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Vom linken Niederrhein ins Ruhrbistum
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Dorothee Janssen

Kanzelpredigten sind nicht mehr länger sinnvoll

4 min read

Wir können Menschen heute auf zielgruppenorientierte Weise erreichen. Aber Kirchengebäude sind noch so konzipiert, dass ein Altarraum erhöht ist, weil er von allen gut gesehen werden soll. Die Kanzel ist in manchen Kirchen noch ein wenig höher als der Altar. Das Wort musste wegen der Akustik von oben gepredigt werden. Die von Luther propagierte Dreiheit aus Kanzel, Altar und Orgel führt falsch verstanden zu Disziplinierung der Gemeinde statt zum Verständnis der Liturgie.

Wenn heute ein Priester an die Kanzel tritt oder auf die Kanzel steigt, predigt er sein Wissen und Glauben einer Gemeinde, die aus Individuen besteht, die verschiedene Vorrausetzungen mitbringen: Lebenserfahrung, Alter und Bildungsstand machen es unmöglich, einer Sonntagsgemeinde zu predigen. Ist es anders, stimmt mit der Gemeinde was nicht.

Ein Blick zurück

Die ersten Christen nahmen noch an Gottesdiensten ihrer Ursprungsgemeinschaften teil, bevor sie sich ganz dem Christentum zuwandten und aus und in ihm lebten. Weil es zunächst noch keine Kirchen gab, versammelte man sich in Wohnhäusern. Menschen mit Status und Räumlichkeiten konnten ihr Hab und Gut zur Verfügung stellen. So entstanden Kirchen, die die Tradition der jüdischen Gemeinden immer mit sich führen.

Die ersten Kirchen waren Versammlungsräume mit Altar. Man pflegte Wort und Gesang und die Erinnerung an das Opfer von Jesus Christus. Daraus entsteht die Liturgie, die Menschen miteinander feiern. Diese Liturgie entspricht der Zeit, in der sie leben. Beispielsweise hieß es lange Zeit: "Die Messe lesen." oder "Die Messe hören." Heute sagen wir: "Die Messe feiern."

Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass Kirchengebäude in unterschiedlicher Gestalt erkennbar sind. Viele Menschen suchen beeindruckende Kirchen wegen ihrer Architektur auf. In den gleichen Gebäuden finden sich Menschen zum Gebet. Wenn heute ein Priester in einer katholischen Kirche am Mikrofon steht und predigt, steht er an einer Kanzel und redet wie ein Vortragender. Die Menschen in der Gemeinde hören zu. Aber lernen sie auch? Das Lernen ist als Lebensform in einer Entwicklung, die die Politik nur schwer mitvollziehen kann. Unser Schulsystem ist genau so in der Kritik wie unsere Formen des Kirchenlebens. Beides ist schwer zu verändern, weil es alten Gewohnheiten entspricht, die uns zwar belasten, aber an aktuelle Erfahrungen des Lernens und Glaubens können wir als Kirche oder Schule nicht leicht anschließen. Wer aus Interesse lernt, kann sich heute selber informieren. Das ist sicherlich auch eine Frage des Temperatemtes und des Bildungsstandes. 

Ein Blick nach vorne

Christen finden an allen Orten Plätze oder Gebäude, die Möglichkeiten zu Gebet und Gottesdienst bieten.

Informationen sind für alle zugänglich. Lernen ist für alle möglich.

Man nimmt nicht mehr an Veranstaltungen der Kirche teil, sondern gestaltet interessegeleitet mit, so dass alle Menschen sich als lebendiger Teil der Kirche erfahren können.

Predigt im 21. Jahrhundert wird zu Mission

Bald redet niemand mehr von oben. Bald antwortet niemand mehr, ohne gefragt zu worden zu sein. Wer früher predigte, macht sich heute auf den Weg in eine unübersichtliche Gemeinde und sucht Gemeindemitglieder (und alle Menschen) in ihren Lebensräumen auf. Dabei wird deutlich: Die Lebensräume des ehemaligen Predigers sind die Lebensräume aller Mensch (Wir gehen alle einkaufen, wir machen alle Sport, wir sehen alle fern, ... .) . Der Begriff Mission verliert seinen Schrecken, denn Mission ist eine Notwendigkeit, die aus Begeisterung und Liebe wächst. Niemand wird bedroht oder eingefangen. Kirche wird attraktiv, weil sie eine Kirche der Menschen ist. Kirche motiviert, weil sie mit einem erfrischten Dasein Menschen zum Erfragen der Botschaft motiviert.

Dorothee Janssen

"Als ich noch ein kleines Mädchen war"

4 min read

Manche Sätze gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Die Überschrift klingt harmlos, aber in meiner Erinnerung ist sie ein echter Aufreger. Unser Klassenlehrer sagte diesen Satz immer dann, wenn es etwas zu erklären gab und wir ihm zu träge waren. Wir waren eine Mädchenklasse und ich nahm alles wörtlich. Eines Tages ging ich zu ihm und fragte, wie aus einem Mädchen ein Junge wird. Die Frage war nicht ganz ernst, aber seine Antwort interessierte mich. Damals war ich so ungefähr 12 Jahre alt. In Erinnerung bleibt mir, dass er nach einer Antwort suchte, die originell sein sollte. Sie war leider so substanzlos, dass ich sie nicht behalten habe. 

 

Erde in der Sonne und ein paar Pflanzen ohne Namen.Wie ändern sich Dinge und wie kann man Dinge ändern?

Wie lebt Leben und wie kann man Entwicklungen beeinflußen?

Wie viel Beeinflußung ist möglich oder auch nötig?

Wann ist ein Eingreifen geboten und wann ist es zweifelhaft?

Wer hat das Recht, Veränderungen an Entwicklungen durchzuführen?

Wer beurteilt, ob Dinge gut laufen?

Was ist das Ziel?

Warum machen Veränderungen Angst?

Unter welchen Umständen machen Veränderungen auch Lust?

 

Wir waren jung

Manche Sätze reitzen zu dummen Witzen. "Ich war jung und brauchte das Geld." Jungsein wird mit allerhand Dubiosem und Unerhöhrtem in Zusammenhang gebracht. Man lässt der Jugend ihren Lauf ("Da gibt es ein Lied." Auch so ein Satz unseres Klassenlehrers). 

Wenn wir nicht mehr jung sind, sind wir ... was? Was sind wir mit 55+? MILF? Scheintot?

Wir waren jung und hatten das Leben vor uns. Jetzt sind wir mittendrin (egal, wie jemand rechnet: ich bin mittendrin). Zu meinen Ideen und Sehnsüchten kommt meine Lebenserfahrung. Dazu gehört die Erfahrung wechselnder Heilsversprechen. Dies und das und jenes und immer wieder, Bücher, Kurse, Etiketten auf bleibenden Problemstellungen. Mit großer Begeisterung bin ich in Konzepte eingestiegen und kann nicht sagen, dass ich nun desillusioniert sei. Es lebt sich gut mit Lebenserfahrung. 

Leben, bewegen und sein

Von jetzt aus kann ich Einiges über mein Leben schreiben. Immer noch ändert sich das Eine oder Andere. Das wird meinen Mitmenschen nicht anders gehen. Die Frage ist nur, ob wir diese Entwicklungen erleiden oder mitgestalten. Beispielsweise ist die Entwicklung im Bildungswesen unseres Landes rasant, aber leider nicht für alle. Und sie wird unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Darum treffen Politiker Entscheidungen, die von anderen nicht verstanden werden. Das Etikett Inklusion wird mittlerweile in der Behindertenszene abgelehnt. Behindertenseelsorger zerbrechen sich den Kopf über ihre Berufsbezeichnung, weil sie längst aus der Schräglage Helfende Hilfsbedürftiger raus sind. Seelsorge auf Augenhöhe wird aber nicht von allen verstanden. Komplettieren Sie selbst.

Zeiten, in denen ein Mensch lebt, sind immer wild, denn das Leben ist permanent in Entwicklung, nie bleibt etwas wie es ist, immer lernen wir. Es ei denn, wir strebten Nichts als dem Tod entgegen. Wer jemand ist, sollte nicht in Frage gestellt werden dürfen von einem anderen Menschen. Außer es handelt sich um eine gesellschaftliches Problem (Gewalt, sozialer Zusammenhang, sowas eben). Aber wenn ein Kollege sagt, er sei fremdbestimmt, frage ich mich schon, was er all die Jahre in seinem Hirn veranstaltet hat. Kann man sich als fremdbestimmt empfinden, wenn das Leben an sich wild und unplanbar ist? 

Ich bin gespannt, wie sich alles entwickelt. Dabei sitze ich keineswegs unbeteiligt und unanreifbar rum und ich bin mir im Klaren darüber, dass meinen Einflußmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind. Das ist gegeben. Das ist so und ich bedauer das nicht, denn auch allen anderen Menschen sind Grenzen gesetzt. Die anderen und ich bewegen das soziale Gefüge in dem wir leben. Dass wir Christen kein Unkraut zupfen sollen, ist schwer auszuhalten in manchen Situationen, aber eine gute Idee, weil sie entlastet. Wer ich bin, läßt sich nicht ändern. Was ich kann, kann ich durch Lernen erweitern. Das Leben aber bleibt immer größer als ich - ob ich ein Mädchen bin oder ein Mann.

Dorothee Janssen

Diözesantag der Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen im Bistum Essen 2017 - heiß, durstig und lustig

6 min read

Seit mehr als 30 Jahren bin ich nun Gemeindereferentin im Bistum Essen, aber so was Entspanntes habe ich unter uns Kollegen und Kolleginnen selten erlebt. Man kommt im Kardinal-Hengsbach-Haus an und gerät in das übliche Wiedersehensszenario. Es gibt Kaffee, Tee und Kekse. Innerhalb weniger Minuten bilden sich Grüppchen, die frei fließend inneinander übergehen. Wir nennen uns "Berufgsgruppe". Niemand wird gemoppt. Niemand ordnet alles. Wir wussten ja im Vorfeld schon, wie der Ablauf ist, so dass alle zur rechten Zeit in der Aula sind.

Pastoraler Beruf in Zeiten der Umstrukturierung

An mehreren Stellwänden werden Fragen gestellt und Impulse gegeben, die unsere Gespräche auf berufliche Fragen fokusieren. Wir schreiben unsere Anliegen darauf. Später werden wir mit Klebepunkten die Aussagen werten.

Die Gespräche sind teils Smalltalk, teils sehr labil. Es bedarf hoher Empfindsamkeit, wenn man sich einer Gruppe nähert, neugierig auf Themen und neue Inhalte. Aber wir sind alle Seelsorger oder Seelsorgerinnen. Wir gehen sorgsam miteinander um. Schön auch: die Blickkontakte - kaum wiederzugeben in Worten.

Vor mehr als dreißig Jahren konnten nur Frauen im Bistum Essen Gemeindereferentinnen werden. Es gab zwar schon Männer in der Ausbildung, aber ... ach, die sollten doch besser Priester werden.

Aus unserem Sprecher/innen/kreis sind alle Anwesenden in die Organisation des Diözesantages involviert. Unsere Diözesanreferentin, Frau Ingeborg Klein, die üblicherweise "den Hut aufhat", ist noch bei einer Sitzung der K IV der DBK (aber das wäre ein weiterer Blogbeitrag). 4 Kolleginnen bilden ein Moderatorinnenteam. Die Geschmeidigkeit des Ablaufes ist verblüffend. Sie gehen freundlich und zugewandt umher. Man merkt gar nicht, dass sie den Prozess steuern. 

Gemeinsam beten

Da Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck anwesend ist, feiern wir gemeinsam eine Heilige Messe. Dazu gibt es nicht viel zu schreiben: Das ist wohltuend. Das ist Gebet.

Aber das bereits ist etwas Erwähnenswertes. Wie so einiges andere. 

Zum Beispiel dies: Ein Messdiener in kurzen Hosen. Ja. Das mag den einen oder anderen reizen. Aber bedenken Sie: Es war heiß am 29. Mai 2017 und wir waren unter uns und der junge Mann sah nicht anstößig aus, er war sauber und angemessen gekleidet. Die kurzen Hosen fallen nur deswegen auf, weil sie eine Veränderung bildlich verdeutlichen: Jede/r von uns ist so wie er /sie ist da. Es gibt eine neue Qualität von Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeiternehmer und unter uns Christen.

Das Gespräch im Plenum

Das Leitungsteam moderiert die Ergebnisse der Pinnwände. Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck nimmt Stellung. Es ist der Montag nach dem Kirchentag in Berlin-Wittenberg. Wir sprechen über Befürchtungen (bei denen wir beginnen) und dem, was uns gut tut. Was brauchen wir? Diensthandys und Dienstwagen. Zu dem Zeitpunkt sind sowohl Frau Klein als auch der Personalchef Herr Domvikar Dr. Kai Reinhold anwesend. Natürlich wird gelacht, aber es wird auch über die Zusammenhänge dieser Anfrage gesprochen: Im Sauerland gibt es weite Wege. Mit unseren Handys sind wir ständig erreichbar. Wie grenzt man sich ab. Bischof Overbeck macht uns Mut. Er stehe hinter uns, sagt er. Eine Kollegin interveniert, es sei immer die Situation vor Ort, die wir zu bewältigen haben. Bischof Overbeck bestätigt das. Er habe Vertrauen in unsere Fähigkeiten. Wir haben ja wirklich persönlich ausgeprägte Charismen und seien dennoch Generalisten. Er skizziert für uns die Zeiten der ungleichzeitigen Umbrüche und betont noch mal, dass er für uns ansprechbar ist.

Im Plenum brauchen manche Kollegen und Kolleginnen ausufernde Ich-Aussagen. Es geht im Sehen und Gesehen werden. Es geht um Positionierung und Karriere. Wir sind aber ein pastoraler Beruf. Das wird bei diesem Diözesantag sehr deutlich.

Aus eigener bitterer Erfahrung nimmt unser Bischof zu Social Media Stellung. Jeden Abend nimmt er sich 1 Stunde Zeit dafür. Das ist mehr als die meisten von uns sich nehmen und weniger als die Strategen der Social Media an Zeit dafür haben. Ich bin die einzige, die twittert. Heute morgen ist mir das etwas peinlich, denn ich dominiere die Timeline des Bischofs, aber das wird sich bald ändern. Das ist ja das Gute an diesem schnellelbigen Medium. Eine andere Kollegin hat Fotos auf unsere Facebook-Seite gepostet. Das wurde von 12 Personen gelikt (bis jetzt).

Ein neues Wort macht die Runde: Wut-Katholiken. Wir kauen das Wort öffentlich durch. Jemand hat es aufgeschrieben. Es ist traurig, aber es muss benannt weden. Wir brauchen Raum und Zeit, mit dem Phänomen umzugehen. Allgemeine Ratlosigkeit. Wir arbeiten dadran.

Es geht natürlich auch um den Sozialraum. Kirche ist nicht mehr Gemeinde für die meisten Christen. Auch unser Beruf ändert sich entsprechend. Wir kauen das durch. Beispiele gelungener Dialoge zwischen politischer Gemeinde und katholischer Gemeinde machen die Runde. Ökumene kommt zur Sprache. Wir alle haben Erfahrungen damit, dass Menschen ihre Wege selber suchen. Bei den Abgehängten finden wir die Wut-Katholiken. Bei den kulturell Kompetenten finden wir Menschen aller Glaubensrichtungen und Agnostiker, die mit uns unterwegs sind. Seltsam, dass das so gesagt werden kann. Mir kommt es richtig vor, denn ich erlebe es so.

Normale und Vegetarier am Grill

Ob es beim Grillen zum Abschluß auch was für Vegetarier gibt? Es bildet sich eine lange Schlange, alle mit Teller, Gabel, Messer, Serviette in der Hand. Auch das Abendessen ist sorgfältig vorbereitet. Der Domvikar verteilt die Getränke an den Tischen. Er findet, er sei immer noch Diakon. Grüppchen bilden sich nicht als Form des Ausschlußes, sondern als Notwendigkeit. Man will ja essen. Da muss man sitzen. Wir sitzen irgendwie beieinander. Die Raucher sitzen am Rand. Es gibt tatsächlich Grillkäse.

Unsere Gespräche drehen sich weiter um Sozialräume, Kirchenentwicklung, Sozialräume, Spiritualität und alles. Eine Kollegin erzählt von einem komplett neuen Stadtteil, der in ihrer Pfarrei auf einem stillgelegten Industriegelände entsteht. Ein Kollege erzählt von der Sozialkirche, die nicht ganz so wird wie geplant, weil Ehren- und Hauptamtliche und die Entwicklungen nicht so steuerbar sind wie erwartet. Ich komm gar nicht dazu, von Inklusion zu erzählen, weil das alles ja schon Inklusion ist.

Dorothee Janssen

Die digitale Kirche ist auch nichts anderes

5 min read

Was ist eigentlich dieses "digitale Kirche"? Smartphones, Jugendliche mit zukünftigen Nackenwirbelproblemen, leere Kirchen, ... oder doch eher etwas kompetentes, zukunftsorientiertes, erfreuliches? Der Begriff taucht bei Twitter immer wieder auf. Aus Zusammenhängen in Blogs kann ich nicht erkennen, was genau gemeint ist.

Fledermäuse im öffentlichen Personennahverkehr

Die Nerds in katholischen Kreisen Hauptamtlicher betonen gerne, man könne Jugendliche mit Aufgaben am Computer betrauen. Ich bin da nicht so sicher. 

Letztens packte ich eine Frage computertechnischer Art in eine längst verstaubte WhatsApp-Gruppe ehemaliger Firmlinge, die nur noch lebt durch Meldungen, wer die Gruppe verläßt oder tapferer Veranstaltungshinweise meinerseits. Auf meine Frage antwortete eine Dame aus der Gruppe, sie habe leider keine Ahnung. Sie ist eine Nette. Wir sind auf Instagram verknüpft, haben aber ansonsten nichts miteinander zu tun. hm. Wirklich nicht? Sie geht nicht in die Kirche. Ich sehe sie selten. Ihre Bilder sind schön. Sie postet viel über gemeinsame Erlebnisse. Tolle Sache. Wir haben wohl doch was miteinander zu tun, wenn sie doch antwortet.

Im Linienbus. Ein ehemaliger Firmling derselben Gruppe steigt ein. Er steckt im Abi. Neuerdings immer mit so Riesenkopfhörern auf den Ohren. Wir grüßen einander immer freundlich. Nicknick. Fertig. Er lehnt sich lässig an den Handlauf. Ich sitze weiter hinten und schaue in die Gegend. Auf einmal setzt er sich in Bewegung, kommt, setzt sich neben mich und schwups sind wir in einem Gespräch über mein technisches Problem. Er erzählt von seinen Projekten und ich zeige ihm einen Blogbeitrag zu dem Thema, das mich bewegt. Er will sich das mal angucken. Tschüsstschüss. Ich bin verblüfft.

ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

Wenig später sitze ich mit Freifunkern in der Kneipe. "Ach, du bist von der Kirche?" Einer outet sich als ehemaliger Pfadfinder und erzählt ganz begeistert von einem ehemaligen Pfarrer, der ganz plötzlich starb und seitdem geht alles bergab. Ich muss mich jetzt zusammenreißen. Ich könnte jetzt eine Art Presseerklärung unserer Pfarrei abgeben, aber verzichte darauf. Man redet und redet und ich bin schon wieder verblüfft. Man erzählt von der Flüchtlingshilfe, für die man in Gemeindehäusern Chromebooks und Router bereitstellt. Traurig nur: die Router werden nur für den Deutschunterricht angestöpselt. Ansonsten ist da ein roter Punkt auf der Karte. Was soll ich sagen? Die Gemeinde, von der die Rede ist, leidet an ihren Hauptamtlichen. Der junge Mann hat recht: sie gehen alle weg. Es wäre vorausschauend von dem verstorbenen Pfarrer gewesen, wenn er seine Pastoral mit Ehrenamtlichen ausgestattet hätte und nicht alles auf sich fokusiert worden wäre. Er ist weg. Wie als wär beim Jenga der falsche Stein gezogen worden. Im Kreis der Freifunker verabrede ich, mit den Kollegen zu reden. Aber auch den Freifunkern würde ich gerne eine neue Sicht auf Kirche vermitteln: Wir sind Kirche. Das muss in die Köpfe und die Herzen. Einerseits soll alles modern sein, andererseits soll der Pastor es richten. Wie kann man das ändern?

Der junge Mann erzählt von seiner Oma, die nicht mehr in die Kirche kann und die bei einem gestreamten Gottesdienst bestimmt voll abgehen würde.

Bestattung

Der Kollege trägt sein schwarzes Ringbuch bei sich und ich mein Tablet. Er findet es seltsam, dass ich ein Tablet auf einer Beerdigung bei mir trage. Ich nicke nur. Es braucht alles Zeit. Die Familie, die ihren Sohn, Bruder, Cousin zu Grabe trägt, interessiert sich nicht für die Mittel und Methoden. Ein bißchen hängen sie immer noch an bestimmten Zeichenhandlungen. Aber sie sehen weder das Ringbuch, noch das Tablet.

Das neue Gotteslob

Ein Messdienerleiter im Rollstuhl kann wegen langwieriger Erkrankungen schon länger nicht in die Kirche kommen. Sein Nachbar zieht ihn auf, er müsse doch in die Kirche, schließlich sei er katholisch. Mindestens 7 Jahre war er jetzt nicht mehr in einer katholischen Messe. 

Wir treffen uns, um das neue Gotteslob anzuschauen. Wir sehen uns das Inhaltsverzeichnis an und finden das Glaubensbekenntnis in 2 Versionen an 2 verschiedenen Stellen. Wir sehen "Tagzeitenliturgie" und ich erzähle von Twitter, Twaudes und Twomplet und er sagt, er bete lieber persönlich. Ich versuche zu erklären, wie wir bei Twitter beten, aber er geht nicht darauf ein.

Später denke ich, dass das Digitale an der Kirche genau so wie das Eucharistische ihm nicht geläufig sind. 

Inklusion

Für Menschen mit Behinderung ist das Internet genau so wie die moderne Computertechnik eine Chance zur Teilhabe an einem gesellschaftlichen Leben, das noch nicht von allen in unserer Gesellschaft als Normalität empfunden wird. In meinem Verständnis von dieser digitalen Kirche gibt es kein Richtig oder Falsch. In vergleichbarer Weise kann jeder Mensch an Twitter teilnehmen. Wenn ich einen Tweet lese, lese ich diesen Tweet. Von dem, der ihn tippte oder einsprach, weiß ich nur, was er preisgibt von sich. Es ist mir gewöhnlich auch nicht wichtig. 

Inklusion und Teilhabe fokusieren auf die Gesamtheit der Gesellschaft.

Die digitale Kirche steht als Begriff neben evangelische Kirche, katholische Kirche, Freikirche, ... und meint doch etwas ganz anderes.

Was mir gut an Inklusion und Teilhabe und digitale Kirche gefällt, ist ihre Unfaßbarkeit und Weitläufigkeit, das Interesse, die Begeisterung, das Verwischen der Hindernisse zwischen Teilnehmern und Teilgebern. Beiden ist eher eine Haltung eigen als eine Definition.

Zum Weiterlesen:

Dorothee Janssen

Werdet ihr mich im Februar 2018 bei Willowcreek treffen?

4 min read

Gestern gab es ein inspirierendes Gespräch mit einer Kollegin. Wir leiden beide an dem Beharrungsvermögen unserer Gemeinden und müssen uns Zeit und Energie vom Pfarreientwicklungsprozess stehlen lassen. Aber wir wissen auch, dass es ohne Gemeinden nicht geht. Nur so unbegeistert und grundbelastet? Wir kamen auf Willowcreek. WILLOWCREEK? Werfe ich mich hier grade den Freikirchen an die Brust? Ist das eine Verzweiflungstat?

Es geht um Leitung

Leitung ist absolut nicht mein Thema. Denn Leitung ist in unserem Bereich immer noch Führung ohne Blick auf die Gemeinde, wie ich sie verstehe.

Was ist Gemeinde? Gemeinde sind die, die da sind. Oder ist Gemeinde die, die getauft sind? Oder ist Gemeinde noch größer? Gemeinde ist gewachsen. An meinem Wohnort begann die Gemeinde in einer Baracke. Langsam sterben die, die die Kirche aufbauten. Die Nachgewachsenen hatten nicht Hand angelegt. Sie fanden alles fertig vor. Alles? Nein, natürlich nicht. In unserer Gemeinde gibt es Menschen, die mitgestalten. Wir sind durchaus sprech- und sprachfähig. Beispielsweise das Gemeindezentrum: Es wurde gegen den Widerstand der damaligen Verantwortlichen mit viel Eigenleistung umgesetzt und ist eines der schönsten Orte für Feiern und Feste und Zusammenkünfte in großen Gruppen.

Es gibt bei uns viel gewachsene Beziehungen, die Gemeindebeziehungen sind. Vieles an Hilfeleistung wird nicht von der Leitung gesteuert, sondern geschieht einfach. Man kennt sich. Man teilt Freud und Leid. Das funktioniert prima. Aber leider nicht für alle. Etwa 5% unserer Gemeinde sind mehr oder weniger bewußt identifiziert und aktiv. Die Mehrheit leidet an der Umstrukturierung. Sie halten Priestermangel und Geldmangel für die Ursachen des Desasters. Sie finden Gemeindereferentinnen zu teuer und fragen sich, ob die Gelder wirklich gut verteilt sind und wissen, dass "die da oben" am Ende doch entscheiden.

Avanti Dilletanti

Derweil gibt es längst Bewegung. Aber bewegen Sie mal einen Hochseedampfer. Wir sind ja kein Kanu.

Es gibt eine Überfülle an Angeboten in unserem Bistum, die den Gemeinden helfen können, ihren Weg zu finden. Wie bringt man das zusammen: die Angebote und die grundfrustrierten 5%?

Frau Dr. Maria Lüttringhaus hat in einer Veranstaltung aus 12 Personen ihre Erfahrungen vermittelt und im Austausch Themen und Gespräche zum Vorschein gebracht, die der Antipädagogik und der Sozialraumentwicklung geschuldet sind. Wer nicht dabei war, liest viele Worte. Wer dabei war, wird erst einmal lächeln. Denn wo bekommen wir in den Gemeinden sonst so viel Selbstvertrauen vermittelt? Wo erleben wir, dass wir Arbeiter und Arbeiterinnen im Weinberg sind (wenn es schon das Arbeiten als Bild sein muss) und nicht Sklaven in Ägypten? Avanti Dilletanti ! Ganz so dumm sind wir ja nicht. Laßt uns loslegen und in vertrauensvollem Austausch miteinander unsere Erfahrungen fruchtbar werden lassen für die ganze Gemeinde.

Übrigens: Wir brauchen nicht mehr Angebote. Wir müssen rausfinden, was wir in der Gemeinde brauchen. Alle, nicht viele.

Soll ich oder soll ich nicht?

Aus der Überfülle meiner Bücherregale kommen immer wieder Sachen in das Mercator-Bücherregal vor dem St. Marien-Krankenhaus in Witten oder vor der Alten Oper ist Essen. Ich schaffe Platz. Der muss nicht neu gefüllt werden. Ich überlege, was ich brauche. Brauche ich Willowcreek? Welche Weiterbildungen brauche ich? Welche Menschen brauche ich? Wie teile ich meine Zeit ein? Christian Hennecke wird 2018 bei Willowcreek sprechen. Nanu. Das ist doch mal was.

Ich bin unentschlossen. Denn ein weiteres Spielfeld brauche ich nicht und niemand muss versuchen, mir den Stein der Weisen zu verkaufen. Den gibt es nämlich nicht. Aber dass Willowcreek sich als lernend versteht, ist mir sympathisch. Dass Melinda Gates dort auftritt gefällt mir nicht. Es ist überhaupt eine Riesenveranstaltung. Bisher konnte mir niemand erklären, was daran gut sein soll. Teilnehmer sagten mir, es sei toll, ich müsse einfach mal kommen. Unklug, wenn so ein Mensch mir erklärt, dass Jesus keine Kinder getauft habe ( -> die katholische Kirche macht ziemlich viel falsch ). Ich will nicht raus aus der katholischen Kirche. Sie ist meine Kirche. Jesus hat keine Kinder getauft, weil das Sozialgefüge des Glaubens bei den Erwachsenen beginnt.  (Aber das wäre ein anderes Thema.)

Wir haben ein reichhaltiges Angebot an Fortbildungen im Bistum Essen. Außerdem gibt es die und die und die und Kirche² und eigentlich habe ich schon genug. Aber wenn es Menschen gäbe, mit denen ich mich in Dortmund im Februar 2018 treffen könnte bei Willocreek, wär ich dabei.

Dorothee Janssen

The Young Pope #imho

4 min read

Eine 9jährige Seele regiert ein Fünftel der Menschheit

Eine Fernsehserie aus Italien/USA von Paolo Sorrentino kann nicht schlecht sein. Held ist Pius XIII., dessen Pontifikat wir von Anfang an miterleben. Jude Law in Weiß (ob im Papstgewand oder im Jogginanzug) ist schön. Wem es nicht auffällt: Es wird oft genug gesagt. Diane Keaton ist mütterlich. Das macht die Rolle der Nonne und persönliche Assistentin des Papstes. Insgesamt kommt die Serie per Netflix und DVD (2017) zu uns. Die erste Staffel ist bereits erhältlich. Eine berühmte Modefirma ist im Abspann genannt, der viel zu schnell durchläuft, als dass man ihn lesen könnte. Produziert wird die Serien von Sky, HBO, Canal+ und Wildside.

Ist das Ganze ein Witz?

Das Interesse des Zuschauers wird durch eine Mischung aus Ironie und Politik bei Laune gehalten. Die katholische Kirche wirkt hier nur als Schauplatz. Die Bilder sind schön wie der Papst. Farben und Bildkomposition sind nicht von dieser Welt. Sie sind gestaltet und unterhalten einen gut, verhindern aber ein allzu persönliches, emotionales Mitgehen.

Da gibt es diese Container aus Holz mit dem Wappen des Vatikanstaates darauf, in denen Sperriges transportiert wird. Zum ersten Mal taucht er auf, als ein Sarg mit einer Leiche in den Vatikan geliefert wird. Zum zweiten Mal holt man die Tiara heraus, die der Papst zurückgekauft hat.

Da gibt es dieses Känguru, das in den vatikanischen Gärten lebt, weil der Papst es so will. Manchmal begegnen sie sich, schauen sich an und er sagt: "Hüpf."

Die Mimik der Schauspieler ist eine Wucht. Es macht einfach Spaß, ihnen beim Trauern, Denken, Zögern, Schmachten ... zuzusehen. Der Staatssekretär, gespielt von Silvio Orlando, ist mein Favorit. Er könnte die Grenzen der Unterhaltung brechen und zu einer vielschichtigen Gestalt werden, wenn nicht auch seine Rolle dem Holzschnittartigen der TV-Serie als Unterhaltungformat unterworfen wäre.

Man lernt nichts. Man wird nur unterhalten. Das Ganze kommt ohne pädagogischen Anspruch daher, der niemandem fehlen dürfte, denn man wird gut unterhalten und erkennt dabei Allzumenschliches wieder. Dieses Dümmliche mancher Comedie geht The Young Pope ab. Ironie als roter Faden bedeutet hier: Man kann nie wissen, wie es gemeint ist, man weiß nur, dass man nicht belehrt wird.

Es gibt einen Schauspieler mit schwerstmehrfacher Behinderung, dessen Rolle vorbildhaft sein kann. Er ist weder Opfer noch Leidender noch Mittel zum Zweck. Seine Persönlichkeit wird nicht mehr geformt durch die Rolle als die anderer Schauspieler. Dass sein Name nicht genannt wird, ist bedauerlich. Mit gutem Willen lässt sich das nachholen. -> Ich werde recherchieren und hier ergänzen.

Rezeption der Serie in unseren Kreisen

Der Gläubige mit Sinn für Humor (anderfalls dürfte es ihm hochkommen) wird auf seine Kosten kommen, denn die Dialoge enthalten Zitierbares in Kalenderspruchlänge. Glücklicherweise geht es nicht darum, den Vatikan darüber zu informieren, was bei ihm los ist und wie er es besser machen kann.

Wo der Blick in unserer Kirche bereits für TV-Serien geschärft ist, gibt es Kritiken. Leider wird die Aufmerksamkeit von der Hütte überschattet. (Ein Kinofilm, den ich nicht empfehlen kann. Anderes Thema)

  • Aimen ist die Abkürzung für eine artifizielle Intelligenz, die im Internet das Wort Gottes im Auftrag Pius XIII. predigt.
  • domradio hatte die Serie beim Filmfestival in Venedig entdeckt.
  • katholisch.de hatte bereits im Oktober 2016 den Regisseur interviewt.
  • Auf hinsehen.net hat Deborah Görl bereits im Oktober 2016 gebloggt.

stilbildend

Man trägt wieder Krone. Eine notwendige Ergänzung zum Kaffeebecher mit dem Aufdruck "hinfallen - Krone richten - weitergehen".

"Kompromiss" wird aus unserem Wortschatz gestrichen. Wir suchen nicht mehr nach zielführenden Kompromissen, sondern nehmen an der Macht des Einen teil. Früher konnte man das in Seilschaften tun, weil alle nach Harmonie strebten. Heute kann es nur noch Einen geben.

Asexualität löst dieses Gender ab. Oder es ist schon passiert.

Wer nicht liebt, ist feige.

Schönheit liegt nur dann im Auge des Betrachters, wenn wir etwas dafür tun.

Hunger ist eine Folge der Sünde.

... to be continued

Dorothee Janssen

Barrierearme Abendmahlsliturgie oder "Wie wir das erste Mal in der Marienkirche waren"

5 min read

Herr A wohnt seit einem Jahr in einem neuen Wohnhein in einer neuen Stadt. Fußläufig ist die katholische Kirche 15 Minuten entfernt, aber es gibt vielbefahrene Straßen mit schnellen Autos. Da niemand die Zeit aufbringt, mit ihm zu üben oder ihn zu begleiten, kann er nicht in die Kirche.

Gründonnerstag 2017 sind wir zum ersten Mal gemeinsam in die Marienkirche gegangen, denn die hat eine Rampe. Die schwere Eichentür kann selbst ich nur mit Mühe öffnen. Aber vor uns ging ein Mann mit Rollator hinein, dessen Begleiterin uns die Tier offenstellte. Dann standen wir vor der Schwingtür. Sehr wenig Raum zwischen Schwingtür und Eichentür. Das würde später beim Rausgehen schwierig werden.

Herr A ist geistig behindert und sitzt im Elektro-Rollstuhl. Er kann ihn zwar steuern, aber es fällt ihm schwer, etwas mitzuteilen. Wenn er Probleme mit der Steuerung hat oder nicht sieht, wo er hinfährt, sagt er das nicht. Das muss seine Umgebung schon selber merken.

Wir suchten uns einen Platz in der Kirche, die groß und weitläufig ist, hoch und mit viel Platz in den Gängen. Der Vorteil: Ein Rollstuhlfahrer muss nicht vorne vor er ersten Reihe oder hinten am Ausgang sitzen. Herr A saß in einem Zwischengang, ohne dass wir beim Kommuniongang den Weg versperrten.

Der Mann mit dem Rollator tauchte im Meßgewand im Altarraum auf. Ein behinderter Diakon. Das ist für Herrn A eine wichtige Erfahrung, die ich zu einem anderen Zeitpunkt gerne mit ihm im Gespräch verdeutlichen möchte. Er ist kein Außenseiter mehr, wenn er Hilfe benötigt. Im Altarraum waren erwachsene Meßdiener an seiner Seite, die offensichtlich nicht dazu abgestellt waren. Man ging einfach aufmerksam miteinander um.

Kirchenvolk und Pfarrteam

Nach dem Einzug ging der Pfarrer erst einmal ans Ambo. Er bat die Gemeinde, sich einen Augenblick zu setzen. Dann erklärte er die Bedeutung des Triduums und bekannte, er sei aufgeregt, denn dies sei sein erstes Osterfest in dieser Gemeinde. Er freue sich, dass sein Team dabei sei und stellte die Geistlichen mit Namen vor.

Die Gemeindemitglieder saßen bis auf wenige Ausnahmen stocksteif da. Wer sich kannte, begrüßte sich, man redete miteinander, aber kaum jemand nahm freundlich Notiz von den anderen. Anders im Altarraum: kleine und große Meßdiener wirkten entspannt und hatten offensichtlich Freude an ihrem Dienst. Die Kleinen waren sicherlich aufgeregter als der Pfarrer, aber alle strahlten in Körperhaltung und Mimik etwas aus, das der Gemeinde fehlte. Hier versteinerte Gesichter, da erwartungsfrohe Gesichter.

Herr A saß einfach in seinem Rollstuhl. er bewegte sich kaum. Aber es ging ihm gut. Er schlief nicht ein (was auch manchmal passiert) oder spielte mit seiner Steuerung rum. Wir kennen keine Gemeindemitglieder. Vielleicht haben wir mal die Möglichkeit, an einer Versammlung teilzunehmen. Dann ergeben sich möglicherweise auch Kontakte.

Lakmustest Kommuniongang

Der Pfarrer hatte angekündigt, es werde aus gutem Grund die Kommunion in beiderlei Gestalt gereicht. In seiner "Heimatgemeinde" bringen die Kommunionhelfer Herrn A die Hostie zum Platz. Ich war gespannt, ob wir nach vorne "gehen" würden und wie die Kommunionhelfer damit umgehen würden.

Es gab 4 Teams von Kommunionhelfern: jeweils 1 Mensch mit Hostienscha le und einer mit Kelch. 2 Teams kamen in den Zwischengang und hatten nun ein wenig Probleme mit dem dicken E-Rolli, denn geprobt hatten sie natürlich ohne dieses Ding. Die Gemeindemitglieder hatten offensichtlich Probleme den Rollstuhl wahrzunehmen, denn sie umrundeten ihn sehr umständlich. Die beiden Kommunionhelfer gingen zu Herrn A und der mit der Hostienschale reichte ihm die Kommunion und stellte sich dann an den Platz, an dem sich bereits eine Reihe von Kommunikanten aufgestellt hatten. Der mit dem Kelch fragte mich, ob ich auch die Kommunion wünsche. Ich bejahte und er sagte seinem Kollegen Bescheid, der noch mal rüberkam. Dann bekam ich den Kelch gereicht. Ich fragte Herrn A, ob er auch den Kelch wünsche und er nickte. Der Kommunionhelfer beugte sich vorsichtig zu ihm, kam dann aber nicht recht weiter, da Herr A überhaupt nicht reagierte. Ich nahm dem Kommunionhelfer den Kelch ab und reichte ihn Herrn A. Dann ging alles normal weiter.

Die beiden Kommunionhelfer waren auch die, die im Altarraum das meiste mit dem Diakon (dem Mann am Rollator) zu tun hatten. Ungewöhnliche Situationen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit und ungewöhnliche Wege der Kommunikation.

This is not the end

Wir mussten direkt nach dem Schlußgebet raus, denn das Wohnheim bietet nach 22 Uhr keinen Service mehr für die Pflege. Das war ganz gut, weil wir bei der Prozession zum Seitenaltar gewiß im Weg gestanden hätten.

Herr A wirkte entspannt und zufrieden. Der Heimweg verlief erwartungsgemäß nicht ganz problemlos, weil wir eine Ampel zu nutzen hatten, deren Grünphase selbst ich nicht schaffe. Herr A braucht Zeit, bis er die Erkenntnis, dass grün ist, in eine Handlung umsetzen kann. Darum mussten 2 Ampelphasen vergehen, bevor wir den Mittelstreifen erreicht hatten. Der Problem am 2. Abschnitt der Straßenüberquerung war ein Auto, dass bei Rot auf uns zufuhr. Ich wedelte wild mit den Armen und wir hatten nochmal Glück. Abgesenkte Bordsteine sind nicht immer so abgesenkt, dass ein entspanntes Fahren möglich ist. Da ist beim Städtebau noch viel Luft nach oben. Andererseits wird sich vieles durch Training und gute Rollstuhlversorgung meistern lassen.

Dorothee Janssen

Palmsonntag 2017 - eine unhaltbare Predigt

4 min read

"Die Gemeinde will das so." Einer der dümmlichsten Sätze unserer Pastoral. Er entstammt einem klugen Satz: "Die Gemeinde versammelt sich am Sonntag zur Heiligen Messe." Das ist, wie es sein soll. Es versammelt sich aber nicht die ganze Gemeinde an einem einzigen Ort. Darüber gäbe es viel nachzudenken.

Wir schleppen manches Allgemeingut mit uns herum. Beispielsweise höre ich immer wieder von Eltern, dass sie bestimmte Dinge für ihre Kinder kaufen, damit sie keine Außenseiter seien. Sie selbst seien nicht dafür, aber so sei es nunmal. Alle machen es so.

Im Kommunionkinderunterricht in den 60igern hörte ich, dass die gleichen Menschen, die Jesus mit Hosianna begrüßten später "Kreuzige ihn!" riefen. Das ist mir dermaßen in die Glieder gefahren, dass ich seitdem kein Hosianna mehr singen kann, ohne daran zu denken. Die Menschenmenge ist ein gefährliches Ding. Sie jubeln und freuen sich und dann lynchen sie. Sie können nichts dafür und waren nur dabei. Der Einzelne als Teil der Masse. Zugehörigkeit und Unverantwortlichkeit. Ein Christ kann sich in der Menge nicht verstecken. Gott sieht mich auch in der Menge. Aber es ist nicht die Angst vor einem strafenden Gott, die mir im Erstkommunionunterricht vermittelt wurde, sondern die Selbstbestimmung. Zu einer Zeit, als das Bejammern der grasierenden Individualisierung die Weiterentwicklung und Veränderung christlicher Gemeinden zu hemmen begann, lehrte man uns, dass Jesus uns liebt. Kein dummer Spruch. Als Kind habe ich verstanden und bis heute behalten, dass Gott mich vorraussetzungslos liebt. Dass ich diese Liebe erwidern soll, habe ich später im Studium erfahren. Wenn die Botschaft glaubwürdig ist, muss man sie nicht bis in die Staubecken ausdeuten. Ich hätte das Studium der Religionspädagogik nicht begonnen, wenn Gott mich nicht lieben würde und ich dies nicht erführe. Gottes Liebe ist ein Grund zum Jubeln.

Geliebt zu werden macht uns stark - zu lieben macht uns mutig, sagt Laotse

Alle standen sie da und begrüßten Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem. Großes Hallo! In der Martinskirche ging das Evangelium, wie viele der langen Texte, an den Zuhörern vorbei. Viele Zusammenhänge und die ganze Dramatik ist fremd. Da muss zu viel erklärt werden, als dass man zum Eigentlichen kommen könnte. Nur Eines wurde gehört:

Die Heilige Woche

Darüber wollten manche hinterher und am nächsten Tag mehr wissen.

  • Wirklich eine ganze Woche?
  • Was passiert da?
  • Wo finden Gottesdienste statt?
  • Kann ich da auch hin?

Aber Menschen mit Behinderung können leider, leider oft nicht an unseren Gottesdiensten teilnehmen. Der Plegedienst hat ein Zeitfenster, das zu den außergwöhnlichen Zeiten nicht paßt. Der Fahrdienst fährt nach 22 Uhr nicht mehr. Die Mitarbeiter auf den Wohngruppen sind leider zur Zeit schlecht besetzt. Die Gemeinde (s.o.) ist mit diesem Problem überfordert. So bleibt abzuwarten, wer in dieser Heiligen Woche die Liturgie mitfeiern wird, die mit ihrer Bildsprachen und der Passion auf Ostern hinführt. Die Auferstehung fanden viele Zuhörer in der Martinskirche unmöglich. Wer stirbt, ist tot. Dass dieser Jesus Menschen auferwecken kann, fanden sie fragwürdig und wollten Erklärungen. Auf diese Weise begann vor 2000 Jahren die junge Kirche. Man gab das Wort vom Evangelium weiter, teilte Brot, sorgte für Kranke und Witwen. Was tun wir heute? 2017. Was ist wirklich dran? Und wie machen wir es am besten?

In dieser Heiligen Woche, die heute beginnt, ist kein Raum für Konzeptentwicklung. Jetzt ist die Zet der Aufmerksamkeit und der Gemeinschaft. Die Passion steht im Mittelpunkt. Wie schön wäre es, wenn alle, die wirklich daran interessiert sind, Wege und Wegbegleiter finden würden.

Dorothee Janssen

Nachdenken über Gemeindepastoral x Konzeptentwicklung

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Ein Esel steht auf einem Weg mit dem Rücken zur Ferne und frißt trockenes Gras.Das Bistum Essen bietet seinen Mitarbeitern Schulungen in Konzeptentwicklung an. Teilnehmen können alle Mitarbeiter, so dass ein fruchtbarer Austausch verschiedener Berufsfelder entsteht. Konzeptentwicklung hilft pastoralen Mitarbeitern, gewohnte Abläufe zu hinterfragen und neu zu ordnen. In Gesprächen zwischen den Lerneinheiten werden Eindrücke und Erfahrungen in formlosen Gesprächen ausgetauscht. Dabei haben sich für mich 3 Aspekte herausgeschält, die die kulturelle Distanz zwischen Konzeptentwicklung und Pastoralplan sichtbar machen. In meinen Ausführungen beziehe ich mich auf eine fiktive Pfarrei, die die Problematik verdeutlichen soll. Ich äußere hier meine Meinung.

Budgetierung der Arbeitszeit

Bei der Projektskizze und in den Vorplanungen muss die Zeit budgetiert werden, die einzelne Teilnehmer, auch Teamleiter, dafür aufwenden werden. Wie budgetiert man pastorale Arbeit?

Ein Mitglied der fiktiven Pfarrei äußert in der Abschlußrunde des Pfarreientwicklungsprozesses, man wisse überhaupt nicht, was pastorale Mitarbeiter den ganzen Tag machten. Hätten wir unsere Arbeitszeit budgetiert, hätten wir ihm sofort antworten können. Aber wie macht man das?

In der Regel gibt es Aufgabenbeschreibungen. Sie werden einmal im Jahr in Mitarbeitergesprächen abgestimmt. Der Pfarrer ist der Vorgesetzte. Der Pfarrer ist Personalchef, Verwaltungschef, Seelsorger und auch sonst alles und außerdem mitten im Umstrukturierungsprozess. Er muss als Person und als Amtsträger bewahren und erneuern. Er hat nur 24 Stunden am Tag. Er tut, was er kann. Er kann nicht jeder Mode nachlaufen und wird vermutlich nicht begeistert sein, wenn ich ihm vorschlage, dass wir mal im Team gemeinsam unsere Arbeit in Budgetform darstellen. Einen Versuch ist es wert.

Der Öffentlichkeit sind wir pastoralen Mitarbeiter eine Antwort schuldig.

Auftraggeber

In einer Pfarrei ist naturgemäß der Pfarrer der Auftraggeber. In der Pastoral ist es aber so, dass kein pastoraler Mitarbieter seine Arbeit allein auf die Pfarrei beschränkt. Der Pfarrer weiß, dass seine Mitarbeiter im Sinne des barmherzigen Samariters auch schonmal am Wegesrand stehenbleiben. Er vertraut seinen Mitarbeitern und überprüft darum nicht jeden Schritt. Aber das Ergebnis schmeckt ihm nicht immer. Der Pfarrer trägt die Verantwortung, aber fachlich ist sein Mitarbeiter kompetenter als er. Trotzdem muss er ihm Einhalt gebieten. Er muss auf Überforderung reagieren, aber seine eigene Überforderung kann innerhalb des Pastoralteams nicht thematisiert werden. Er selber ist wiederum einem anderen "Auftraggeber" zugeordnet.

Die Begriffe der Projektentwicklung lassen sich nicht auf Begriffe der Pastoral übertragen. Es bleiben Unschärfen  und Unverträglichkeiten. Wenn das, was in der einschlägigen Literatur vertieft und gelehrt wird, in der Pastoral umgesetzt werden soll, muss jeder im Pastoralteam die Eckpunkte verstanden haben. Aber wer weiß schon, was smarte Ziele sind?

Ein Pfarrer, der die Werkzeuge der Projektentwicklung kennenlernt, kann diese für sein Team nutzbar machen (sowohl für Ehren- als auch für Hauptamtliche).

Transparenz

Mit einer Projektskizze werden Abläufe, Ziele, Beteiligungen und Kosten eines Projektes transparent. Das ist nicht immer im Sinne ... öm ... dessen, was wir in einer Pfarrei gewohnt sind. Wer sich nicht auf dem Feld der Projektentwicklung bewegt, wird nicht verstehen, warum er nicht wie bisher auf kurzem Wege mit dem Pfarrer eine Sache verhandelt. (Beispiel: Wir brauchen neue Stühle im Pfarrsaal. -> Wir haben eine Angebot. Kaufen! -> Wir haben ein Projekt "Pfarrsaalgestaltung". Laßt uns erst mal gucken, was da bereits beraten worden ist.)

Wieviel gibt eine Gemeindereferentin eigentlich für ihre Arbeit aus? Was kostet sie die Verwaltung? Bis jetzt sind wir gewohnt, unsere Rechnung auf den Tisch des Pfarrbüros zu legen. Manchmal gibt es Rückfragen. Manchmal wird entschieden, dass für "diese Sache" nichts mehr ausgegeben wird. Wenn es für "diese Sache" aber eine Planung gibt mit Zeit und Geld und Personal und Absprachen und Klärungen und Öffentlichkeitsarbeit, ist das Budget (s. Budget) nachvollziehbar. Das bedeutet für mich viel Arbeit im Vorfeld und mehr Klarheit im Vorgang.

Ehrenamt und Hauptamt

Im Bistum Essen wird vom neuen Ehrenamt gesprochen. Es ist nicht mehr so, dass der Pfarrer sonntags von der Kanzel herab erklärt, was zu tun ist. Viel geschieht in einer Gemeinde, ohne dass das Pastoralteam davon wüsste. Nicht alles ist messbar. Nicht alles ist kontrollierbar.

Hauptamtliche werden mit den Mitteln der Personalentwicklung vom Arbeitgeber begleitet und gefördert. Der Auftrageber/Pfarrer weiß dadrum. Er weiß, wie sein Team in der Pastoral tätig sein kann, weiß aber auch, welche Aufgaben grad liegenbleiben oder nur mit halber Kraft getan werden können.

Ehrenamtliche sind ein weites Feld, weil es so viele Menschen gibt. Es gibt viel mehr potentielle Ehrenamtliche in einer Gemeinde, als unsere Schulweisheit sich träumen läßt, aber sie lassen sich nicht mehr rekrutieren. Das finde ich spannend und freu mich, dass wir im Bistum Essen mit der Rede vom neuen Ehrenamt dies im Blick haben. Wie genau Ehrenamtliche und Hauptamtliche mit den Mitteln der Projektentwicklung arbeiten können, kann nur verhandelt werden, wenn allen Beteiligten klar ist, was damit gemeint ist.

Dorothee Janssen

5. Sonntag in der Fastenzeit - eine unhaltbare Predigt

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Jesus holt seinen toten Freund aus dem Grab. Wir haben das Evangelium des heutigen Sonntags am vergangenen Donnerstag beim Abendgebet in der Martinskirche in Volmarstein gehört. Die Reaktion war lebendig, ganz anders als in der Regelkirche. Sie können den Text online in leichter Sprache lesen.

Das Staunen

In unseren Regelkirchen geht uns das Staunen verloren. Wir kennen die Texte. Der ganze Gottesdienst wirkt so, als erwarte niemand wirklich was.

In der Martinskirche muss man als Lektorin mit allem rechnen. Der Text des Johannesevangeliums ist Theologie, aber er kommt erzählerisch daher und wird als solcher verstanden.

Wie geht das?

Die Zuhörer heute und die Zeugen damals staunen mit ganzer Seele. Wenn wir lange genug Zeit haben, merken wir, dass wir selber eine Hoffnung mit diesem Staunen verbinden. Ginge das auch bei uns? Keiner der Zuhörer in der Martinskirche hat gefragt, ob das nicht ekelig sei oder ob das sein müsse, weil Lazarus dann ja ein zweites Mal sterben müsse. Das sind die Fragen, die normale Menschen sich stellen.

Was wird aus unserem Staunen?

Wie geht es jetzt weiter?

Mit Walter Rupp könnte das Evangelium nach der Auferweckung des Lazarus so weitergehen: Der Lazarus wird wieder in seinen Posten im Kirchenvorstand eingesetzt, er kümmert sich wieder um alles, die Gemeinde ist erleichtert. Natürlich sind wir so bigott nicht, sondern feiern erst einmal ein Fest und freuen uns.

Bei Johannes ist das Evangelium in die freundschaftliche Beziehung der Geschwister Lazarus, Martha und Maria und Jesus eingebettet. Da hätte man erwarten können, dass Jesus den Lazarus in die Arme nimmt und sich freut und so weiter. Aber diese Szene erspart Johannes uns. Hier geht es um Theologie. Im Evangelium in leichter Sprache heißt es:

Jesus sprach:

Tut alle Sachen weg.

Und dann lasst Lazarus in Ruhe weggehen.

Ich höre die Prediger erleichtert aufatmen. Über sowas kann man reden: Legt die Binden des Todes ab, werdet lebendige Menschen. Predigtprosa. Theologie, die verständlich ist. Im Gottesdienst in der Martinskirche ist die Frage: "Was sagt Lazarus?" Meine Antwort darauf: "Lasst den erstmal in Ruhe. Ihr könnt euch ja vorstellen, was das für ihn für eine unglaubliche Sache war. Das muss er erstmal verdauen." Von Lazarus wird in dem Moment gar nichts erwartet. Aber die Menschen drumherum sollen die Sachen wegräumen.

Hier fehlen die konkreten Handlungsanweisungen

/Genöhle*/ Nach so einer unglaublichen Geschichte hätte man von Jesus ein paar erläuternde Worte erwarten können. Eine ausdeutende Predigt. Irgendwie sowas. /*Genöhle Ende/

An welcher Stelle der Kirchengeschichte ist uns der Sinn für diese Perikopen abhanden gekommen?

Wir und der Tod und das Leben - Ein Blick in das neueröffnete Hospiz in Witten

In zentraler Lage wurde am 31. März 2017 unter reger Beteiligung der Bevölkerung ein Hospiz eröffnet.

 

 

Alle, alle sind sie gekommen und da ich nicht heimisch in Witten bin, kann ich mich in Ruhe umsehen, denn niemand spricht mich an ihm Gewühle und auch ich finde niemanden zum Begrüßen. Zwei Schwestern aus dem nahen Karmelitinnenkloser sind gekommen. Sie sind beeindruckt. Wir plaudern ein bisschen. Eine Öffnetlichkeitsarbeiterin einer Komplexeinrichtung für Menschen mit Behinderung ist privat vor Ort. Wir tauschen Höflichkeiten aus. Sie äußert, was mir auch anderswo zu Ohren kam: Dies ist das erste Hospiz in dieser Gegend und wird darum als ein neues Zentrum der Hospizarbeit gesehen. Der Laie staunt (denn ihm fallen Bochum, Gevelsberg und Dortmund spontan ein; da sind auch Twitteraccounts diverser Hospize) und der Fachmann findet es auch, denn dieses Hospiz ist architektonisch und organisatorisch top.

 

Das steckt Musik Politik und Geld drin. Aber es geht ginge uns Christen bei Licht besehen um den Übergang ins Leben. Wer bleibt, muss Abschied nehmen. Wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben. Das klingt deshalb fromm, weil wir in Deutschland nach Reformation und Aufklärung gerne das sagen, was sich nachweisen lässt. Darum ist das vorzeigbare Hospiz in Witten ausgestattet mit Zimmern nach dem neuesten Stand der Pflegwissenschaften und an Hygiene besteht kein Zweifel. Aber eine Philosophie oder gar christliche Haltung ist momentan nicht spürbar. Aus Leitlinien und Qualitätsmanagement kann man sowas auch nicht rekurieren. Leben kann nur gelebt werden. Man kann darüber nachdenken, es planen, analysieren, in Frage stellen, aber gelebt werden muss es und das bleibt ungewiss mit einem mehr als großen Rest an Unberechenbarkeit.

Bei der Eröffnungsfeier gab es reservierte Plätze. Es gab zu Beginn der Feierlichkeit keinen Platz mehr im Hospiz. Man hatte vorgesorgt und Übertragungsbildschirme in den Fluren rund um das Atrium/den Innenhof aufgestellt. Aber auch das reichte nicht. Auf dem großen Vorplatz, der mit einer Mauer von der Hauptstraße getrennt ist, saßen und standen viele Menschen. Man ging hin und her, sprach miteinander, wartete, suchte noch einen Weg hinein, hörte manchmal der Musik oder einem Redner zu. Es war alles nett und ruhig. Es gab Brautwurst und Currywurst und Getränke aus Plastikbechern. Das Wetter war Teil des heißersten Märzes seit Aufzeichnung der Wetterdaten. Da die Homepage des Hospizes nicht aussagekräftig ist (es gibt Flyer des Fördervereins), verlinke ich sie nicht.

Schönen Sonntag noch