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Dorothee Janssen

Palmsonntag 2020 - leere Kirchen, und sonst? #Covid-19

4 min read

In diesem Jahr ist es uns in der Offenen Bibel gelungen, das Markusevangelium in Leichte Sprache zu übertragen. Das geschieht in einem Wiki und wir sind nur ein kleiner eingetragener Verein, darum fällt es nicht groß auf. So ein Übertragungsprozess hinterlässt Spuren. Die enge persönliche Auseinandersetzung mit der Studienfassung und den Regeln der Leichten Sprache, aber auch der eigenen Glaubensgeschichte und dem Lehramt sind Exerzitien im Alltag. Der Einzug in Jerusalem hat für mich zwei Aspekte, die gar nichts mit unserem Palmsonntag zu tun haben. Es geht eher um Gründonnerstag. Das Paschafest wird vorbereitet.

Der Beginn der Heiligen Woche

Holy Week from David Ediger Design on Vimeo.

Religiöse Vorschriften einhalten

Jesus hält sich an das Gesetz. Im Zusammenhang des Evangeliums, also wenn ein Abschnitt nicht einzeln gelesen und interpretiert wird, ist diese Gesetzestreue nicht weltfremd. Jesus weiß, dass die Menschen die Gedanken Gottes weder kennen noch verstehen. Das Fremde und Unverständliche ist ein Motiv im Markusevangelium. Die Geheilten sollen nichts weitererzählen und erzählen doch weiter. Im Grunde macht jeder, was er will. Kein Grund zur Sorge, denn es liegt alles in Gottes Hand. Die krummen Wge werden grade. Halten wir uns also an das Gesetz und tun das, was uns wichtig ist.

Bei uns gehen 3 % der Gemeindemitglieder sonntags in die Kirche, obwohl wir ein Sonntagsgebot haben. Dank Covid-19 wird die Lage noch skurriler. Die halbleeren Kirchen bleiben geschlossen. Der Staat fordert, dass öffentliche Veranstaltungen nicht stattfinden. Das Kontaktverbot ist einsichtig. Aber hält man uns Katholiken für unfähig, die Vorschriften einzuhalten?
In unserer Pfarrei sind Kirchen geöffnet. Manche Kirchen täglich, manche Kirchen nur einmal in der Woche, eine Kirche gar nicht. Die Kirche muss aufgeschlossen, gepflegt und abgeschlossen werden. Da brechen Gräben auf, die sorgsam mit dem Deckmäntelchen der Höflichkeit verhüllt waren. "Sollen das doch die Hauptamtlichen machen, die haben ja jetzt nichts zu tun." Oder auch: "Das können wir nicht auch noch machen. Wieso interessiert sich die Gemeinde nicht für ihre Kirche?".

Die Jünger fragen Jesus, was sie machen sollen

Im Markusevangelium wird erzählt, dass die Paschalämmer geschlachtet werden und die Jünger fragen Jesus, was sie machen sollen. Noch sind die Jünger in der Situation der Ehrenamtlichen, die sich an den Hauptamtlichen wenden. Sie übernehmen keine Verantwortung. Sie holen sich Anweisungen ab und sind gerne bereite, alles zu tun, was Jesus ihnen sagt. Selbst dieser krause Auftrag wird widerspruchslos ausgeführt. Dann kommt ja auch alles so, wie Jesus gesagt hat. Er ist der Held.

Aber es kommt eine Zeit, in der die Jünger Verantwortung übernehmen müssen. Der Held muss abtreten, wenn sie im Glauben erwachsen werden.

Es gibt mehr Gläubige, als ihr ahnt

Die Jünger kennen das Haus nicht, in das sie einkehren. Der Hausherr bleibt namenlos. Er hat den Festsaal vorbereitet. Er spielt weiter keine Rolle. Das ist unverständlich in unserer Zeit, in der wir uns nur schwer von unseren Verwaltungsstrukturen lösen können. Wir möchten gerne wissen, wie viele Menschen in die Kirche kommen. Wer eignet sich zum Katecheten? "Die Jugend ist unsere Zukunft" (Darum wird die Jugend gefördert, aber in unserem Pastoralplan kommen die Senioren nicht vor.) Wir begreifen nur schwer, wir Verantwortlichen in den Gemeinden, dass es viel mehr Gläubige gibt, als von uns verwaltet werden, und dass diese Menschen da sind und leben und handeln und glauben und kein Interesse an unseren Strukturen haben. Aber sie sind wichtig. Sie bringen selbst die Geschichte Gottes mit uns Menschen vorran. Sie sind Werkzeuge Gottes - nicht per Amt, das macht es schwer für uns Berufschristen. Menschen, die einfach machen, was ihnen wichtig ist. Die kommen auch schon in der Bibel vor.

Dorothee Janssen

Home Office

3 min read

Diese Zeit ist ein Traum. In Ruhe am Schreibtisch sitzen und Pausen im Garten verbringen. Der Himmel wird immer klarer. Meine Nachbarin beginnt wieder mit dem Lauftraining. Die Tomatenpflanzen drängen ans Licht. Im Home Office ist alles gut eingerichtet. Der Laptop des Arbeitgebers ist angekommen. Viele Texte entstehen in Ruhe, mit den gebotenen Pausen. Ich kann recherchieren und lege eine Pinnwand an:

Immer mehr Menschen tragen etwas zu der Pinnwand bei. Sehr erfreulich. Anlaß waren fehlende Videos in Gebärdensprache. Es gab Telefonate mit Kollegen und Kolleginnen und intensiven Mailaustausch. Im Lauf der Coronapandemie kamen mehr Themen hinzu: Gebet, Bilder, Videos, Tipps für Blinde, Texte in Leichter Sprache. Mittlerweile ist es unübersichtlich. Ich suche nach einer besseren Möglichkeit, die die Fundstücke ordnet und leichter auffindbar macht.

Manche Menschen verschwinden in der Versenkung, andere Menschen vertiefen den Kontakt.

Eine wichtige Aufgabe in dieser Zeit ist die Übertragung des Markusevangeliums in Leichte Sprache. Das geschieht im Wiki der Offenen Bibel. Es ist ein Exerzitium. Alles geht mir sehr nah. Umkehr. Die Bedeutung wird mir klarer - nicht nur mit dem Kopf. Besonders das Brot, um das die Jünger sich so viel Gedanken machen, ist ein wichtiges Bild für die Fastenzeit für mich. Kann ich ohne Geld aus dem Haus gehen? Mach nicht auch ich mir fortwährend Gedanken um mein Leben? Was ist denn mit meinem Gottvertrauen?

Die Idiotie der Normailtät wird geschärft durch das Kontaktverbot. Manche machen einfach weiter. Wir leben ja. Wir nehmen Rücksicht auf die Schwachen, darum halten wir uns an das Kontaktverbot. Es ist für mich keine Einschränkung, sondern ein Weg.

Eine Hügelkuppe mit wenig Bäumen, Steinen und Moss. Blick über eine weite hügelige Landschaft. Der Weg ist kaum zu sehen.

Ich bin dankbar für mein Home Office. Arbeiten, Beine hoch legen, Musik hören, Telefonieren, den Garten wirken lassen und darin arbeiten, mit den Nachbarinnen plaudern, Wäsche aufhängen und wieder arbeiten.

Meine Schwester schickt Bilder von ihrer Wanderung. Die bringen mich auf Ideen und ins Träumen. Heute habe ich wieder Postkarten verschickt. Kontaktverbot heißt ja nicht, dass wir keinen Kontakt haben. Viel überflüssiges Zeug muss ich jetzt nicht machen. Es wird klarer, was wichtig ist. Schmerzlich für viele Kollegen im kirchlichen Dienst: Wir sind nicht systemrelevant. Systemrelevant sind Ärzte im Krankenhaus und Kassiererinnen im Supermarkt und alle Berufsgruppen, die jetzt noch das Alltagsleben am Laufen halten. Die BusfaherInnen der BOGESTRA haben offensichtlich Spaß. Es gilt immerzu der Samstagsfahrplan (außer an Sonn- und Feiertagen). Kontaktverbot zum Fahrgast, aber viel Kommunikation. Man lächelt einander zu. Da ändern auch die paar Blödköppe nichts dran, die die Presse zu interessant findet. Als würden Jugendliche im Puk rumlaufen und ständig hilflose Passanten anhusten. Die Luft wird klarer, es ist weniger laut. Der Paketbote ist trotz Überstunden gelassen. Er zuckt mit den Schultern. Es ist halt so. Mehr Stunden, mehr Pakete, aber weniger Stau.

Mal sehen, wie es nach der Pndemie weitergeht. Das Eine ist sicher: Zuallererst fahre ich ins Sauerland.

Dorothee Janssen

Trost ohne Deckmäntelchen, Aufruf zum Gebet

1 min read

"Etwa in der Mitte der Vita lesen wir von einem Besucher Benedikts, der ihn bitter und ohne Ende weinend antrifft – „nicht wie er es bisweilen beim Beten tat, sondern aus großem Kummer“. Benedikt sieht den Untergang des Klosters Montecassino voraus, das er erbaut hat, und sagt seinem Gast: „Nur mit Mühe habe ich erreichen können, dass mir das Leben der Brüder zugestanden wurde“ (Dialoge 2,17).- Die Pandemie führt die Menschheit an ihre Grenzen und in Erfahrungen der Ohnmacht; sie wirft Pläne über den Haufen, kostet Menschen das Leben oder bedroht ihre wirtschaftliche Existenz. In dieser Not ist unser fürbittendes Gebet, das keine Ansprüche stellt, aber nicht aufhört, Gott anzusprechen und anzurufen, ein unschätzbarer Dienst und Beitrag für die Welt und die Kirche."

https://www.abtei-st-hildegard.de/rundbrief-des-abtpraeses-an-alle-kloester-der-beuroner-kongregation/

Dorothee Janssen

Der Frühling kommt

4 min read

Noch weht der Wind kalt, aber die Sonne scheint bereits kräftig. Im Garten kommen die ersten Knospen und in unserer Nachbarschaft werden die Beete gesäubert. Eine Nachbarin bietet mir Bärlauch an. Er wächst wild hinter dem Haus. Wir unterhalten uns über Pesto. Wir stehen nah beieinander. Nicht näher als gewöhnlich, aber es ist die Zeit der Pandemie und wir sollten 2 m Abstand halten. Kurz darauf seh ich sie mit einem Eimer bunter Kreide auf der Veranda hocken. Sie malt ein Mandala. Bald wird es regnen. Wir sprechen über Vergänglichkeit.

In diesen Tagen, so sagt man, kommt das Eigentliche des Menschen zu Tage. Wir sind im Ruhrgebiet. Da spricht man von "über Tage" und "unter Tage". Die einen horten Clopapier, die anderen beobachten interessiert die Zeitläufte. Man erzählt sich Geschichten. In Frankreich sind Kondome und Rotwein alle, in Deutschland Clopapier und Nudeln. Unter Tage war der Mensch bewahrt und geschützt. Die Eigenständigen in meiner Nachbarschaft leben in Sorge. Aber auch die gut Abgesicherten leben in Sorge. Die Jugendlichen, die nie etwas von Not am eigenen Leib erfahren haben, und deren Eltern immer das Beste für sie wollen, versammeln sich. Scheiß was auf 2 m Abstand. Man feiert Coronapartys. Man weiß es nicht anders.

Die Kirche will ihre Gottesdienste streamen und der letzte Bürger merkt, dass es die Kirche gar nicht gibt. Es gibt Menschen. Wir sind alle Individuen. Die einen machen Party, die anderen retten ihre Schätze (und sei es Clopapier) und die nächsten freuen sich, dass die Sache mit der Digitalisierung endlich in Schwung kommt. Man will also Gottesdienste streamen. Die Alten, die man für schutzbedürftig hält, haben den Krieg erlebt. Sie bleiben gelassen, gehen einkaufen und findet, dass es so schlimm nun auch wieder nicht ist. Eine Hyperkatholikin, die keinen Gottesdienst ausläßt und alle nötigt mitzukommen, sagt offen, dass sie ganz froh ist, endlich von der Sonntagspflicht befreit zu sein.

Im Garten duftet der Thymian und es wird Zeit, den Bärlauch zu Pesto zu verarbeiten.

Die einen schuften sich zu Tode (Ärzte, Pfleger, Feuerwehrleute), die anderen machen Kurzarbeit (der komplette Dienstleistungsbetrieb). Ich sitze da und werde nicht gebraucht. Denn die Heime, in denen ich normalerweise ein und aus gehen, sind dicht. Ich bin ein potentieller Todesbote. Ich bin auch ein Digital Resident und tummel mich mit anderen im World Wide Web. Wir tauschen uns aus, bilden Meinung (Influencer sind wir) und erfahren, dass Gott überall ist (mehr oder weniger erfahren wird das; also die Kirchenleute, die erfahren das (es sei denn, sie merken es nicht)). Mein Cousin findet, die Kirche sollte jetzt endlich mal die Bibel neu interpretieren, aber er weiß selber nicht, was er damit meint. Ich verstehe, dass er mir sagen will, dass die Kirche doof ist. Ist ja auch doof, wenn man nicht ernst genommen wird. Diese Kirche versucht nun am Markt zu bleiben, denn nun ist endgültig klar, dass die Sonntagsmesse nicht das Rückgrat des Glaubens sein kann. Wie Dr. Doris Reisinger aus dem Handgelenk twitterte:

Der Kirchbesuch ist nicht identlisch mit dem Glauben.

Aber wie sagen wir es den Entscheidern, den Influencern und den Amtsinhabern (wenn sie es noch nicht selbst wissen). Nein, Kirche ist nicht identlisch mit Gott. Das weiß auch der Papst, der neulich sagte, alle Menschen würden von Gott geliebt. Du liebe Güte! Das ist harter Tobak für die Gerechten. Wir Sünderinnen freuen uns. Wir wussten schon immer, das Gott uns liebt. Der Frühling kommt. Noch weht ein kalter Wind. Aber die Sonne rötet bereits unserere Gesichter, wenn wir uns lange in ihr aufhalten.

Dorothee Janssen

Das Archäologische Museum in Herne ist seiner Zeit mal wieder voraus

1 min read

Covid-19, Ausnahmezustand, Pandemie und die Pestausstellung läuft bereits auf Hochtouren. Die Ausstellung passt perfekt zur aktuellen Pandemie. Das Museum reagiert. Öffnen kann es nicht mehr, aber es gibt Führungen auf Youtube. Die ersetzen das Original nicht. Aber besser als nix.

 

Bitte beachten Sie, dass Ihre Metadaten von Youtube asugespäht werden, wenn Sie sich das Video ansehen.

Dorothee Janssen

Covid-19 und seine Auswirkungen auf unsere katholische Gemeinde

2 min read

Knackige Buchstabenfolgen und eine Menge Durcheinander, denn wir haben zwar alle Informationen, aber wir können sie nicht handeln. (Maske oder nicht, treffen oder nicht, Quarantäne doer nicht?) Besonders strange die Reaktionen im kirchlichen Bereich. Wir denken jetzt über das Streamen von Gottesdiensten nach. hä? Am vergangenen Sonntag fand in unserer Kirche selbstverständlich eine Heilige Messe statt. Warum auch nicht? Wir werden immer weniger. Wenn alle die Vorschriften zur Vermeidung von Ansteckung einhielten, bräuchten wir keine Verbote. So aber müssen die wenigen Besucherinnen unserer Gottesdienste auch darauf verzichten. Dabei sind grade die Älteren schon abgehängt.

Wir wissen kaum etwas voneinadner, wenn wir unter wir alle Getauften in unserer Gemeinde verstehen. Längst haben sich die meisten Menschen vom Gemeindeleben verabschiedet. Das heißt nicht, dass sie nicht an Gott glauben. Sie halten sich an die Vorschriften und kommen zu den Sakramentalien und dem, was muss. Entsprechend schwierig ist es, den von Erstkommunion Betroffenen zu erklären, dass ihre Feiern verschoben werden müssen. Jetzt zeigt es sich, wer hier den Glauben im Sinn hat. Und der Glaube ist nicht deckungsgleich mit den Angeboten der Gemeinde.

Wir finden im Internet haufenweise Blogs und Videos und Podcasts, mit denen wir uns befassen können. Wir können lesen, telefonieren, Briefe schreiben.

Aber was ist mit den Hochbetagten und den Heimbewohnern?

Denken Sie mal drüber nach und dann handeln Sie einfach.

https://www.ekmd.de/glaube/onlinekirche/
https://www.erprobungsraeume-ekm.de/erprobungsraum/online-kirche/
https://netzgemeinde-dazwischen.de/
https://www.caritas-essen.de/
https://web.synod.im/#/welcome

Dorothee Janssen

Ick habe mir faloofen

3 min read

Nachdenken über Geistliche Begleitung

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bleibe ich erstmal stehen. Unsere Eltern haben uns gelehrt, den letzten bekannten Punkt zu suchen und von da aus weiter zu machen. Aber was, wenn man gar keine Richtung findet?

Der letzte bekannte Punkt

Die Schriften von Jean Vanier haben mir einen Raum für Sprache im Zusammenhang mit Geistigbehinderten geschenkt. Er bringt Erfahrungen gut rüber. Seine Texte kann konnte ich nutzen, Inklusion in der Gemeinde zu verdeutlichen. Es geht immer um Selbstsein, Geduld, Vertrauen und Enttäuschung. Das deckt sich mit meiner Erfahrung. In den Gesprächen über Bibeltexte kommen neue Facetten zu Tage, wenn Geistigbehinderte Worte für ihre Gefühle finden. Sie bringen verschiedene Aussagen ganz unterschiedlicher Texte zusammen. Sie können nicht gut mit Bildsprache umgehen, weil sie das Bild als den Inhalt nehmen. Sie kommen von dem Bild ncht los. Und sie sind im Laufe ihres Lebens frei von Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben, weil sie wissen, dass jeder Mensch doch wieder geht, egal wie nett er ist. Es gibt für sie keine Gemeinschaft. Das hat Jean Vanier mit der Archegemeinschaft geändert. Aber er hat auch sexuellen Missbrauch begangen.

Man kann ja fragen

Im Kollegenkreis herrscht Betroffenheit. Ein Kollege hat einen Text verfasst, der auf einem Buch von Doris Reisinger fußt. Sie weiß, wovon sie spricht. Und sie spricht. Sie kann Antworten geben. Wir Seelsorgende im Bistum Essen greifen dann wieder auf unsere eigene Geistliche Begleitung zurück. Das gefällt mir nicht. Nicht, dass wir da nicht lauter fähige und gut ausgebildete Seelsorger hätten. Aber für mich ist das Konzept Geistliche Begleitung endgültig korrumpiert. Zu viele Menschen suchen noch nach Antworten auf ihre Lebensfragen bei anderen. Aber alle Antworten liegen in uns. Das ist mühsam. Das wissen auch unsere Geistlichen Begleiter. Sie begleiten, sie führen nicht. Aber ich habe keine Lust mehr. Ich bin müde. Ich brauche jetzt Klarheit. Und Zeit.

Ich weiß nicht weiter

Als die Nachricht von Jean Vaniers Versagen kam, war ich in einem geschützten Raum. Ich habe geheult, ich war echt fertig. Das durfte ich. In geschützten Räumen geht sowas. Dann muss man weiter. Und, ehrlich gesagt, ich weiß nicht weiter. Meine Tränen liegen nah unter meiner glücklichen Oberfläche. Wenn ich zur Ruhe komme und tief in mich hineinhöre, spüre ich Sicherheit und Frieden. Jean Vanier hat mein Leben nicht zerstört. Aber er hat den Weg kaputt gemacht, auf dem ich unterwegs war. Jetzt muss ich mich neu orientieren.

Schwäche

Aus Schwäche wird ein Mensch zum Schuldigen. Er tut etwas, dass falsch ist, grundfalsch. Das hat unabsehbare Folgen. Wenn ein Täter im Moment seiner Tat wüsste, würde er nicht sündigen. Aber er ist schwach. Er weiß nicht.

Auch ich bin schwach. Ich möchte nicht, dass meine Handlungen solche Auswirkungen haben. Was kann man tun? Ich bin privilegiert. Das Reflektieren gehört zu meiner beruflichen Tätigkeit. Es wird von mir erwartet. Also ...

 

https://www.arche-deutschland.de/uebergreifende-inhalte-und-funktionen/newsletter/news-detail/wir-sind-tief-erschuettert/

Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche - Doris Wagner http://d-nb.info/1182487122

Dorothee Janssen

14. Februar - Gebt dem Programmierer und der Programmiererin freier Software

1 min read

Was wäre ich ohne die vielen Programme und Foren, die mir das Leben erleichtern. Eine Konsumentin.

LibreOffice

Firefox

Thunderbird

Matrix

Mastodon

Open Street Map

OSMand

AntennaPod

F-Droid

Linux

Durch die vielen engagierten Menschen, die ihr Wissen teilen und mit Geduld und Hingabe die Fehler und Schwächen von Programmierungen und menschlichem Versagen bearbeiten, wird die Welt besser.

Am 14. Februar gehen Verliebte in den Konsumrausch (müssen sie aber nicht) und alle, die mit freier Software arbeiten und ihr Wissen teilen, erhalten Post, Postings, Einladungen, ... (lassen Sie sich was einfallen).

I love Free Software!

Hier geht es zur -> Aktionsseite.

Dorothee Janssen

Du sollst niemals aufgeben

3 min read

Ein durchaus intelligenter Mensch hat auf meine Begeisterung für das aktuelle Bischofswort mit geifernden Ausführungen über die Unbelehrbarkeit der Kirche und den seit 10 Jahren unbearbeiteten Missbrauch-Skandal reagiert. Jeder Gesprächsversuch lief in eine Wand aus Wut und Enttäuschung. Synodaler Weg? hahahahaha. Lächerlich.

Die Meldung

Die Presseabteilung des Bistums Essen behauptet, das Bischofswort sei in jeder Kirche des Bistums verlesen worden. Aber das ist es mitnichten. Alleine mir sind eine handvoll Priester bekannt, die das nicht getan haben. Den Einen ist das Ganze zu lang, den Anderen inhaltlich zu forsch. Sie wären froh über die Einschätzung des oben erwähnten durchaus intelligenten Menschen. Sie würden eifrig mit ihren Köpfen nicken. Denn jeder, der dieses Bischofswort nicht liest, ist ein Gewinn für ihre Sache.

Nun hat dieser oben erwähnte durchaus intelligente Mensch das Bischofswort durchaus ... hm ... naja, immerhin quergelesen (ich bin Zeugin), immer wieder wütend unterbrochen von Funden, die er als Beweise seiner Enttäuschung und Mißachtung aufführen konnte. Nein! Nichts wird anders. Nichts. Erst durch eine Zeugin erfuhr ich, dass dieser Mensch Christ ist. Also sprach ich ihn an auf Glauben und Christsein. Aber er war in Fahrt. Er war wütend. Nichts, gar nichts konnte ihn da raus holen. Kirche ist ... . Schrecklich. Nun. Können wir dann über unseren Glauben sprechen? *Wut* Können wir beten? *Es kommt doch alles zu spät*

Vielleicht möchten Sie das Bischofswort lesen?

Der Trick an der Sache ist: Wir sind gefordert. Der Bischof fordert zu Gemeinsamkeit auf. Wir. Ein Wir, zu dem wir alle gehören. So hieß es bereits im Bischofswort 2019. Und seitdem ist Einiges in Bewegung. Im Grunde war auch vorher schon Einiges in Bewegung. Aber solange durchaus intelligente Menschen behaupten, der Bischof von Essen würde Homosexualität verbieten, solange sie in ihrer Wut und Enttäuschung verharren, wird ihre self-fullfilling prophecy in Erfüllung gehen.

In einer unserer Gemeinden gibt es eine Gruppe, in der Menschen über Gemeindeentwicklung sprechen. Ihnen gefällt der Pfarreientwicklungsprozess nicht. Sie finden, dass sich nichts bewegt. Sie treffen sich und treffen sich und treffen sich. Und nach 2 Jahren, in denen sie sich trafen und trafen und ... haben sie Plakate mit ihren Themen im Pfarrsaal aufgehängt. Der Pfarrer hat sie abhängen lassen. Ein willfähriges Gemeindemitglied hat sie in den Papierkorb gepresst. Viele haben lamentiert, Viele haben gelächelt. Ein Gemeindemitglied hat die Plakate aus dem Papierkorb geholt, geglättet und wieder aufgehängt. Da hängen sie nun. Und wer willig ist, liest darin. Und manche nehmen einen Stift und schreiben was dazu. Wollen wir mal sehen, wer den längeren Atem hat.

So geht Gottvertrauen.

Dorothee Janssen

2020

4 min read

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass es vielerorts "zwanzigzwanzig" heißt, wenn es um das neue Jahr geht? Witzig, oder? Als wäre zweimal 20 kleiner als 2 Tausender plus einmal 20. Kommt es vom Schriftbild? Mit Sicherheit wird es darüber Aufklärung geben.

Die Informationsflut spült allerhand Unbrauchbares mit sich. So auch die "20iger". Wir sind also in den 20igern. Irgendwas mit CanCan und Tanz auf dem Vulkan und alle nicken weise, als hätten wir  es geahnt und wüssten auch, worum es geht. Überhaupt ist die Menge an möglichem Wissen erwürgend und bei partieller Übersicht irgendwie ernüchternd: Besser wird es mit dem vielen Wissen auch nicht. Was uns fehlt:

Algorithmen

Es müsste so Dinger geben, die das Ganze in etwas Schönes überführen. Als würde ein Algorithmus Milliarden von Mikroglassplittern zu bezaubernden Bildern ordnen (oder formen?).

Diese Algorithmen sorgen für ein überschaubares Gesundheitssystem, quasi, aber die Politik ist ein bisschen überfordert, denn man kann ja nicht alles wissen und so sind bereits Sicherheitslücken in der Software bekannt, die die Chips auf unseren Gesundheitskarten steuert. Nicht, dass wir das nicht geahnt hätten.

Ich finde Algorithmen schön und wichtig. Ich mag es, wenn einem Dinge erklärt werden und wenn Zusammenhänge logisch sind.

Fill Particles for Animated Object Algorithm from PING on Vimeo.

Darum gefällt mir Mathematik und ich mag animierte Videos.

Aber da gibt es etwas, das ständig die Schönheit von Perfektion durchbricht. Es ist Krankheit, Behinderung, Unfähigkeit, Ahnungslosigkeit, Versagen, Zerbrechen. Wie bedeutend diese Worte für unser Leben sind, wissen wahrscheinlich nur die, die spüren, was es bedeutet, krank, behindert, unfähig, ahnungslos zu sein und versagt zu haben und zu zerbrechen. Die Kurve kriege ich mit den Menschen, die betroffen sind und / oder dem nicht aus dem Weg gehen. Dieser Tage wieder perfekt erfahrbar bei der Übertragung eines komplexen Textes in Leichte Sprache. Zwei Menschen mit Lernbehinderung prüfen die Übertragung unabhängig voneinander und machen auf unbestechliche Weise deutlich, wo der Ursprungstext verschleiert und wie schöne Worte zu bedeutenden Worten werden können. Beispielsweise lässt sich nichts über Heimat schreiben, ohne Heimatlosigkeit und Fürsorge zu nennen. Und wir können nicht vom Synodalen Weg sprechen, ohne alle Menschen mitzunehmen (also nicht nur Delegierte). Wir können nicht die Bergpredigt lesen, ohne vor den Koonsequenzen zu erschrecken. Wenn wir es doch tun, sind wir abgestumpft und können nicht mehr als Zeugen oder Zeuginnen des Evangeliums verstanden werden. Die Prüferin der Leichten Sprache fragt, ob es nicht ein leichteres Wort für Synodaler Weg gibt. Und nachdem wir über die Bedeutung gesprochen haben, findet sie auch, dass "gemeinsamer Weg" keine Alternative ist. Sie versteht, dass sie Teil des Weges ist und das niemand weiß, wo es lang geht. Sie versteht, dass sie mitmachen muss, damit der Synodale Weg gelingt. Und sie macht mit.

Jetzt wird es ernst

2020 werden wir zerbrechen. Weil wir die Bergpredigt wieder ernst nehmen und keine Sachzwänge zulassen können. Aber wir können nicht anders. Was sollen wir an den Fleischtöpfen, wenn wir aus der Sklaverei befreit sind? Kann sein, dass wir in der Wüste verhungern werden, aber wahrscheinlich ist das nicht. Einfach mal wieder die Bibel studieren, an einen einsamen Ort gehen um zu beten. Ich freu mich drauf

This is not the end