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Vom linken Niederrhein ins Ruhrbistum
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Dorothee Janssen

Gar nicht mal so Unzufriedene bei der ersten Komplizenkonferenz im Bistum Essen

8 min read

Es fing alles damit an, dass das Team vom Zukunftsbildprojekt Gründerbüro des Bistums Essen Unzufriedene zu einer Komplizenkonferenz ins kitev bat. Die Location ist in diesem Turm am Oberhausener Hauptbahnhof. Man steht zunächst vor MacDonalds und weiß nicht so recht, ob man richtig ist. Aber dann trifft man auf einmal bekannte Gesichter aus dem Bistum und muss gucken, wie man die gar nicht so barrierefreie Eingangsstufe meistert. "Wir beginnen mit dem Essen im 5. Stock." Einen Aufzug gibt es natürlich nicht. Na toll. Auf dem Weg dahin fanden wir Zitate an den Wänden. Tief Luft holen und lesen und sich erinnern. Ganz schön seltsame Location, wenn man katholische Erwachsenenbildungsstätten gewohnt ist. Aber die Zitate sind schon vertraut.

Schlüsselbund mit Kapselheber auf einem Zettel mit folgendem Text : "Brecht auf ohne Landkarte - und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist, und nicht erst am Ziel. Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden, sondern lasst euch von ihm finden in der Armut eines banalen Lebens." Madeleine Delbrêl

 

Wer ist dabei ?

Kollegen und Kolleginnen im pastoralen Dienst, aber auch viele unbekannte Gesichter (dazu später mehr). Auf dem Weg zum Essen pinnen wir unsere Heimatgemeinden auf eine Karte des Bistums Essen und kleben unsere Wünsche und Ideen an die Wand. Es geht nicht nur um das, was wir geben wollen, sondern auch um das, was unverzichtbar ist.

Oberhausen liegt im Ruhrgebiet. Aus dem Sauerland ist offenbar niemand gekommen. Aber eine Kollegin aus dem Erzbistum Paserborn ist da und ein junger Mann, der was für ein Land in Afrika tun will, und ein Ingenieur, der hilflosen Personen mit Technik behilflich sein will. Ach? Wie kommen die alle hierher?

Manche Kollegen und Kolleginnen kennt man schon aus anderen Veranstaltungen. Es wird direkt zur Sprache gebracht: Wir haben Lust auf Neues. Dieses und Jenes, das uns im beruflichen Alltag auf die Nerven geht, wird durchgehechelt. Ein Mann, den ich noch nie gesehen habe, erzählt, er käme aus einer der beiden Gemeinden im Bistum, die jetzt ehrenamtlich geleitet würden. Wir nörgeln schon gar nicht mehr. Wir erzählen uns bei Linsensuppe und allerhand Leckerem aus der Küche einer Flüchtlingsinitiative. Ein gesetzter Herr mit Bierbauch stellt sich als ehemaliger Mitarbeiter aus meiner Zeit als Jugendseelsorgerin heraus. Er ist verheiratet, hat Kinder und macht in Scrum.

Dann beginnt Becci Klug mit ihrem Vortrag. Sie ist die Initiatorin des raumschiff.ruhr, das in der Marktkirche im Zentrum der Essener Innenstandt, mitten in der Fußgängerzone, gelandet ist. Sie wollte nie einfach nur eine Gemeinde leiten, sondern traute ihrem Verstand und ihrer Sehnsucht und handelte mit der Kirchenleitung was aus, was ihr entspricht. Auch ihr hat das Essen wirklich gut geschmeckt.

Wat nu?

Offenbar können wir machen, was wir wollen. "Sorgen Sie gut für sich." Das sind wir nicht gewohnt. Es gibt auch keine Rezepte. In Kleingruppen erzählen wir einander was von Gott und unseren Gotteserfahrungen. Ich hatte wirklich durch Zufall die Toppkarte gezogen mit dem Symbol des Leuchtturms: Ein Priester, ein Diakon und eine Gemeindereferentin in einer Kleingruppe. Worst Case. Das Gespräch kommt sehr schwer in Gang. Es ist nicht so einfach, über Gott zu sprechen. Ganz offensichtlich will jetzt keiner von uns etwas Falsches sagen. Dann taucht die Fotografin vom Dienst auf und sieht, dass wir die Karten auf dem Tisch liegen haben, die wir mit Inhalt füllen sollen, und ist ganz begeistert, weil wir die einzige Gruppe sind, die das haben. Der Diakon weist sie darauf hin, dass das so muss. Es gehört ja zu dem Arbeitsauftrag, den wir bekommen haben. Sie macht freudestrahlend Fotos. Anschließend tauchen langsam alle wieder in der zentralen Etage auf (hatte ich erwähnt, dass wir 4 Etagen bespielten?) und klammerten ihre Ideen und Erfahrungen an eine Leine, die in der Mitte des Raumes platziert war. Die freundliche Moderatorin Ursula Hahmann wies unermüdlich darauf hin, dass wir unsere Namen auf die Zettel schreiben sollten, damit andere wissen, mit wem sie Kontakt aufnehmen können, wenn der Zettel Interesse geweckt hat. So weiß natürlich niemand, dass ich einen Server entwickeln möchte, den Gemeinden nutzen können für Kommunikation (mit Datenschutz und allem Drum und Dran) und offene Daten (darüber wäre zu verhandeln). Dafür habe ich Herrn Hasenau kennengelernt, der Hilflosen helfen möchte. Er weiß, dass technische Hilfen oft viel zu teuer sind. Außer uns haben 100 andere Menschen genau so konzentriert miteinander gesprochen. Es war laut. Aber man konnte sich in eine der anderen Etagen verziehen.

WLan gab es auch. Twittern zur Entspannung in der ganz offiziellen Pause.

Noch was für die Professionalität

Es gibt Methoden für Kreativität und Wege, wie man auf Ideen und an Geld kommt. Wir machen noch eine Einheit mit Input. Ich lerne neue Wörter kennen und eine Theorie, die keine Methode ist, sondern eine Beschreibung der Startups, die gut funktionieren, so dass man daraus lernen kann. Aber wir lernen nicht, wie wir es richtig machen sollen, sondern dass es ganz anders gehen kann. Kein Optimierungsmodell. Das neue Wort heißt Effectuation. Es gibt Prinzipien. Und die Workshop-Leiterin hat ihren Namen auch nicht auf die Handouts geschrieben. Sie schlägt uns Lektüre vor. Es ist bereits 21 Uhr und ich muss noch heimfahren mit Zug und Taxi (der letzte Bus ist meist weg). Am besten gefällt mir das 2. der 4 Prinzipien:

Leistbarer Verlust statt erwartbarer Ertrag.

Das gefällt mir. Ich mache, was mich begeistert und was ich kann. Ich beginne nicht mit dem Formulieren eines Konzeptes und ich mache mir auch keine Sorgen, ob das jemandem nicht gefällt. Ich mache das, was ich am besten kann: kommunizieren. Und ich muss auch nicht der King - ups : die Queen im Ring sein. Ich mach einfach, was ich kann. Ich beginne nicht mit dem Absichern des Erfolges, sondern überlege, was ich/das Team/die Gemeinde sich an Verlust leisten können. Neue Wege sind ein Risiko. Wir können nicht sicher sein, dass es klappt. Aber wie Becci Klug ganz am Anfang unserer Konferenz gesagt hat: Es ist die Sehnsucht, die uns nicht zur Ruhe kommen läßt. Es geht nicht einfach so wie immer. Ich kann die Verantwortung für mein Tun leichter übernehmen, wenn von mir nicht der Ertrag vorausberechnet werden muss, sondern mein Blick zu den Menschen geht, mit denen ich zu tun habe. Hoffnung, Enttäuschung, Lebensläufe, Neuanfänge, Berufung, Begeisterung, Ideen und immer wieder Unerwartetes.

Beten mit der Ikone meiner Kindheit

Wir verabschieden uns am Schluß mit einem Versprechen, das wir halten können.

Florian Giersch spielt die Pippi-Langstrumpf-Theme auf seiner Cajon. Auch wir suchen und entdecken und merken, dass ein Gespräch zwischen Pippi und Annika ein schönes Bild sein kann. Annika, die sich Anpassende und Pippi, die Ephraimstochter. Noch einmal an das Erwartbare denken, das so erschreckend undbehindernd sein kann. Ich bin kein Kind und mache mir die Welt mitnichten widdewiddewie sie mir gefällt. Ich bin schon groß und weiß, dass da mehr ist als Geld. Es gibt Sachen zu entdecken und Schätze zu teilen.

Elisabeth Keilmann-Stadtler leitet einen Gottesdienst, der keiner ist. Oder doch. Aber ... . Doch!

Bullshit-Bingo

Die Kirche muss wieder zu den Menschen gehen.

Wir müssen mehr raus.

Wir brauchen neue Formen.

Der Pfarreientwicklungsprozess nervt.

Und jetzt?

Eine Kollegin aus dem Nachbarbistum Paderborn und ich, wir haben unsere Adressen ausgetauscht und werden uns beizeiten treffen. Wir sind nicht unzufrieden. Wir sind auch nicht ratlos. Wir haben nur nicht alles im Griff. Unruhig sind wir

Links

http://kirchehochzwei.de/cms/

https://www.willowcreek.de/

http://zukunftsbild.bistum-essen.de/die-bistums-projekte/die-bistumsprojekte/gruenderbuero-fuer-pastorale-innovationen/

http://www.zap-bochum.de/ZAP/team/florian-sobetzko.php

http://www.maria-laach.de/te-deum/

http://kitev.de/

https://typografie.de/

http://www.hahmann-dessoy.de/

https://www.bistum-essen.de/

Dorothee Janssen

Ich muss nicht alles wissen

5 min read

Mein Selbstbewußtsein wächst mit dem Alter. Das liegt am Reisen, an Freundschaften und daran, dass ich merke, dass mein Glaube nicht erschöpft in den Kreisen derer, die alles wissen. Open Source. Sie verstehen? Man teilt, was man hat und weiß. Wir müssen nicht verzweifeln an unseren eigenen Unzulänglichkeiten.

Lorettokirche oberhalb des ehemaligen Klosters Murbach im Elsass. Klobiger Steinbau im Grünen.Schöne Grüße vom LUKi-Treffen in Fulda, wo wir bei der Gemeinschaft Geist und Sendung zu Gast sind. Wir lernen voneinander, wie man scannt, PDF erstellt, wie OCR funktioniert, was ein Podcast ist und Klaus Knopper lehrt uns als Gastreferent das 3-D-Drucken. Es ist unglaublich, wie viel Zeit wir konzentriert mit Lernen verbringen und wie wenig Reibungsverlust entsteht. Mich bedrücken die Erinnerungen an Ellebogenkämpfe in der Schulzeit. Wir diskutieren über selbstfahrende Autos, den Sinn von cloudbasierten Diensten, Gefahren und Notwendigkeiten.

Kein Mensch interessiert sich für die Zukunft

Wir müssen natürlich auch mal den Tisch abräumen. Wir werden müde, die Sonne blendet. Wir kommen gar nicht dazu, ein Podcast zu erstellen, obwohl wir alles an Zubehör und das nötige KnowHow vor Ort haben.

Die Loretto-Kirche in Murbach im Elsass

Oberhalb der Klosterruine von Murbach im Elsass steht eine der zahlreichen Lorettokirchen, deren Prototyp von Kreuzrittern aus dem Heiligen Land gerettet wurde, als ihnen klar war, dass sie das Heilige Land nicht würden halten können. Von da an entstanden Lorettokirchen an vielen Orten. Klobig. Innen drin mit viel Bildern und Figuren, die die Geschichte von Bethlehem erzählen.

Während ich dies schreibe, wird überlegt, ob ein Minkowski uns weiterbringt oder?

Der Podcaster hängt konzetriert an seinem Notebook, der Fahrradfahrer entwirft und entwirft und entwirft, der Vorsitzende schreibt einen Beitrag, alle anderen haben auch so ihre Aufgaben. Wir diskutieren und vergessen das Essen und Trinken. Einer knistert mit seiner Glutenfrei-Tüte. Es gibt überhaupt keine Mateflaschen und der Gottesdienst, den wir gemeinsam mit dem Barcamp in Köln hätten halten wollen, läuft grad ohne uns. Wir lernen was über Material, das beim Drucken in 3D verwendet werden kann und worauf man achten muss. Alles ohne Mittagspause. Auch der Referent findet kein Ende.

Haben wir wirklich ein Bildungsproblem in Deutschland?

Wenn ich etwas nicht verstanden habe, frage ich meinen Nachbarn. Wer was nicht weiß, labert mich nicht einfach voll. Ich frag den Nächsten. Manchmal sitze ich einfach da und höre zu. Prinzipiell können wir uns jetzt alles Mögliche ausdrucken. Die eigentliche Arbeit steckt im Entwickeln der Datei. Man muss in dem Programm aus geometrischen Figuren das zusammensetzen, was man sich denkt. Das kann man lernen. Dazu braucht man nicht viel. Aber ein 3-D-Drucker ist teuer. Wir erfahren, dass man schon 1500 € investieren muss. Wir erfahren auch, welche Gefahren so ein Gerät birgt. Dazu käme das Material und die Druckkosten. In manchen Schulen oder öffentlichen Büchereien stehen 3-D-Drucker, die allen zugänglich sind. Es ist wirklich nur die Arbeit, die man selber zu leisten hat: lernen und Übung und der Austausch mit anderen.

Mehr Freiheit

Wer selbstbewußt ist, muss sich nicht absichern. Wer geliebt wird, kann Risiken eingehen. Wer liebt geht Risiken ein. Atmen. Durchhalten. Neugierig sein.

Es gibt Menschen, die missionieren. Das meine ich so: Es gibt Menschen, die sind so begeistert, dass sie alles teilen - Sie wollen, dass auch andere die gleichen guten Erfahrungen machen. Glück. Geborgenheit. Staunen. Nichts, was man sich kaufen könnte. Es liegt auch gar nicht am Geld. Aber das ist schwer zu vermitteln. Es liegt auch nicht an den Parteien und nicht an wasweißich.

Wir reden über das, was uns begeistert. Wir lernen. Wir teilen. Wir fragen. Wir sind neugierig. Ich frage mich, warum das hier geht und nicht in meiner Heimatgemeinde. Ein Kollege fragt, wo meine Heimatgemeinde ist und ich zähle die Standorte auf, die dazugehören. Wir reden über Kirchenentwicklung und die freikirchlichen Kollegen lachen nicht. Sie wissen auch nicht alles besser.

Wenn ich etwas nicht verstehe und es verstehen möchte, muss ich fragen. Keiner lacht über meine Fragen. Anders als damals in der Schule muss ich meine Freiräume nicht erkämpfen. Aber zu wenig frische Luft und zu wenig Bewegung hatte ich auch hier. Man verläßt den Raum nicht gerne, man könnte ja was verpassen. Zum Beispiel, wie man Acetonfiguren mit Aceton schön blank kriegt. Aber wir reden natürlich auch darüber, dass wir unsere Freizeit kaum erkennen können. Denn was wir beruflich machen und was uns interessiert ist nahezu deckungsgleich.

Während ich diese Zeilen schreibe, wird gedruckt, gefrickelt, getippt, entspannt, gebetet und anderswo sterben Menschen. Auf einmal ist alles möglich. Es wäre möglich, dass alle Menschen leben können. Und ich bin sicher, dass wir das eines Tages hinkriegen. Wenn auch hier noch nicht alle Menschen erreicht werden, ... wenn wir auch aus unseren guten Erfahrungen keine Theorie entwickeln, ... egal. Das hier ist schon mal richtig gut.

Dorothee Janssen

Colmar und was ich daraus lerne

6 min read

Auf dem Weg nach Colmar machten wir Station in Klingenmünster und entdeckten dabei Laurins Wald. Nur Bäume (ohneKronen und Wurzeln, auch der Boden ist nicht zu sehen) und ein Schild mit der Aufschrift

Colmar liegt im Elsass. Wenn man nicht genausoviel wandert wie man Speis' und Trank konsumiert, endet der Urlaub mit Verdruss. Spieglein, Spieglein - bin das ich?

Reisen Sie im Oktober ins Elsass. Die Einheimischen haben viel zu tun wegen der Weinernte. Das Laub färbt sich von Grün zu Vielfalt. Man kann übrigens mit Bus und Zug wunderbar von Colmar aus in die Umgebung reisen, zurückwandern oder eine Rundtour machen bis zur Ausgangshaltestelle. Für Sie getestet und für gut gefunden. Sie werden Albert Schweizer und Störchen begegnen. Es gibt eine unglaubliche Fülle an Walnüssen, Pflaumen, Schmetterlingen, Äpfeln. Eigentlich muss man nur was zum Trinken mitnehmen.

Was mich wirklich verblüffte: die Sprache. Im Gespräch mit Mitmenschen kommt die Frage auf: Welchen Sinn machen Staaten? Ich denke: Dies ist das Elsass, man spricht elsässisch. Das kann man nicht auf "französisch" oder "deutsch" reduzieren. Aber wie bringt man das in unsere zeitgemäße Form von Staaten unter? Über die Grenze kommen wir bereits ohne Unterbrechung. Man sieht die alten Grenzanlagen, die noch gebraucht werden, wenn wieder Terroristen zugeschlagen haben. Terroristen. Das ist auch so ein Wort. Wir diskutieren bei Wein und Flambée. In den Zeitungen geht es um die Separatisten in Spanien - zum Beispiel die Katalonen. Darf der spanische Staat Menschen in Katalonien mit Gewalt in die Knie zwingen, weil es sein Staatsgebiet ist?

Im Bartholdimuseum wird erklärt, wie die Freiheitsstatue entstand. Es wird aber nicht erklärt, wie der Künstler Bartholdi auf seine Idee kam. Er war finanziell unabhängig. Der Koloss von Rhodos beeindruckte ihn, aber für den Suezkanal ließ man ihn nichts bauen. Das mit der Freiheitsstatue dauerte, aber es wurde was. Ich kann darin keinen politischen Willen erkennen. Es ist Kunst mit einem Sinn für Proportionen, Schönheit und Pathos. Ein bißchen enttäuscht bin ich schon. Ich hatte gedacht, die Statue begrüßt Einwanderer: "We hold up these truths ..."

Hansi verpassen Sie garantiert nicht. Er war einer der ersten Werbegrafiker (Wir haben seine und die Schilder anderer an den Handwerkerhäusern und den Restaurants fotografiert). Er war ein pfiffiger Zeichner. Man erfährt leider zu wenig über seinen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Dafür sind seine Bilder einfach zu niedlich. Viel passender als der Stress mit der Gesinnung. In einer Buchhandlung mit Antiquariat in der Rue des Marchands gibt es haufenweise unterschiedlichste Literatur über den Elsass und Zeichnungen von Hansi und anderen pfiffigen Künstlern (beispielsweise Tomi Ungerer, aber den beguckt man gründlicher in Straßburg). Dort findet man auch ein Taschenbuch, das in mehreren Sprachen veröffentlicht erklärt, warum das Elsass endlich befreit werden muss.

Mir kamen die Menschen im Elsass freundlicher vor als in anderen Gegenden. Aber mir fällt auf, dass grundsätzlich französisch gesprochen wird.

Der Staat sorgt für Recht und Ordnung. Wir müssen uns um Vieles nicht kümmern. Wenn wir leben, wie wir leben, wird irgendein Staat kommen, und uns einfach wegnehmen, was wir nicht verteidigen können. Oder ein Konsortium wird kommen.Ich denke an etwas ganz anderes. Es müsste geerdete Lebensräume geben, die ins Unüberschaubare hinein vernetzt sind. Ich will reisen, lernen, mich informieren, genießen, teilen, gestalten. Blockchain und Urban Gardening.

Polizeipräsenz fällt auf. Beispielsweise 4 Polizisten im Bahnhof. 2 Franzosen, 2 Deutsche. Eine ältere Dame spricht einen der deutschen Polizisten an, der wortlos auf das Embelm auf seinem Ärmel zeigt. Freundliche Menschen und Polizeipräsenz.

Während wir in Colmar sind, brennt ein Haus in einer Nachbarstadt. Kinder und ein Erwachsener sterben. Es wird ein fremdenfeindlicher Hintergrund vermutet. In einer anderen Nachbarstadt Colmars gibt es eine Bombendrohung. Zum Glück passierte nichts. Bei einer Zugfahrt zurück aus den Weinbergen in die Stadt ist Polizei anwesend. Sie gehen durch den Zug. Als sie aussteigen, steigt Bahnpolizei ein.

Mir fiel auf, dass immer wieder Touristen "Unter den Linden" sagen, wenn sie aus Deutschland kommen. Aber das Museum mit dem Issenheimer Altar heißt Unterlinden. Mein Favorit ist die Verkündigung an Maria von Otto Dix, das im neuen Gebäude hängt.

Die grausame Seite des Internets lernen wir im Au Croissant Doré kennen: Eine alte Dame führt dieses Café. Das weiß auch der TripAdvisor. Mehr muss ich wohl nicht sagen. Wir bemühten uns, nicht im Weg zu stehen und nahmen unser Croissants morgens nach der touristischen Rush-Hour. Gäste gehen der alten Dame zur Hand. Sie sagt: "Die Deutsche reisen so viel." Ja, das habe ich auch in anderen Ländern schon gehört. Vielleicht tun wir das, weil es bei uns so eng ist. Im Elsass hat selbst derLKW-Fahrer noch die Wahl, ob er Fußgängern den Weg freigibt. Offenbar zählt nicht jede Sekunde. Aber es gibt auch Bettler und Ausgegrenzte. An den Orten der Touristen treiben sich auch Besoffene rum, die müde aussehen, richtig traurig. Bei aller Gelassenheit machen wir die Erfahrung, dass in Klein-Venedig die Mittagszeit streng eingehalten wird. Durchgehend offen ist nur die Bar oder das Café. Menschen brauchen Pausen. Alle Menschen. Und man kann nicht alles für Geld haben. Die alte Dame im Au Croissant Doré kommt um 7 Uhr in ihr Café, mittags hat sie eine Hilfe, abends ist sie mindestens bis 21 Uhr im Café tätig. Aufräumen, abrechnen, vorbereiten, Einkauslisten. Das wissen die TripAdvisor-Kunden nicht, die schreiben, man warte lange auf seinen Kaffee, der außerdem nicht gut sei und eng sei es auch. In Wirklichkeit werden zwei vorhandene Tageszeitungen unter den Gästen (natürlich nicht unter allen) weitergereicht. Wir hatten uns angewöhnt, eine mitzubringen, so dass 3 Tageszeitungen kursierten. Man kann diesen Ort nicht besser machen. Man kann da nichts optimieren.

Don't miss Ammerschwihr

Ammerschwihr ist ein kleiner Ort in der Nähe von Colmar. Durch Zufall geraten wir beim Wandern dort hin. Denn hin wollten wir nicht, da der Reiseführer es für uninteressant hielt. In dem Ort gibt es einen Künstler, der mit Mosaiken arbeitet. Der Reiseführer war der Meinung, der Krieg habe alles kaputt gemacht. Im Ort gibt es Schilder, die Reste von Häusern erklären und alte Anblicke der Stadt zeigen. Außerdem wird eine amerikanische Fotografin geehrt, die die Zerstörungen dokumentierte und die Menschen vor Ort portraitierte. Und die Website zeigt wirklich etwas von dieser Zufriedenheit der Menschen. Verpassen Sie Ammerschwihr nicht.

Dorothee Janssen

Wir müssen reden. Bitte. #zukunftsbild

7 min read

Es ist nur, weil es bereits vor 50 Jahren hieß, es ginge nicht mehr so weiter, wenn sich nicht bald was ändert. Möglicherweise hat meine Generation sich daran gewöhnt und darum gar nicht vor, was zu ändern. Launige Sprüche und harsches Abkanzeln der Polbürgerschaft, neue Feindbilder, Reformation als Spielwiese.

Was erwarten Sie von mir?

Als ich 16 Jahre jung war, jagten mir die Berufsbeschreibungen des Arbeitsamtes mehr als Respekt ein und ich vermutete, dass ich keinem der Berufe, die zur Auswahl standen, gewachsen wäre. Darum machte ich Abitur und begann zu studieren. 50 Jahre später wird ein junger Kollege in meinem Team vom Chef mit einem Bereich beauftragt, für den er nicht qualifiziert ist. Ganz offensichtlich stören weder er noch der Chef sich daran. Er macht einfach. Kann sein, dass es ihm trotzdem so geht wie mir in den ersten Berufsjahren. Aber er zeigt es nicht. Wir reden nicht miteinander. Was von mir erwartet wird, kann ich nur raten. Man bezeichnet mich als hartnäckig.

Auch ich bin mit einem neuen Auftrag versehen worden, den ich mir selbst gegeben habe. Alle Vorgesetzten stimmen dem zu. Ressourcen werden mir keine zugeteilt. Aber man nickt freundlich. Möglicherweise kann ich irgendwie weitermachen bis zur Pensionierung. Das fällt mir schwer angesichts des Pflegestreiks und der Flüchtlinge. Es fiele mir auch so schwer. Jammer ich Ihnen zu viel?

Wir beginnen mit einer Klage

Die Gottesdienste des Weltgebetstages beginnen immer mit einer Klage. Die ganze Bewegung ist eingebettet in ein Netzwerk, in dem Engagierte ihre Zeit und Energie vergeuden und am anderen Ende der Fahnenstange Frauen aus einem Heft vorlesen und Geld einsammeln. Die Einen machen es mit Herzblut, die anderen aus Gewohnheit. Beides zusammen kommt den Projekten des Weltgebetstages zugute. Gäbe es nur das Eine, wäre es schlecht. Muss man deswegen den ganzen Weltgebetstag in die Tonne kloppen? Aber traurig ist es schon, wenn man Texte ohne Empathie vorgelesen hört. Dabei kann niemand wissen, ob Gewohnheit schon Lieblosigkeit ist. In unseren Breiten müssen die Omas die Enkel hüten, weil ihre Töchter arbeiten gehen müssen. Die gleichen Omas müssen das Gemeindefest vorbereiten, weil es nicht gelungen ist, den Staffelstab weiterzugeben. Es ist auch nicht gelungen, die Veränderungen unserer Lebensumstände in die Lebensumstände unserer Gemeinden einfließen zu lassen. Wir müssen im Klagen darauf achten, dass wir uns nicht in den Sumpf der Depression ziehen und bewegungsunfähig werden. Darum ist es gut und richtig, dass die DenkBar zum Thema Jugend im Bistum Essen eine Hurra-Veranstaltung war und auch so wiedergegeben wird. Es ist nämlich wirklich gut, dass es eine Handvoll neue Messdienerinnen gibt. Warum bleibt trotzdem ein ungutes Gefühl?

Wir reden nicht von dersselben Sache, wenn wir von Entwicklungsprozess reden

Noch ne Sitzung und noch ne Sitzung und noch ne Sitzung und lauter Protokolle und nix ändert sich. Weil ... ach ... wie soll ich sagen? Weil wir nicht das Gleiche unter Demselben verstehen. Die einen erhoffen sich Kontinuität, die anderen sehen ihre Chance auf Veränderung gekommen.  Im 500. Jahr der Reformation erkennen die beiden sogenannten großen Kirchen, dass sie beide was von der Reformation haben. Die Vielfalt christlichen Glaubens ist ein Schatz, sage ich mal, aber das macht es nicht einfach zu handhaben. Die Liturgie mancher Kirche jagt mir Schauder über den Rücken und die Ideen einiger Mitchristen machen mir Angst, weil sie sehr faschistisch daher kommen. Hass und Streit und Diskurse und Müdigkeit. Alles in allem eine aufregende Zeit. Wer hätte gedacht, dass ein katholischer Priester von nicht geringem Renommee als Speaker am Leitungskongreß von Willowcreek 2018 teilnehmen wird? Die Artikel im aktuellen Willow Creek Magazin finde ich gruselig. Trotzdem habe ich mich angemeldet. Ich bin neugierig. Und ich habe Hoffnung. Und ich denke, dass es mehr darauf ankommt, voneinander zu lernen, miteinander zu reden, als Recht zu haben. Darum gefällt mir Willow Creek auch nicht. Die sind alle schön und authentisch und richtig. Mir gefällt meine zerbeulte Kirche viel besser. Wir sind uns nämlich nicht so sicher wie Willow Creek, dass wir das Richtige tun. Nur einige von uns wissen, was das Richtige ist. Wenn wir jetzt nur beieinander bleiben und uns nicht nochmal zerstreiten. Ja, wir müssten im 21. Jahrhundert Wege finden, den Kreis der Disputierenden zu erweitern. Die technischen Möglichkeiten dazu bestehen bereits. So könnten die schrumpfenden Kreise derjenigen, die die Gemeinden aufrecht erhalten, neue Stimmen hören. Getaufte, die sich für nicht so wichtig halten, könnten ihren Beitrag zur Veränderung leisten. Nicht das Moderne ist das Ziel, sondern die Mittel und Wege zu finden, wie wir unseren Glauben leben können - in Vielfalt, aus Glauben, in Freiheit, aus Gnade.

Leben in Fülle

Als die Flüchtlinge in unserer Stadt ankamen, war eine Lagerhalle ruckzuck voll mit allem, was Menschen für einen neuen Hausstand brauchen. WIr haben von allem zu viel und können ohne Zögern abgeben. Wir können ja auch was Neues kaufen. Die Abgehängten aber, die Hilflosen in unserer Gesellschaft, die Traumatisierten, die seit Jahren für ihre Würde kämpfen, die können nicht so viel essen, wie sie kotzen müssen. "Ich hab ja nichts gegen Flüchtlinge ... ." Für viele Menschen ist das Viele unserer Lebensumstände   z u   v i e l. Schade, dass grade jetzt Städte, Kommunen und Kirchen Geldsorgen haben. Dass es nicht allein am Geld liegt, ist schwer zu vermitteln. Dazu ist das Geld viel zu mächtig als Idee in unseren Köpfen. Tatsächlich gibt es Menschen, die Upcycling betreiben. Dazu braucht man wenig Geld, aber Zeit, Ideen, Austausch mit anderen und handwerkliches Geschick.

Wir können unser Leben ändern. Dazu brauchen wir Zeit. Wir müssen abseits unserer ausgetretenen, planierten Pfade treten. Wir müssen das Tempo drosseln. Auf die innere Stimme hören. Beten.

Erst als es gar nicht mehr ging, schrie das versklavte Volk zu Gott, der es gern auf den Weg schickte. Aber ... Wüste? Wir sind auf Fleischtöpfe gepolt. Die geben Sicherheit. Wüste? Feuersäule bei Nacht und Rauchsäule am Tag. Unendliches Gottvertrauen. Wasser aus einer Felswand. Sie hatten alles, was sie zum Leben brauchten, aber sie hatten nichts zum Anbeten und keine Fleischtöpfe. Und, Hand auf Herz, das Leben ging auch im gelobten Land in all seiner Fülle weiter. So ist das Leben. Wer etwas anderes sagt, lügt.

Ich werde jetzt mal für 40 Tage zur Seite treten, das Tempo drosseln, auf Manna vom Himmel vertrauen (wirklich vertrauen, nicht Gott versuchen!). Die Fülle ist nämlich nicht unbedingt da, wo ich gewohnheitsmäßig bin. Kann sein, dass es nicht weitergeht, weil ein Esel im Weg steht.

Leseproben wegen "Wir müssen reden":

Dorothee Janssen

Im Bistum Essen kann Ratlosigkeit nie das Ende sein - persönlicher Bericht von der Auftaktveranstaltung "Pastorale Dienste im Gespräch"

7 min read

Sie können auf der Website des Bistums Essen nachlesen, wie es war. 

Und dann können Sie hier lesen, wie es mir erging. Das Wort Zuversicht. Fühlbar in Papier gedruckt.

Philharmonie

Der Ort war wunderbar gewählt. Wir wurden freundlich vom Personal empfangen, hohe helle Räume, Stefan Glaser am Klavier im Saal, erste Gespräche unter Kollegen und Kolleginnen, Kaffee, Tee, kleine Croissants. Es hatte am Morgen in Strömen geregnet. Ich war in Regenmontur zum Treffpunkt unseres Pastoralteams gekommen. Aber die Philharmonie ist so ein Ort, direkt am kleinen Essener Stadtpark gelegen, der gediegen und edel und wohltuend auf die noch müde Seele wirkt. Herrliche Akustik für Musikliebhaber. Das Bistum Essen hatte WLan bereit gestellt, es gab Steckdosen für ausgepowerte Geräte und immer wieder das aufmerksame Personal der Philharmonie.

Das Programm

Es lässt sich alles nachlesen. Nur wie es wirklich war, weiß man wirklich nur, wenn man dabei war. Es ist wie Fußball. Die Atmosphäre hat man nur im Stadion. Im Verlauf des Tages wurde die wahrhaft überirdische Leistung der Vorbereitenden wirksam, denn wir sprachen miteinander, wir kamen durch Methoden und die richtigen Wechsel aus Pausen und eine gut getaktete Moderation in Fahrt.

Musik, Gebet, Austausch, Essen, eine mobile Kaffeebar in der Pause !, die Sonne kam raus (kann man nicht planen), ein durchgestyltes Programmheft mit pfiffigen Idee für Kreativität.

"Alle miteinander, so die Großen als die Kleinen"

Von der Flitzlicht-Runde am Schluß, bei der 350 Menschen in 3 Worten ihre Verfassung dem Plenum miteilen konnten, konnte man mehr erfahren von allen, als es in einzelnen, intensiven oder oberflächlichen Gesprächen möglich wäre. Sie kennen das. Wenn die Ansage kommt, überlegen die einen, was sie Originelles äußern können und die anderen wollen das Mikro auf jeden Fall weitergeben. Aber dann geschieht in den ersten Minuten etwas, das es in Social Media gibt: 

Meine Äußerung ist Teil eines Dialoges: abstrakt das Komplizierte fassen.

Die ersten gaben noch tapfer drei Worte von sich, dann kamen die ersten Ausrutscher in Zitaten oder Sätzen oder so. Und manchmal musste man schon lachen. Und manchmal war das Gehörte so bemüht, dass es den Sauerstoffgehalt im Saal arg reduzierte. Applaus erntete die Aussage "Satt in kleinen Häppchen", denn beköstigt wurden wir, wie es an solchen Orten üblich ist. Das ist nicht jedermanns Sache. Spaßig auch die Mitteilungen der jungen Kollegen und Kolleginnen, die schlicht beeindruckt von der Kulisse schienen, aber sich nichts anmerken lassen wollten. Oder die anderen, die gekommen waren, um die neue Zeit einzuläuten. Traurig die Äußerungen derjenigen Geistlichen, die in wenigen klugen Worten sagen wollten, dass es ihnen zuviel ist und sie lieber wieder in ihre Gemeinde wollen und dass die Dinge nun mal so sind wie sie sind.

Wie werden wir mit den Eindrücken im Dialog bleiben? Es wurde das Intranet eröffnet. Das geschah nicht mit großem Hallo. Nur eine Mitteilung. Nur ein Hinweis auf eine Mail mit den Zugangsdaten, die wir im Laufe des Tages erhalten würden. 

Und Thema war natürlich die Ernennung eines Priesters zum zweifachen Pfarrer. Er bekam jüngst zu seiner Aufgabe als Leiter einer Pfarrei noch eine zweite Pfarrei dazu. Allgemeines ständiges Gegrummel unter den Kollegen über Karrieregeilheit. Er war in einer ersten Plenumsrunde derjenige, der Risiko als Chance begreifen wollte. 

1000 Themen wurden genannt, kurz beschrieben, an Pinnwände geheftet. Die Verantwortlichen werden das alles auswerten müssen. Die 1000 Themen kann man alle ordnen. Man kann Überschriften suchen für gruppierte Themen. Das wird geschehen müssen. Sonst kommen wir nicht weiter. Wir müssen die Maschine bei laufenden Motor reparieren, sagte einst Altbischof Luthe. Das sah man vielen Gesichtern an. So viele Themen. Darunter die üblichen: Überlastung, Ehrenamt, die Menschen. Da könnte ich was zu sagen. Soll ich? Den jungen Kollegen und Kolleginnen fällt das Äußern leichter. Das merkte man beim Fishpool. So ein Fishpool im Mittelpunkt eines großen Saales. Da wäre ich manchmal gern reingestürzt, um zu widersprechen, habe es aber bleiben lassen, weil irgendwann alles nur noch durcheinander wurde. Immer durcheinanderer. Mir fehlte die Twitterwall mit ihren kurzen Kommentaren, die mir das Druckablassen erleichtern.

Das Improvisationstheater Emscherblut hatte uns nach der Mittagspause mit drei kleinen Stücken erfreut, von denen das letzte mit dem Zusammenbruch der Gemeindereferentin endete. Das war nicht lustig, aber stimmig. Das konnte man auch nicht mehr lustig kriegen. Wir hatten den Schauspielenden Stichworte zugerufen. Sie selber hatten sich vorher unter uns gemischt und zugehört. Im letzten Stück ging es um eine Sitzung, die Kekse waren gestrichen worden, die Gemeindereferentin bringt Selbstgebackenes mit, die alten Kämpfer der Gemeinde wissen, auf eine durchaus liebevolle Weise, alles besser. Der raue Ton des Ruhrgebietes. Wir kennen das. Das kann zu viel werden.

Es wird real gemeckert und gemotzt. Das Mobben und Stimmungmachen hatte der Moderator angemerkt. Es ist tatsächlich ein Problem. Generalvikar Pfeffer bestätigte diese Beobachtung. Sowas tut weh. Dass wir es nicht schaffen, anders miteinander umzugehen, macht mich traurig und wütend und ratlos. Es sind zu viele, die so unüberlegt mit ihren Ängsten umgehen. Frotzeln ist eine Ausdrucksform im Ruhrgebiet. Das kann schon mal aus dem Ruder laufen. Verdammt! Es sind natürlich die Verängstigten, die um sich schlagen und nicht kommunizieren können. Was soll man tun? Das sind in der Regel die, die Ehrenamtliche wertschätzen, indem sie ihnen Aufgaben geben, in eifriger Ignoranz dem neuen Ehrenamtsbegriff gegenüber. Sie kämpfen um ihr Überleben. So wirkt es. Und ich verstehe absolut nicht warum. Haben wir den Kontakt zu Jesus Christus verloren? Glücklicherweise haben wir bei dieser Auftakt-Veranstaltung auch miteinander gebetet.

Auf die Palme bringt mch auch dieses Gequatsche von "die Menschen". Die Menschen dies, die Menschen das, die Menschen wollen, die Menschen haben, wir müssen die Menschen wieder erreichen, ... Wer bin ich eigentlich, dass ich von "die Menschen" rede? Die Abgeklärten unter uns machen weise darauf aufmerksam, dass wir so vielfältig sind wie die Menschen und das es natürlich auch zu Unverständnis kommt, wenn man vom Gleichen redet, aber so sehr unterschiedlich, weil wir geprägt sind und unterschiedliche Erfahrungen haben.

Zuversicht

Am Schluß, bevor es zu Currywurst, Bier und Caféhausmusik auf die Terasse ging, bekamen wir ein Heft mit dem Titel "Zuversicht", das 10 Übungen enthält, die trösten und weiterhelfen.

Ich bin sehr gespannt, wie die Verantwortlichen das Gespräch am Kochen halten. Denn das wäre wichtig. Das ist wichtig. Was soll das Ganze sonst gewesen sein? Wozu ein Auftakt zu einem Gespräch, wenn es dann kein Gespräch gibt, sondern nur noch weitere Veranstaltungen? Das bleibt ein Problem. Denn wir sind nun alle wieder in unseren Arbeitsfeldern. Zwar sollten wir uns auch etwas vornehmen. Für den nächsten Schritt. Aber wie komme ich jetzt mit dem Kollegen ins Gespräch, der nicht sprechen will?

Sehr, sehr, sehr klug gewählt vom Vorbereitungsteam: ein Give-Away mit dem Titel Zuversucht.

Nachwort

Ja, dieser Artikel wimmelt von Insidern bzw. Hintersinn (Tiefsinn?).

Dorothee Janssen

Gottesdienst zur Eröffnung des Stadtfestes in Sprockhövel oder: Beten in der Öffentlichkeit

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Es goß in Strömen. 30 Minuten vor Beginn saß eine 90jährige vergnügt unter ihrem riesigen Regenschirm auf einem Stuhl, den Pastor Arne Stolorz ihr eigens hingestellt hatte. 5 Minuten vor Beginn standen ungefähr 100 Menschen vor der Bühne. Die Stimmung war gelöst heiter. Zwar versuchte der eine oder andere Passant das Ganze albern zu finden, aber hatte damit keinen Erfolg. Evangelisch und Katholisch starteten ihr Stadtfest mit einem Gottesdienst.

Stadtfest und 500 Jahre Reformation

Wir hatten uns im Vorfeld gefragt, was das Eine mit dem Anderen zu tun haben könnte. Ist das nicht im Hauruck-Verfahren zueinander gebracht? Daraus entstanden eine Dialogpredigt und die Fürbitten. Auch die Lesung und die Gebete wurden entsprechend ausgewählt und formuliert. Der Evangelische Kirchenchor Sprockhövel begeisterte sein Publikum unter neuer Leitung.

Die Dialogpredigt

! Es gilt das gesprochene Wort.

 

A.S.: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, und der da ist, und der da kommt.

Die meisten kennen diese Worte, liebe Stadtfestbesucher. Und wissen: Jetzt kommt die Predigt.

Aber heute wird die Predigt einmal anders. Der Hintergrund ist ein großes Jubiläum: 500 Jahre Reformation! Damit 500 Jahre Kirchenspaltung in katholischer und evangelischer Kirche. So gibt es natürlich auch zwei Sichtweisen auf dieses Ereignis, eine katholische und eine evangelische, auch wenn vieles von dem, was zu Luthers Zeiten zum Bruch führte, heute von beiden Kirchen einvernehmlich und versöhnlich gesehen wird. Deswegen werden meine katholische Kollegin Dorothee Janssen und ich hier und heute dialogisch predigen, im Gespräch.

Und es geht für mich auch gleich los mit der ersten Frage. Ich habe mich intensiv mit der Reformation beschäftigt, mit Ablass und Fegefeuer, Rechtfertigung und Gnade, mit Turmerlebnissen, Bauernaufständen, Renaissancepäpsten, Reichstagen zu Worms und zu Augsburg und mit reformatorischer Choraldichtung. Alles hochinteressant. Aber wenn ich an heute denke, und an unser Stadtfest, da will mir der Zusammenhang noch nicht so recht einleuchten. Anders gesagt, Dorothee Janssen, bei aller Verschiedenheit: Welche gemeinsame reformatorische Botschaft können wir den Gottesdienstbesuchern hier auf den Weg geben, die ankommt, zeitgemäß ist und etwas für das Stadtfest austrägt? Ist das nicht total aufgesetzt?

 

D.J.: Na, das ist ja mal eine Steilvorlage. Erlauben Sie mir, ganz persönlich zu antworten, also nicht „ex cathedra“. Nicht, dass hinterher jemand erzählt, die katholische Kirche meine Dieses oder Jenes, dabei ist es nur meine Überzeugung – weiter nichts. Ich stehe hier und bin nichts als die, die ich bin.

Und ich denke, wir feiern nicht 500 Jahre Kirchenspaltung. Das wäre aus meiner Sicht kein Grund zum Feiern. Wir feiern 500 Jahre Reformation. Anlass für 500 Jahre Reformation sind die 99 Thesen, die Luther veröffentlichte. Das ist ein Grund zum Feiern: Dass da einer so mutig war, für seine Überzeugung einzutreten. Sonst müssten wir vielleicht heute noch Geld bezahlen für alles, was uns wichtig ist. Nicht nur das Freisprechen von Schuld wäre ein Grund, Geld einzusacken. Was wäre so ein Stadtfest wie unseres noch wert, wenn wir nicht nur für Getränke und leckeres Essen zahlen müssten, sondern auch für Freundschaft, für Gastfreundschaft, dafür, dass jemand zuhört, dass jemand freundlich ist. Man kann ja aus allem Geld machen, wenn man Menschen in Angst versetzt und sie unterdrückt. Hier und heute soll es nicht so sein.

Wie finden Sie das?

 

A.S.: Das freut mich wirklich, dass Sie das so sehen können. Die Kirchen sind ja leider noch nicht so weit. Luther gilt seitens der Katholischen Kirche immer noch als Ketzer. Und dass man ihn in manchen evangelischen Kreisen regelrecht in den Himmel lobt, ohne seine Fehler und Widersprüche zu sehen, finde ich auch nicht gut. Luther war genial, aber weiß Gott kein Übermensch. Und dass er so viel bewegt hat, lag an seiner Persönlichkeit, aber die Zeit war auch reif dazu. Eben eine Zeit mit dem vorherrschenden Denken, dass man für Geld alles kaufen kann, selbst das Seelenheil. Und die Menschen auf der Verliererseite blieben auf der Strecke. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir wieder an diesem Punkt angelangt sind. Nur die Kirchen haben ihren Einfluss verloren. Da kann es wichtig sein, und zwar für Christen aller Konfessionen, an einem Strang zu ziehen, und an Menschen wie diesen Reformator Martin Luther zu erinnern, der deutlich machte: Die wichtigsten Dinge im Leben – und dazu zählen eben auch Freundschaft, Respekt, Achtung, Lebensglück und Liebe - sind immer ein Geschenk. Und eine Gesellschaft fängt da an zu faulen, wo nur noch die Leistung zählt und das Geld.

Noch eine Bemerkung am Rande: Luther war sehr fleißig, auch in seiner Auflistung vonDisputationsthesen. Aber 99 sind zu viel des Guten, es waren 95 Thesen. In der Erstversion, die Luther an seinen Bischof Albrecht von Brandenburg und an seinen Gegner Johann Tetzel schrieb, sogar nur 93.

 

D.J.: Ups. Wie bin ich denn auf 99 gekommen? Da hab ich wohl was verwechselt. Ja, es waren 95 Thesen, die Luther veröffentlicht hatte. Das finde ich sehr interessant, dass eine theologische Diskussion in der Öffentlichkeit stattfand. Damals war es bestimmt nicht anders als heute: Die wenigsten Mitmenschen werden verstanden haben, worum es da theologisch geht. Aber verstanden wurde das Christsein damals wie heute. Aus dem Bauch raus verstehen wir unseren Glauben von Christus her. Damals wie heute kann auch ein Nicht-Theologe verstehen, dass nur Gott Sünden vergeben kann und dass man für etwas, das man selber geschenkt bekommen hat, kein Geld verlangen darf.

Nochmal zum Thesenanschlag: Die Legende sagt, Luther habe die 95 Thesen an die Kirchentür genagelt. Heute findet alles öffentlich statt. Auch über Veränderungen in unseren Kirchen kann man alles jederzeit nachlesen. Aber es ist eine wahnsinnige Menge an Informationen, die man kaum verarbeiten kann, wenn man nicht beruflich damit zu tun hat.

Was kann man tun, damit Missverständnisse nicht zu Falschmeldungen werden? Wie verhindert man Frontenbildung? Wie bleibt man im Gespräch? Wie können wir dafür sorgen, dass alle Christen sich beteiligen? Ohne Zorn, mit Begeisterung. In unseren Kirchen, aber auch in der Politik.

Wir sollen das Salz der Erde sein, hat Jesus gesagt. Wir Christen könnten auch auf diesem Stadtfest wie Salz für den besonderen Geschmack sorgen. Denn diesen Auftrag hat Jesus uns mitgegeben: respektvoll, liebevoll miteinander umzugehen.

Da fällt mir ein: Martin Luther hatte in den Auseinandersetzungen mit den Mächtigen seiner Zeit auf das allgemeine Priestertum aller Gläubigen hingewiesen. Das hatte damals viele Menschen ermutigt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dafür bin ich den Reformatoren sehr dankbar. Ohne das Diskutieren über die 95 Thesen wäre der Begriff vom allgemeinen Priestertum nicht entdeckt worden.

 

A.S.: Da geben Sie mir ein gutes Stichwort: Priestertum aller Gläubigen. Luther hat das in seiner drastischen Sprache damals so ausgedrückt: „Alles was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon zum Priester, Bischof, Papst geweiht sei, obwohl nicht einem jeglichen ziemt, ein solches Amt zu üben.“ Luther meinte damit: Die höchste Würde, die ein Mensch besitzt, erhält er nicht durch das, was er leistet oder welches Amt ihm verliehen wurde, sondern durch die Taufe. Denn mit der Taufe spricht Gott uns zu: Du bist ein wertvoller und geliebter Mensch. Gott sagt „ja“ zu dir. Und dieses „Ja“ geht all deinem Tun und Vermögen voraus. Für mich hat dieser Gedanke mehrere Konsequenzen:

1. Luther leitete aus dieser Überzeugung das allgemeine Recht auf Schriftauslegung ab und übersetzte daher die Bibel in ein allgemeinverständliches Deutsch. Wir dürfen uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu glauben haben, weder durch Päpste und Priester noch durch moderne Heilsversprecher unserer Zeit, wie sie uns über Facebook, Fernsehen oder andere moderne Medien begegnen. Darum: Lasst euch nichts vormachen, Leute, weder von denen da oben noch durch die Lügenpropheten unseres Medienzeitalters. Bildet euch. Und bildet euch eure eigene Meinung. Ihr habt’s drauf! Du, und du, und du, und du, ihr alle seid Priester, von Gott bejahte und begabte Menschen.

2. Dann aber auch der Aufruf an diejenigen, die Einfluss haben. Die nötige Macht. Oder das nötige Geld: Haltet euch nicht für etwas Besseres. Und vergesst nicht: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Wenn es wirklich drauf ankommt, zählen nicht deine Leistung und deinPortmonee, sondern ganz andere Dinge... Bescheidenheit und Demut ist keine Schande, sondern eine Gabe. Nutze deinen Einfluss lieber, um Gutes zu tun. Gerade denen gegenüber, die von ihrer von Gott verliehenen Würde nur wenig spüren. Am Rande: Ich finde übrigens euren neuen Papst cool und meine, der lebt diese Haltung wirklich vorbildlich vor.

3. Und das heißt im Umkehrschluss: Würde steht aber auch denjenigen Menschen zu, die in unserer Leistungsgesellschaft auf der Verliererstraße stehen, die gezeichnet sind von Armut, Behinderung, Alter und Demenz, oder von drohender Abschiebung, die hier auf unserem feinen Stadtfest kaum vorkommen und um die wir sonst lieber einen Bogen machen. Diese Menschen brauchen keine Almosen, sondern Gerechtigkeit, Zuwendung, Integration, die Erfahrung: Ich bin gewollt, ich gehöre dazu! Und dazu muss unsere Politik, dazu können wir aber auch wir alle beitragen.

4. Und schließlich finde ich, wenn wir hier alle Priester sind, ja, Bischöfe und Päpste, Sie, und Sie und Sie und Sie, und der da hinten auch, und auch die Kinder, die auf dem Kinderland am Volksbankparkplatz mitmachen, dann hat das auch Konsequenzen für unseren normalen Umgang. Wir haben etwas zu sagen. Aber es lohnt sich auch, aufeinander zu hören. Zuzuhören. Und das ist allemal Grund zu feiern. Denn Gott ist uns nah. Einem jeden und einer jeden von uns. Und von unserem Zusammensein will Segen ausgehen.

 

D.J.: Vielen Dank. Das war eine umfangreiche Erklärung. Darüber würde ich gerne viel öfter mit anderen sprechen. Hoffentlich haben wir dazu immer wieder Gelegenheit – in unseren Gemeinden, auf diesem Stadtfest, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen

 

Der Gottesdienst in der Öffentlichkeit

Beten in der Öffentlichkeit.

Andererseits: Gebet in der Erstkommunonvorbereitung.

Beten am Flughafen. ...

Das ist so eine Frage: https://twitter.com/felixgoldinger/status/905786984861491201

Die kleinen Pöbelversuche während des Gottesdienstes zu Beginn des Stadtfestes zeigen, dass da etwas nicht zueinander passt.

Andererseits: Ist mein Leben etwas anderes als mein Glaube? Nein.

Aber mache ich deswegen ein Kreuzzeichen, wenn ich im Restaurant vor dem Essen bete?

Hier schreibe/sitze/esse/gehe ... ich.

Nach meiner Erfahrung nimmt die Vielfalt menschlicher Ausdrucksweisen in der weltweiten Öffentlichkeit zu. Das heißt nicht, dass es immer friedlich bleibt. Aber es wird nicht mehr für außergewöhnlich gehalten, wenn jemand lebt, neben mir, anders gekleidet und anders empfindend. Was wir im kirchlichen Binnenbereich vorwiegend als Egozentrik bezeichnet haben, verstehen auch wir mehr und mehr als Vielfalt. Menschen leben unterschiedlich. Was mir fremd ist, ist nicht falsch. Gut wäre, zu fragen (!Parzival!), oder mit anderen Worten: Gesprächskultur pflegen.

Menschen, die mich kennen, erwarten von mir, dass ich bete. Andere mögen es interessant oder dumm finden. Es ist so vieles möglich. Aber wenn nicht auch ich, wenn nicht auch wir Christen unser Leben, unser Lebendigsein entfalten: Wozu sollte es dann gut sein?

Dorothee Janssen

Synergieeffekte - ein unterschätzter Wert im Pfarreientwicklungsprozess

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Das letzte Gemeindefest in der Pfarrei ist gelaufen und wieder waren die Schlangen am Pommesstand die längsten. Die Frittierkörbe haben Haushaltsgröße, sagt eine der freiwilligen Helferinnen. Ob man wohl die Geräte der Nachbargemeinden ausliehen könnte? Wir werden das überprüfen.

Zu unserer Pfarrei gehören 4 Gemeinden. Es gibt 6 Gemeindefeste. Wenn Sie das nicht verstehen, befinden wir uns auf Augenhöhe. Immerhin ist mir klar, dass Veränderungsprozess länger dauern, je größer das Schiff ist. Um im Bild zu bleiben: Die Kommunikation zwischen Brücke und Maschinenraum muss flüssig laufen. Schalten Sie ruhig ihr Kopfkino ein.

Unsere Gemeindefeste sind wunderbare Orte der Begegnung. Man sieht Gesichter, die einem fremd vorkommen. Man sieht alte Bekannte. Man erkennt sich wieder. Man wird eingeladen. Wer geht, drückt die ürbiggebliebenen Wertmarken dem Nächstbesten in die Hand. Der Nächste ist der Beste (in Abwandlung eines Jesuswortes).

Gemeindefeste gewinnen mit Kindertagesstätten in der Nachbarschaft, der Qualität musikalischer Darbietungen und der Durchlässigkeit ihrer Grenzen.

Am Pommesstand gab es immer wieder heftige Diskussionen. Schneller geht es nie. Hin und her wurde diskutiert. Größer Geräte anschaffen? Eine Idee: Salatbar. Das wär doch mal was. Und die Rednerin wusste auch gleich eine Gemeinde, in der das erfolgreich läuft. 
Ein Mann erreicht die Theke und bemerkt nicht ohne Stolz, er warte nun eine Stunde auf seine Pommes. (kurzes Innehalten) Was bedeutet das? Liegt es an den Pommes? Weiß er nichts anderes mit seiner Zeit anzufangen? Ich weiß es wirklich nicht. Es hätte auch Erbsensuppe (selbstgekocht, köstlich) oder Kuchen in allen nur denkbaren Variationen gegeben. Das Essen und Trinken ist überhaupt unser geringstes Problem.

Es gab eine Stellwand mit der Darstellung des Pfarreinentwicklungsprozesses. Die wurde auf keinem unserer Gemeindefeste besonders frequentiert. Nur die Aktiven guckt hin und wieder nach, ob vielleicht jemand was aufgeschrieben hat. Aber da stand nichts. Bis zuletzt: nichts. ^^ Sie verstehen bestimmt, dass ich das nicht kommentiere.

Dorothee Janssen

FrOSCon - gerne wieder

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Der Hosting-Workshop für Frauen war es, der mich an die Technische Hochschule nach St. Augustin gelockt hat, um die FrOSCon zum ersten Mal in meinem Leben zu besuchen.

Eigentlich ist das alles eine Nummer zu groß für mich. Aber die Freundlichkeit der Menschen bei solchen Veranstaltungen lockt mich immer wieder. Das ist doch erstaunlich: Unser Gemeindefeste wirken so angestrengt und diese Riesenveranstaltungen der Open-Source-Szene so vergnügt.
Nun gut. Da gab es auch eine Mitarbeiterin, die zwar sehr kundenorientiert mit meinen Fragen nach der Anwendbarkeit der Blockchain für Bildung umging, aber bei unserer dritten Begegnung dann doch langsam genervt wirkte. Sie hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich ihre freundliche Aufforderung, doch noch einmal wiederzukommen an den Stand, sie würde sich um einen Mitarbeiter mit mehr Kompetenz bemühen, ernst nehmen würde.

Der Workshop war klasse. Jetzt kann ich mehr als vorher. Die beiden Referenten hatten von Pädagogik nicht viel Ahnung, aber wer braucht das schon, wenn die Zuhörerschaft interessiert ist und die Hierarchien flach sind?

Bemerkenswert auch die Menge an Familien und Kindern. Es gab nicht nur Kinderprogramm. Die Kinder und Jugendlichen liefen auch ungestraft überall rum und fanden immer wieder was zum anfassen und ausprobieren. Open Source ist etwas, das Menschen zueinander bringt.

Und dann noch dieser Vortrag zur Barrierefreiheit:

https://media.ccc.de/v/froscon2017-1958-standards_fur_barrierefreie_webseiten

Dorothee Janssen

In der Jungsteinzeit war mehr Zeit für uns (gefunden in Herne)

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Das Archäologische Museum in Herne ist meine Inspirationsquelle für das Verstehen von Zusammenhängen.

LWL-Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne

02323 946280
www.lwl-landesmuseum-herne.de

Diesmal ist es eine Grafik in der Sonderausstellung, die die Zeitaufteilung der Menschen in der Jungsteinzeit und heutiger Zeit in NRW zum Thema hat. Was durch alle Zeiten gleich bleibt: unser Schlafbedürfnis. Aber soziale Kontakte werden auf den ersten Blick im Lauf der Menschheitsgeschichte immer kleiner. Ein genauerer Blick lohnt:

Aus der Jungsteinzeit gibt es wenig Daten, die unser Leben differnziert darstellen ließen. In der Zeitleiste heutiger Menschen kommen solche Themen wie Nahrungszubereitung und Bildung und Pflege alter Menschen vor, die in der Jungsteinzeit komplett fehlen. Dabei wird all das damals auch vorgekommen sein.

Differenzierung, Klassifizierung, Rollenklischees

In der Oberstufe im Psychologieunterricht wollte ich nicht glauben, dass wir Rollen spielen. Ich bin ein einziger Mensch. Der Lehrer bestand darauf, dass das so ist. Vom Heiratsmarkt war die Rede, Angebot und Nachfrage in der Partnersuche. Daran musste ich im Pfarreientwicklungsprozess denken, wenn es immer heißt:

Ohne Geld geht gar nichts.

Da ist uns doch glatt das Kind abhanden gekommen und wir stehen da mit den Kleidern in der Hand und diskutieren, ob sie gebügelt werden dürfen. Wir verstehen die Zusammenhänge besser als früher, wir kommen aber schwerer zum Punkt. Eine Kollegin, die Gemeindeprozesse in den Philippinen im Auge hat, hat sich dort sagen lassen, wir würden als erstes ein Logo entwerfen, statt zunächst einmal zu klären, was wir wirklich wollen.

die gute alte Jungsteinzeit

Damals hatte man sein Leben. Häuser- und Brunnenbau wurden erfunden, denn man begann mit Ackerbau und wurde seßhaft. Bildung, Nahrungszubereitung, Kinderpflege, Ehrenamt und all die Dinge, die wir heute in unserem Leben voneinander trennen, waren in einem einzigen Block: Sozialkontakte. O, Moment, Ehrenamt gab es damals wirklich nicht, denn es gab ja kein Hauptamt. Das Leben war ein Großesganzes. Man schlief, man arbeitete, man lebte. Man stellte Kleidung her und Schmuck. Man lernte, Materialien auf verschiedene Weise herzustellen und einzusetzen. Man probierte sich in Zeichen, die schon ein bißchen wie Schrift waren.

Coworking, agiles Arbeiten und andere Veränderungen

Mit den Augen eines Steinzeitmenschen sind die Wohnungen, in denen wir leben, mit hoher Wahrscheinlichkeit grausam, denn sie trennen uns voneinander. Unsere Lebensweise ist mit Sicherheit und Wohlstand verknüpft. Anders können die meisten von uns es kaum noch denken. Und wenn manche von uns es einmal anders denken, wird es mit den Maßstäben, die man hat, eingeortet.

  • Würden Sie in einem Langhaus leben wollen? Ganz ohne Privatsphäre?
  • Heute muss man für seine Rechte kämpfen. Ohne Urheberrechte wären kreativ Tätige verloren.
  • Mit dem Internet spielen Jugendliche - Erwachsene beuten es aus.
  • ... [Thesen, als sei nichts gewesen]

Derweil wird in Essen munter im Unperfekthaus gearbeitet.

Die Nerdigen unter uns Pastorentöchtern fahren auf die re:publica und feiern ihre Hippheit. In unserem Pfarreientwickungsprozess sitzt nicht  e i n  Mensch, der jemals von dieser Konferenz gehört hätte.

Wir sind für tausende Tote in Erzgruben in Afrika verantwortlich. Wir sehen sie ja nicht. Aber das Handy funktioniert nicht mehr und wir brauchen ein neues.

Wir werden mit Informationen zugemüllt, bis wir uns nicht mehr bewegen können. Geistig nicht mehr bewegen können. Wer das lernt, kann die Mittel des 21. Jahrhundert nutzen, so wie damals die Menschen in der Jugsteinzeit mit Beil, Sichel und Rad umgehen lernten. Der Pflug, der Brunnen, ... . Das Programmieren, das Kommunizieren, das Vernetzen, das Ich, die Anderen, Kultur, Leben.

Das Langhaus unserer Zeit ist vielleicht das BarCamp oder Orte wie das Unperfekthaus. Orte und Zeiten, an denen Menschen sich finden (sich selbst mit ihren je eigenen Interessen und Stärken, mit Durst und Hunger, mit Neugier und Schwammdrüber). Da wird das Leben wieder ganz. Es ist ein Spiel. Das Ganze. Es ist leicht und erfordert doch Erfahrung und Geschick. Nicht jeder kann alles. Manche Menschen lernen das schon: Nicht jeder kann alles und für Geld kann man eben doch nicht alles kaufen. Das versteht nicht jeder Mensch. Wer sein Leben lang gespart hat, eine Familie sein Eigen nennt, trainiert und bodybuildet, wird mit den gleichen Voraussetzungen woanders landen als einer, der sein Geld ausgibt, pflanzt, redet und hört, liest, singt, hilft, versagt, Angst hat und auch Feste feiert.

Lesen Sie dies Buch

Alte Wege - Robert Macfarlane

Darin las ich von alten Wegen, an deren Beginn und Ende eine Sichel an einem Zaun hing. Die nahm der Wandernde zu Beginn mit und hängte sie am anderen Ende wieder hin. Was tat er damit? Er schlug auf seinem Weg Wucherndes zur Seite. Er sichelte Hinderndes aus dem Weg. So blieb der Weg gepflegt, ohne das es eines Amtes bedurfte. Menschen, die einander niemals zu Gesicht bekamen, kannten diese Funktion. Wege wurden von einer Gemeinschaft gepflegt, die nur offen funkionieren konnte.

ISBN 978-3-95757-243-1

Dorothee Janssen

Vom Wundern und Streiten - Bewegung in der Kirche

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Gehöre ich eigentlich zur Kirche? Als Baby wurde ich getauft und wuchs selbstverständlich, so wie Millionen andere Menschen, mit meinem Glauben auf, der natürlich meiner ist, denn er hat nicht nur mit der Kirche zu tun, sondern auch mit mir. Das II. Vatikanische Konzil krempelte die Gemeinden ein bißchen um, aber nicht zu viel. Kommunionunterricht hatte ich noch beim Kaplan, Firmunterricht bei einer Katechetin, die außer dem Unterricht auch Einblicke in die Kämpfe Ehrenamtlicher gab.

An Gott zu glauben war für mich immer ein selbstverständlicher Teil meines Lebens. Ich wurde nicht im klassischen Sinne sozialisiert, darum musste ich im Studium der Religionspädagogik und in den ersten Jahren meines Berufes manches nachholen, das für andere wichtig war. Zum Beispiel:

Wenn man dabei ist, macht man mit.

Aber da hatte ich schon die Bibel entdeckt. Nach meiner Firmung hatte ich sie von vorne bis hinten gelesen. Ein wunderbares Buch. Sie bleibt mein Fundament. Meine kritische Zugehörigkeit zur Kirche ist genau so typisch für meine Biografie. Meine Kommilitonen schätzten mich als nicht kirchenkompatibel ein und doch bin ich bei den letzten 20% unseres Semsters, die noch im kirchlichen Dienst unetrwegs sind.

Vom Wundern und W@ndern

Die mit Kirchehochzwei konnotierte Erleichterungsbewegung kirchlich Engagierter ist für mich zunächst aus der Ferne interessant und jetzt durch persönliche Begegnung überzeugend. Es wird viel erzählt, man ist unetrschiedlich unterwegs und hat Freude am Leben. Der Beginn von Allem ist nicht Terminologie, sondern Interesse. Das ist nicht für alle befreiend, manche mögen es auch befremdlich finden. Im Großen und Ganzes ist es eitel Freude und Freundlichkeit, was einem schonmal befremdlich vorkommen kann. Aber es ist anders als in ... o, jetzt muss ich vorsichtig sein, denn Lebens- und Glaubensbereiche sind nicht für alle von uns gleich. Wundern und W@ndern ist kein Ausdruck für eine neue Kirchengründung. Kirchengründungen passieren woanders. Immerhin kann man sagen, dass Theologie im Spiel ist, aber nicht so respekteinflößend wie in der Errwachsenenbildungsstätte in den 70igern und 80igern für Jugendliche angebotenen Kursen:

Die Wolfsburg

Da wurde ich in Richtung Theologie gebracht und lernte gleichzeitig die Insiderkreise kennen. Man gehörte nicht dazu, wenn man dies und das nicht gelesen hatte und in Gesprächen nicht haufenweise Fremdworte nutzte. Es hieß zwar, es gäbe keine dummen Fragen, aber zwischen den Vorträgen wurde ich schon mal auf mein Ungebildetsein angesprochen. Das tat meinem Interesse an Theologie keinen Abbruch. Es war wirklich wunderbar. Mächtig interessant. Aber wo ist bloß dieses Evangelium?

Unruhig ist unser Herz

Dieser Augustinus, der Namensgeber der zweiten Gemeinde, in der ich lebte, begleitete mich lange Zeit, weil ich dachte, mit ihm hätte ich was zu tun. Ich versuchte die Widersprüche aufzulösen. Dieses "Wie kann er nur?" und dieses "Was für eine grundlegende, kluge Theologie?". Vielleicht geht es auch anders. Vielleicht muss man gar nicht weniger unruhig sein und mehr dazu gehören. Vielleicht ist es einfach wie es ist. Unterwegs zu sein kann das Ziel nie in Gänze vorwegnehmen.

Nicht dazu zu gehören ist für viele Menschen eine Sorge. In einem Blatt zur Einführung in bundesrepublikanische Gegegebenheiten las ich mit Schrecken die 4 Grundwerte:

  • Freiheit
  • Gerechtigkeit
  • Wohlstand
  • Sicherheit

Die ersten beiden Werte sind mir geläufig, die zweiten beiden sind als Werte ein Köder für die Menschen in unserem Land. Wenn wir doch ein christlich geprägtes Abendland sind, müssten wir wissen, dass wir nur Gast auf Erden sind. Wohlstand und Sicherheit ist etwas, das uns zufällt, nichts, was wir anstreben können. Aber Gemeinschaft können wir anstreben. Grade wir in der Kirche können Räume und Zeiten für Gemeinschaft schaffen. Es ist unser Auftrag. In diesen Räumen müssen alle Zuhause sein können. Da gehören auch die in den Heimen hin (die kein Zuhause sind), die nie raus kommen, die wir besuchen müssen, damit sie nicht seelisch vor die Hunde geht.

bis es ruht in dir

Unter eschatologischem Vorbehalt bauen auch Theologen an unseren Gemeinden mit. Man merkt es nicht so, weil im Pfarreientwicklungsprozess gewöhnlich die Sorge um Wohlstand und Sicherheit alles andere an die Wand drängt. Da wäre eine Sprache von Nöten, in der wir uns verständigen können. Die finden wir. Die findet jeder Mensch auf eigene Weise. Wie kommen Theologen da an? Gewiß nicht, indem sie anderen darlegen, wie groß der Graben zwischen ihrem Leben und dem Wissen der Theologen ist. Auch Theologen haben Liebeskummer. Theologie hilft so wenig wie Wohlstand und Sicherheit durch die Wüstenzeiten. Aber Theologen könnten uns einfach mal erzählen von ihrem Glauben, der ja nicht nur geerdet, sondern auch wissenschaftlich verankert ist.