ohne dass man ins Grübeln kommt. Ich kann nicht ständig Geld geben. Wieviel Geld soll ich geben? Was ist mit dem, dem ich Geld gebe? Kann ihm geholfen werden? Was würde ihm helfen? Dieses Betteln im Netz des ÖPNV ist ein zielführendes Konzept, wenn man an Geld kommen will. Aber man kommt auch nur an Geld, sonst an Nichts. Es ist traurig. Deprimierend.

Kreuzberg, sagte Raul Krauthausen, sei gar nicht so gefährlich, wie immer behauptet wird. Wir hatten eine nettes Abendessen im kleinen Kreis in einem netten mexikanischen Restaurant. Kaum aus der Tür raus, begegneten uns wieder diese abgrundtief traurigen Menschen, rat- und hoffnungslos, wie gesprenkelt unter die, die es geschafft haben und immer ein bisschen ablehnend wirken, als hätten sie Angst vor etwas.

Es gibt übrigens Buchhandlungen in Berlin. Buchändler sind ja die Bauern der modernen Zeit. Sie wissen, was ich meine. Nur in Berlin findet man tatsächlich (ich warte auf Widerspruch; es freut mich, immer wieder Buchhandlungen zu finden) diese mit Liebe und Kenntnis geführten Läden wie das Ocelot. Dort konnte ich endlich Der Umfall aus dem Avant-Verlag kaufen, auf das ich vergeblich in meinem Büro gewartet hatte, weil der Hermesversand die Tür nicht gefunden hat. Diese Grafic Novel ist empfehlenswert, wenn man nicht alles glaubt. Es handelt sich um ein Auftragswerk aus Anlaß eines Jubiläums einer Einrichtung für Menschen mit Lernbehinderung. Es ist sehr gut und unterhaltsam gezeichnet. Die Geschichte selber ist in kleine thematische Abschnitte eingeteilt. Aber ganz so glatt wie erzählt geht die Eingewöhnung eines Lernbehinderten in eine stationäre Wohneinrichtung eben nicht.

Vor dem Kultrad bin ich eigentlich nur wegen der Bierflaschen in der Auslage stehengeblieben. Dann stachen mir der Klappradluxus ins Aufe. Was soll ich sagen? Es war nett. Wie kann es sein, dass so ein exklisiver Laden auf so schlichte Weise in einer unauffälligen Straße existieren kann? Vermutlich, weil die Website eine ordentliche Reichweite hat. Mit uns waren Menschen aus Sachsen im Laden, die ihre Vorbestellung abholten.

Es hat die meiste Zeit geregnet. Es war nicht schön draußen und die U-Bahn ist auch nicht immer schön. Es gab eine Stellwerkstörung im zentralen Bereich. Stunden unter der Erde und als Fremdling hat man beim Umsteigen was zu tun mit Sucherei. So stieg ich auch mal in die Fahrradrikscha [Dirk Maretzki, 01702664843]. Eine empfehlenswerte Alternative zum Taxi in der Innenstadt. Man wird einfach am stehenden Verkehr vorbeigefahren. hähähä

Während des Redesigns (ich zitiere bloß) der Hedwigskathedrale werden die Gottesdienste nach Sankt Joseph ausgelagert. Dazu liegen Faltblätter aus mit einer Anfahrtsbeschreibung: 6 Stationen mit der U6. In der Stadt sind Pfarreientwicklungsprozesse dank Öffentlichem Personennahverkehr einfacher. Die im Faltblatt angegebenen Webadressen helfen nicht weiter. Aber wer braucht das Internet, wenn es so ein Faltblatt gibt?

 

Momentan sind wegen erhöhtem Spamaufkommen "stars" und "comments" abgestellt.
Ist eigenlich auch egal, weil beides kaum genutzt wurde und keinen Effekt hatte.

Persönlicher Rückblick auf die Perspektiv-Veranstaltung im Rahmen des Zukunftsbild-Prozesses am 19. September 2018

4 min read

Lauter Seelsorger. Vor 30 Jahren hätten wir das noch nicht sagen dürfen und wir hätten uns auch nicht alle auf einer Veranstaltung getroffen. Priester, Diakone, PR und GR (um das Problem mit der geschlechtergerechten Sprache zu umgehen) und Ordensleute (die keine Berufsgruppe sind). Heute bekam jede Berufsgruppe eigens farbige Klebepunkte (inklusive einer Punktereihe für "weitere"), mit der Themen gewichtet werden konnten.

Die Berichte finden sich auf der Website des Bistums Essen. Der obligatorische Vortrag mit dem Blick von außen war große Klasse.

Wir können einander in unserer Vielfältigkeit wahrnehmen, was naürlich auch die Wahrnehmung von Ekelgrenzen (s. Millieustudie) bedeutet. Prägnant war die Entscheidung einiger Arbeitsgruppen, von den Vorgaben abzuweichen und Eigenes zu entwickeln. Wir sind gespannt, was die Steuerungsgruppe daraus macht.

Wem gehört die Kirche?

Der Generalvikar sagt: "Den Kirchensteuerzahlern."

Jemand ruft in die Halle: "Den Getauften."

Es wird nicht applaudiert, aber der Generalvikar stimmt zu.

Dasein und Sosein

Es gab Mineralwasser. Wer wollte, konnte auch Leitungswasser aus Karaffen trinken. Für uns Vordenker ist Fritz-Cola und -Apfelschorle das Getränk der Stunde. Und natürlich Kaffee. Guter Kaffee. Und kein Plastikzeug.

Den Veranstaltenden des Zukunftsbildprozesses gelingt es immer wieder, ein grandiosen Catering zu verpflichten. Da steckt Geld drin. Einer meiner eher miesepimpeligigen Kollegen nutzte auch diese Gelegenheit, um einen seiner Lieblingssätze loszuwerden: "Dafür hat das Bistum Geld." Aber er hat bisher noch nicht gesagt, wofür das Bistum seiner Meinung nach Geld haben sollte. Wahrscheinlich für die Erhaltung einer Kirche, die nicht mehr besucht wird, oder für mehr Personal, das nicht da ist.

Wir haben so lecker gegessen. Es war ein Fest. Es war Gemüse und einfach gekocht, aber bissfest und mit Liebe gewürzt. Wir konnten sitzen oder an Stehtischen in der Sonne essen. Wir hatten Pause genug, um über das Gelände der Zeche Zollverein zu schlendern. So entdeckte ich eine dieser Hallen mit diesen kleineren Startups (Oder sind sie bereits mehr als das?) Zum Beispiel Kohlenseife von Sapor. Mancher von uns hat beim Klang des Namens schon den Geruch in der Nase.

Unbezahlbar sind kurze oder lange Gespräche. Wenn es nur nicht so laut wäre in der Halle. Zwischen uns ploppt Vertrauen auf. Manchmal auch eher das Gegenteil. Wir sind Viele. Auf der Bistums-Website wird Bischof Dr. Overbeck mit dem Satz zitiert: "Nicht: Wir schaffen das, sondern: Wir machen das." Das klingt ein bisschen zu vage und auch etwas populistisch. Im Grunde ist es aber so. Herr Schmitt sagt es in dem Interview mit ähnlichen Worten. Wir bekommen keine mundgerechten Antworten und können damit die Verantwortung für unser Tun nicht in die Hände von Vorgesetzten legen. Das ist noch nicht bei allen angekommen. Wir sind auf der Suche nach einer Kirche, die sich an Jesus orientiert und in der alle das Ziel haben, so zu sein wie Gott. Das geht nur mit Vertrauen und Ungewißheit. Das ist mit einem 5-Jahres-Plan nicht zu machen. Das ist mit überhaupt keinem Konzept zu machen. Da sind wir alle auf der Suche. Fast alle. Manche sitzen in ihrem Kämmerlein und hoffen, nochmal ungeschoren davon zu kommen. Die anderen stehen auf den Straßen dieser Welt Rede und Antwort. Dieser Eindruck hat sich in Gesprächen an diesem Tag vertieft. Menschen, Kollegen, denen ich zum ersten Mal begegnete, erzählten mir, was ihnen wichtig ist. So kann das gehen.

Auf dem Rückweg ins Gehöft gab es in Bus und Bahn einen Austausch unter Kolleginnen. Manche hatte den platten Alltag vor sich. So ist das. Und ich überlege, wie ich in Zukunft arbeiten möchte, damit es so ist, wie Herr Schmitt, der Manager, es für sein Orchester beschreibt: Das Beste aus allen herausholen.

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