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Vom linken Niederrhein ins Ruhrbistum
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Dorothee Janssen

Warum ich keine Geocacherin mehr bin

6 min read

Das Rumstreunern in der Gegend, das Schlendern durch die Stadt, sowas macht mir Spaß. Warum also nicht auch Geocachen. Irgendwann stieß ich auf diese Form der Freizeitbeschäftigung und dachte, dass passe zu mir. Es ist ganz leicht, sich auf einer Plattform zu registrieren. Das Finden der Dosen war schon schwieriger. Aber ich lernte im Laufe der Zeit immer mehr dazu. Und ich kam an Orte, die mir sonst engangen wären.

Dann kam der Tag, an dem ich der Gemeinschaft etwas zurückgeben wollte und legte eine eigene Dose. Wie bei den anderen Dosen gesehen, packte ich das Ganze in eine Geschichte, wählte den Ort, ließ ihn prüfen, guckte nach den Eigenschaften, so dass jeder Geocacher sofort sehen würde, was für eine Art Cache das ist und mit welchen Schwierigkeiten er rechnen müsste.

Spielverderberin

Das erste Problem ergab sich durch Öffnungszeiten. Es gibt die Möglichkeit, mit Symbolen zu zeigen, wie der Cache beschaffen ist. Dazu gehört auch das Symbol der Öffnungszeiten. Aber das kriegten sogar einige der alten Hasen nicht hin. Also wies ich in der Beschreibung (dem Listing) extra darauf hin. Es gab einen zusätzlichen Link und einen Hint. Klappte trotzdem nicht. Ein neues Problem tat sich auf:

Darf man einen Cache in einer Kirche verstecken ?

Da kann man ja formulieren wie man will, wenn sich der Mensch erst einmal auf ein Problem eingschossen hat, lässt er davon nicht mehr los. Der Cache war im Vorraum einer Kirche. Aber das war offensichtlich schwer auseinander zu halten. Was ist der Vorraum? Was ist die Kirche? Das Problem bleibt. Schließlich gab ich nach und versteckte den Cache im Umfeld.

Der Cacheklau

Es war wirklich frustrierend: Die Dose kam an allen Orten weg. Natürlich wussten auch da wieder einige besonders Schlaue, dass ich es besser machen muss. Was soll 's. Ich hab den Cache zur Adoption freigegeben. Da ist er: https://www.geocaching.com/geocache/GC7GBEF_gerwins-engelbox-update

Community

Gemeinschaft

Zu den nachhaltigsten Erfahrung des Gecachens gehört die Gemeinschaft. An meinem Cache wurde nicht nur rumgenörgelt. Manche freuten sich über den Fund und bedankten sich fürs Legen und Pflegen. Manche schrieben mir direkt, um mir beim Lösen der Probleme zu helfen. Und diese Cachertreffen sind was ganz Besonderes. Es ist unkompliziert, die Anmeldung läuft über die Seite der Community, man erhält alle Informationen und spricht sich ab. Man gibt Tipps, fragt, zeigt Coins und spricht miteinander auch über ganz andere Dinge. Auf unerklärliche Weise gehört man zusammen. Diese Erfahrung konnte ich mit Opencaching machen. Auch dort gibt es verschiedene Typen vom Vollblutcacher mit Cachemobil bis zum zufälligen Gelegenheitscacher. Es gibt kein Gefälle in der Würde. Natürlich hat jemand mit viel Erfahrung auch mehr Ahnung und kann anderen helfen. Und jemand mit ohne Erfahrung wird nicht ein Cachertreffen organisieren. Bei diesen Treffen kommen keine Ausgrenzungen vor. Warum soll man auch jemanden ausgrenzen? Jeder, der nach Dosen sucht, ist ein Cacher.

Zeit

Aber man muss Zeit investieren. Und man muss auch mal nachgucken, wenn man einen Cache gelegt hat, ob der noch in Ordnung ist. Je öfter man nach Dosen sucht, um so schwierigere Aufgaben kann man lösen. Besonders schön ist es, wenn man sich ganz zufällig trifft, auf dem Weg zur Dose, unbekannte Menschen mit dem Blick auf ihr GPS-Gerät oder aufs Smartphone. Ob der da hinten vielleicht auch das Versteck sucht? Irgendwann merkt man, dass der Andere auch schon überlegt, einen anzusprechen. Wirklich klasse, wen man da so alles kennenlernt. Gemeinsam schafft man Aufgaben, die alleine kaum zu bewältigen wären. Der fremde Cacher gibt mir den entscheidenden Tipp. Und wenn es grad hinkommt, gehen wir gemeinsam noch einen Kaffee trinken.

Probleme

Probleme werden auch in der Community gelöst. Zum Beispiel die Sache mit dem Naturschutz. Sicher gibt es auch unter Geocachern Trampeltiere. Das bleibt nicht aus. Manches Versteck findet man über einen unerklärlich ausgetretenen Pfad in ansonsten beinah unberührter Natur. Schlimmer noch, wenn Weidezäune umgenietet werden. So Sachen gibt es. Aber in der Regel ist das Vorhandensein eines Naturschutzgebietes im Listing vermerkt. Sollte das nicht so sein, wird schnell ein anderer Cacher darauf aufmerksam und weist darauf hin. Man trägt es nach und die Sache ist geritzt. Geocacher pflegen Kontakte zu Förstern und Jägern. So ist ein altes Dauerproblem gelöst worden.

Streunen und Schlendern

Den Account kann man nicht so leicht löschen. Ich habe erstmal meine Dose zur Adoption freigegeben und lasse meine Aktivitäten ruhen.

Jetzt schlender ich wieder ziellos durch die Stadt, entdecke Cafes und Kulturorte, Graffitis, komme mit Menschen im Zug ins Gespräch. So Sachen eben. Dosen suche ich nicht mehr und teures Equipment brauche ich dazu nicht. Ich sehe nur noch das, was vorhanden ist, bin nicht mehr Teil einer Spielgemeinschaft. Es gibt keine Regeln mehr für das Entdecken und das Legen. Trotzdem hinterlasse ich Spuren. Manchmal hebe ich Müll auf und werfe ihn in die nächste Tonne. Oder ich kleb was https://godnews.de/ irgendwohin. Das Elend mancher Menschen macht mich traurig. Die Großzügigkeit mancher Menschen macht mich froh.

Es ist gut, dass die Erfahrung des Geocachens zu meiner Lebenserfahrung gehört. Suchen, Entdecken, miteinander-verbunden-sein sind wertvolle Erfahrungen für mich. Aber die kann ich besser leben ohne Geocaching. Letztlich war das Kommerzielle und das Fanatische daran Grund genug zu gehen. Meine Lebensenergie will ich nicht mehr als nötig an Dummheit verplempern. Wenn es eine Gemeinschaft gibt, die so groß ist wie das Geocaching und die es schafft, den Anlaß ihrer Gründung wach zu halten, ohne dass Organisation, Verwaltung und Kommerz die Wahrnehmung verwischen, wäre ich gerne dabei. Bis dahin streune ich durch die Gegend. Und wenn es diese Gemeinschaft gibt, werde ich mit Sicherheit darauf stoßen.

Vielleicht haben Sie es gemerkt: Man kann den ganzen Text ziemlich gut auf Kirche übertragen.

 

Dorothee Janssen

Seelsorge zwischen Jericho und Jerusalem

2 min read

Immer bin ich mit Bus & Bahn unterwegs. Kollegen finden das zeitraubend. Aber ich lese, was sie auf der Autofahrt nicht lesen können. Und man sieht mich. Mich spricht man an. Das bringt mich tatsächlich in Bedrängnis. Denn meist bin ich erschöpft (und freue ich auf Zuhause) oder auf dem Weg zu einem Termin. Was soll ich da mit dem Bettler oder mit dem Jugendlichen, der sich die Firmtermine nicht merken kann, oder mit dem Gemeindemitglied, dass sich über irgendwas echauffiert?

Auf dem Weg zum Dienst kamen einst Hauptamtliche an einem Verletzten vorbei. Aber sie hatten keine Zeit. Zum Glück kam einer vorbei, der nicht auf dem Weg in den Tempel (zur Kirche, zur Sitzung, ...) war. Der konnte sich dem Verletzten zuwenden. Und das würde auch ich gerne mehr tun. Denn auf dem Weg zum Dienst und sonstwie unterwegs bin ich in einer ungeplanten Situation, in der viel möglich ist. Das macht mir Freude. Nur der Sitzungskatholizismus macht Druck (Sie kennen das: Sitzung, Protokoll, Sitzung, Protokoll, ... derweil werden wir weniger und wundern uns darüber).

Zwischen Jericho und Jerusalem ist Wüste.

Es geht bergauf.

Grund genug, sich das mal genauer anzugucken.

Citypastoral gibt es bereits. Mir schwebt sowas wie ÖPNV-Pastoral vor.

---

http://www.kamp-erfurt.de/de/archiv/nachrichtenarchiv/2015/01-passagere-pastoral.html

Dorothee Janssen

Jean Vanier ist tot.
Er gründete mit Freunden die .
Papst Franziskus sagte auf seiner Pastoralreise, er habe letzte Woche noch mit Jean Vanier telefoniert. Man kennt sich. Wäre gut, wenn mehr Menschen die Geschichte kennenlernten, die Jean Vanier angestoßen hat: https://www.arche-deutschland.de/

https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-05/papst-franziskus-jean-vanier-fliegende-pressekonferenz.html

Dorothee Janssen

Nicht dazu passen

1 min read

Als ich vor langer Zeit von der Realschule auf das Gymnasium wechselte, um das Abitur machen zu können, um studieren zu können, war eine der ersten Lektüren Brave New World. Der Autor Aldous Huxley ist als fortschrittskritisch bekannt und der Roman populär in unserer Zeit, weil es diesen "großen Bruder" gibt, der alles überwacht. Er spielt in einer überwachten Gesellschaft und ist auch verfilmt worden. Damals begegnete mir zum ersten Mal dieses "not fitting in" als etwas Besonders und nicht als etwas, das überwunden werden muss. Der Held ist nicht maßstabsgerecht gewachsen. Das macht ihn zu einem kritischen Menschen.

Wer nicht passt, ist eher bereit, sich kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was allen anderen passt.

Wer nicht in der Lage ist, Anpassungsleistungen zu erbringen, ist eher bereit, neue Wege und Formen zu suchen, zu finden und zu entwickeln.

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https://www.britannica.com/topic/Brave-New-World

https://jonnybaker.blogs.com/jonnybaker/2008/11/the-gift-of-not.html

Dorothee Janssen

Soulbuilding - Aber auch das Individuum ist sich selbst nicht ohne Grenze

3 min read

In dieser Woche wurde der Vater eines Autisten beerdigt. Der Autist freute sich, so viele Familienmitglieder zu treffen. Er begrüßte jeden Anwesenden mit Begeisterung. Sein Vater war ein Stadtbekannter, ein Straßenbildprägender. Vor Jahren noch mit der Pulle in der Hand, gewöhnte er sich den Alkohol ab. Während einer Kniebehandlung ließ er auch das Rauchen sein. Dabei half ihm der Herr Jesus, den er in einer freikirchlichen Gemeinde fand. Er war durch alle Gemeinden am Ort gepilgert. Bei den Freikirchlern war er geblieben. Er besuchte zwei Kreise. In einem wurde gebetet, in dem anderen die Bibel studiert. Er selber kam aus einfachen Verhältnissen.

Männerarme schauen aus Jeansärmeln. Die Hände halten unsicher eine Bibel.

Photo by Andrew Worley on Unsplash

Einfache Verhältnisse ?

In unseren Gemeinden ist der Geistliche der Leiter und damit auch der Verantwortliche und damit auch der Einzige, der Bescheid weiß. In unserer Gemeinde sprechen wir selten über unseren Glauben. Wenn wir es tun, überlassen wir dem Geistlichen das letzte Wort. Daran würde niemand in der Gemeinde etwas Schlechtes finden. Leider gibt es nur wenig Gemeindemitglieder, die ihren Glauben in Worte fassen können. Viele Menschen leiden an der Kirchenkrise, manche treten aus, manche entscheiden sich nicht. Was wir glauben, ist ein Rätsel.

Das sehen auch die Verantwortlichen im Bistum Essen so und wollen ein Sprechen über den Glauben initiieren. So schwer kann das nicht sein. https://glaube-einfach.de Es soll beginnen mit dem einfachen Formulieren schwieriger Begriffe. Einige Wörter haben wir schon und wenn Sie wollen, können Sie Wörter hinzufügen. Der Vater des Autisten hat nicht lange gefackelt. Er hat sich seine Gedanken gemacht und auch in Worte gefasst, manchmal sehr emotional, manchmal sehr leise. Er hatte Schmerzen am Schluß seines Lebens als der Krebs ausbrach. Jetzt ist er getröstet, sagt der freikirchliche Pastor. Und wir glauben das.

Unausgeleuchtete Glaubenswege

Glaubenshilfe ist Lebenshilfe, hieß es vor einigen Jahrzehnten. Wir hielten das damals für fortschrittlich, weil Leben und Glauben nicht mehr getrennt stattfinden sollten. Leider wurde daraus eine Bewegung professioneller Glaubenslehrender, die weit über die Kreise der Geistlichen hinausgeht und Recht hat. Alle sind wir ausgebildet, alle wissen wir, was wir tun. Trotzdem kommen die Erstkommunionkinder nach der Erstkommunion nicht mehr in die Kirche (und vorher auch immer seltener). Was machen wir falsch?

Glaubenswege finden sich nicht auf Landkarten. Sie sind wie der Lebensweg des Abraham oder des Jona oder der Maria Magdalena. Warum wollen wir alle Oasen kennen, bevor wir sie erreichen? Warum wollen wir eine Erfolgsgarantie? Davon ist im Evangelium keine Rede. Der Vater des Autisten, dem wir die letzte Ehre erwiesen, war theologisch unbelastet. Ihm war auch nicht nach Sicherheit. Ihm war schon klar, dass es im Leben auf der Erde keine Erlösung geben kann. Geld macht nicht glücklich und Gesundheit ist nicht das Allerwichtigste. Aber er wollte wissen, was das Allerwichtigste ist. Er suchte den Schatz im Acker. Er ist mein Held.

Dorothee Janssen

Wir können das - Verantwortung in Zeiten der Individualisierung

1 min read

Nur ein Beispiel:

Ein Mensch stirbt. Die Familie und die Freunde haben nicht viel Erfahrung mit dem Tod. Es ist auch nicht so, dass sie nicht an Gott glauben würden, aber einen Menschen der Kirche sprechen sie nicht an. Die Pfarrer haben doch sowieso keine Zeit, heißt es. Schließlich beauftragen sie einen Bestatter. Der erklärt ihnen, was er machen kann. "Ist das hier eine Verkaufsveranstaltung?", fragt man erschüttert.

Vielleicht fehlte an der Stelle doch ein Seelsorger (oder eine Seelsorgerin)? Die nicht unaufgeklärte Familie findet die katholische Kirche rückständig, kommt aber nicht auf die Idee, dass es mehr als Geistliche unter den Seelsorgenden gibt. Da steckt man irgendwie fest. Schließlich muss aber was geschehen. Zwei nehmen das Heft in die Hand. Sie bereiten Lieder und Texte vor und bauen auch das Vaterunser mit ein. Die Sonne scheint. Man ist am Ende mit dem Verlauf zufrieden. Es geht also auch ohne Kirche.

Blick in einen Frühlingswald, fast ganz ohne Blätter und Unterholz. Es ist ein Verschlag zu sehen. Oder ist es eine Hütte. Die Sonne scheint.

Im Rahmen des Möglichen hat jeder alles richtig gemacht.

  • der Sterbende
  • die Familie
  • die Freunde
  • die Kirche
  • die Gemeinde
  • das Krankenhaus
  • das Hospiz
  • der Bestatter

Irgendwas stimmt trotzdem nicht.

Dorothee Janssen

Startnext - spenden für Ideen

1 min read

Dieses Goldagengardenhörspiel war ja leider erfolgreich (das heißt, das Fundingziel wurde erreicht), aber bis heute gibt es das Produkt nicht. Die Korrespodenz mit dem Marco Göllner (der Mann hat wirklich Nerven) und den Menschen von Startnext lief so unbefriedigend, dass ich mich eine Zeitlang da rausgehalten habe.

Aber hierfür hab ich Geld:

Projekt unterstützen

"Jeder Mensch hat ein Recht darauf, sich zu waschen. Doch leider hat nicht jeder Mensch die Chance dazu. Obdachlose können es sich nicht leisten. Deshalb arbeiten wir an einer mobilen Lösung für dieses Problem: dem GoBanyo Duschbus."

Dorothee Janssen

Psalm 119, die Digitalisierung und das Christsein

3 min read

das Gesetz

Seit Beginn des Jahres beschäftige ich mich mit Psalm 119. Den ersten Abschnitt kann ich fast auswendig. Das ist gar nicht so einfach, weil er auf den ersten Blick meinem Freiheitsdrang widerspricht und auf den zweiten Blick auch noch um das Thema Gesetz kreist. Aber das Meditieren des Abschnittes A hat mich dem Verständnis des Gesetzes näher gebracht. Das Gesetz kommt von Gott. Es hilft dem Menschen, der es befolgt. Was genau das Gesetz ist, muss ich noch ergründen. Auch will ich hier gar nicht weiter auf Inhalte eingehen, aber ermutigen möchte ich schon, es selbst einmal mit diesem Psalm zu versuchen.

die Ordnung

Der erste Abschnitt (die Abschnitte bestehen aus 8 Versen und die sind nach dem hebräischen Alphabet benannt; ich nenne den ersten Abschnitt der Lesbarkeit halber A) bricht in meine derzeitige berufliche Situation, in der ich einerseits Forderungen genügen muss und andererseits die "Zeugnisse" (ein Begriff in Vers 2 des Psalmes) vermitteln soll. Das Vermitteln fällt schwer, wenn ich dauernd danach gucken muss, ob ich allen Erwartungen gerecht werde. Der Psalm fordert von mir, nach den Befehlen des Gesetzes zu gehen. Dieses Gehen ist wichtig und die Befehle sind wichtig. Gott hat seine Befehle gegeben, damit man sie genau beachtet (wieder ein Zitat aus dem Psalm).

das Aneignen

Verschiedene Übertragungen des Psalms in unsere Sprache helfen mir, dem Sinn der Worte näher zu kommen. Das Gesetz wird zu einer Erleichterung für mein Leben. Die Weisungen kommen von Gott. Ich gehe täglich meine Wege in dem Bewusstsein, dass Gott mit mir geht. Ich gehe nicht gerne, wenn mir etwas befohlen wird, von dem ich nicht erkennen kann, wie es mit dem Gesetz (von dem ich noch nicht sicher bin, was es genau in Worten besagt; es ist das Gesetz von Gott, eine Weisung für meinen Weg) zusammenhängt. Man erwartet von mir dies und das und ist enttäuscht, wenn ich nicht spure. Aber ich setze mich hin und versuche ruhig zu werden. Ich will Gottes Stimme hören und verstehen, was die Weisung besagt.

Wohin soll ich gehen?

Werde ich es schaffen?

Ist das hier jetzt der Weg, den Gott meinte?

das Umkehren

Ich bin selbstkritisch. Es soll kein Weg sein, der mich zu einem Frömmler macht. Aber geistlich soll mein Leben sein. Es reicht mir nicht, mein berufliches Handeln konzeptionell begründen zu können. Das haben wir gelernt, das können wir. Ich finde auf alles eine Antwort. Aber wenn es nicht von Gott kommt, ist es ungut.

Manches scheint notwendig: Der sonntägliche Kirchgang, das Beten, das Freundlich-Sein, die Werke der Barmherzigkeit, das Erfüllen von Pflicht.

Manches scheint fragwürdig: Die sozialen Medien, die Digitalisierung, der Zölibat, das Machtgefälle.

In dieser vorösterlichen Bußzeit will ich versuchen, die Befehle Gottes zu verstehen und sicher auf den Wegen zu gehen, die dem Gesetz Gottes entsprechen.

Dorothee Janssen

Hirtenbrief zur Bußzeit 2019 aus Limburg

1 min read

Meiner Meinung nach sollte jeder Mensch selber lesen. Wir können das. Die Hirtenworte und Neujahrsbotschaften des Jahres 2019 treffen auf offene Herzen oder verschreckte Hardliner oder verpuffen. In allen Botschaften steckt Inhalt. Es ist wunderbar, dass wir von Jahr zu Jahr eine Veränderung der Texte aus den Bischofshäusern beobachten können.

Nun auch hier der Link zum Hirtenwort des Bischofs von Limburg: https://bistumlimburg.de/beitrag/zeit-der-entscheidung/

Er trägt die Überschrift "Zeit der Entscheidung". Inhaltlich fordert er Entscheidungen, ohne den Zuhörenden das Schwert an die Kehle zu legen. Er macht deutlich, dass wir viele Probleme in unseren Pfarreien nur vor uns hinschieben. Eine Entscheidung muss Mass nehmen an Jesus Christus. Das kann ungemütlich werden.

Aber lesen Sie selbst.

Dorothee Janssen

"Mach mal langsam" und eine Empfehlung für den Psalm 119

6 min read

Ohne Geld geht gar nichts. Und ohne Macht auch nicht. Sagen manche. Sie sind sehr überzeugt. Letztens saß ich noch mit einem alten Bekannten am Tisch, der mittlerweile einen eigenen Betrieb hat und etliche Freelancer beschäftigt, die von unbekannten Orten aus ihre Arbeit machen. Er ist begeistert. Manche von ihnen verdienen 1000 € am Tag. Wir reden. Es ist kaum möglich, die anderen Buzzwörter einzubringen, ohne wie ein Spielverderber da zu stehen. Was ist mit dem Weltklima, wenn diese Freelancer in der Weltgeschichte herumreisen nur weil sie es können? Was ist mit den Abgehängten und den Flüchtlingen? Was ist mit Gesundheit und Ernährung? Wo wird es hin führen, wenn wir diese Lebensweise zum Maß unserer Karrieren machen?

Angestellte

Mein Arbeitgeber macht grad eine heftige Umstrukturierung mit. Die wäre kaum möglich, wenn der Laden nicht vor die Wand gefahren wäre und sich ständig tiefer rein bohrte. Aber der Laden ist schon nicht mehr das, als was er gilt. Ich bin nur Angestellte. Aber die Leitungsetage sagt:

Machen Sie uns Vorschläge, unterbreiten Sie Ihre Ideen, wir sind bereit, Risiken einzugehen.

Es bleibt das Tagesgeschäft, das darin besteht, sich tiefer in Misere zu bohren. Beispielsweise wenn es uns nicht gelingt, den Anschein von Dienstleistern abzulegen. Es ist eine Herausforderung, dass Christen im Beruf nicht bessere Christen sind als Laien. Wir Berufstätigen sind nicht besser in der Sache als alle anderen. Aber wir stecken zur Zeit sehr in diesen Strukturen, die uns einen Ort zuweisen und dementsprechend Dinge von uns erwarten, die wir im Grunde nicht leisten können oder die jeder andere Mensch leisten könnte oder die Christen generell leisten können. Es scheinen diese Strukturen so selbstverständlich richtig, dass wir uns kaum vorstellen können, dass christliche Ideale darin Platz haben.

Von Zeit zu Zeit wechseln wir unsere Arbeitsplätze, weil wir mit dem KnowHow und den Erfahrungen im Hintergrund an anderen Arbeitsplätzen mehr bewirken können. Dann sind wir die neuen Besen.

Ich werde nie viel Geld verdienen und brauche das auch gar nicht. Meine Ziele sind mit meinem Glauben an Gott verknüpft und dieser ist mit meinem Arbeitgeber verknüpft. Darum habe ich Zeit. Und ich habe Geduld. Geduld darf nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden. Ich lerne und lese. Uns fehlt in unserem Betrieb noch das Neue. Uns fehlen die Einflüsse der agilen Arbeit, des modernen Arbeitsmarktes und der neuen, neu gestalteten Prozesse. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die Caritas im Bistum Essen, die mit ihrer Direktorin neue Wege beschreitet.

Focussieren

Mein Blick ist auf ein Ziel gerichtet. Ich gehöre zu den Kollegen und Kolleginnen, die sich für Inklusion (Menschen mit Behinderung) und Digitalisierung engagieren. Wir nutzen moderne Technik und sind nicht einer Meinung. Wir treffen uns auf Tagungen und am Telefon.

Wir beten gemeinsam. Seltener in der Kirche einer Gemeinde, weil die sich immer noch in die Wand bohrt. Ich bin lieber in Formaten, die wir ebenso wie unsere "Kundschaft" mit technischen Mitteln bedienen können. Es ist ein Prozess. Vieles ist in Veränderung. Wir machen Fehler. Seit wir im Bistum Essen den Zukunftsbildprozess beschreiten, dürfen wir ganz offiziell Fehler machen. Das bedeutet nicht, dass wir vor uns hin dilletieren. Es ist nicht so wie bei dem oben genannten Bekannten, der meint, man müsse etwas beginnen und wieder fallen lassen können. Mal hier mal da und schnell. Mit der Methode erreicht man was. Aber wir in der Kirche können das nicht. Wir sind mutiger, seit wir der Krise ins Auge sehen. Wir rütteln und wagen. Aber wir machen nicht schnell, weil unser Blick bei allen Menschen ist. Wir dürfen keinen verlieren.

Pastoral der flachen Hierarchien

Mein Focus ist auf die Menschen und deren Beziehungen in unserer Kirche gerichtet. Beispielsweise auf die alte Dame, die mit ihrem Smartphone Fotos während des Weltgebetstages macht. Sie hat ein Problem mit dem Licht und lässt mich auf den Bildschirm schauen. Ich probiere etwas aus und sie lernt dabi. Sie sagt, sie besuche einen Techniktreff für Senioren. So geht das. Menschen kommen mit ihrem Wissen. Die Einen sind Hausfrauen, die anderen sind Theologen, wieder andere sind alleinerziehende Mütter oder überforderte Karrieristen. Wir alle bilden eine Gemeinde. Das Apostolat der Laien, das im II. Vatikanischen Konzil angekündigt wurde, könnte so ein Wert werden. Arbeiten Sie nicht mehr dem Pastor zu. Arbeiten wir gemeinsam im Reich Gottes. Das klingt nach Machtverlust und der Gefahr, alles zu verlieren.

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https://www.caritas-essen.de/die-caritas-im-ruhrbistum/diecaritas

https://www.caritas.de/magazin/kampagne/sozial-braucht-digital

https://zukunftsbild.bistum-essen.de/

https://netzgemeinde-dazwischen.de/

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Psalm 119

Der ist der Längste der Psalmen im Buch der Psalmen. Ein Blogartikel auf Medium hat mich auf die Möglichkeit gewiesen, man könne diesen Psalm auswendig lernen. Also los. Der Blogartikel gibt sogar Hinweise auf eine gute Methode.

Bei mir hakte es bereits im ersten Abschnitt. Es geht doch sehr um das Gesetz. Gesetz, Gebot, Weisung.

https://praypsalms.org/psalm-119-in-2019-9931ac1a4c1d

Das brachte mich auf die Frage:

Wie lauten die 10 Gebote?

Es war ganz überraschend schön, sich die 10 Gebote vor Augen zu führen. Der Inhalt ist hilfreich. Es ist gar nicht bedrückend. Es ist eine Hilfe, eine Art Geländer, eine Möglichkeit, das eigene Leben zu überprüfen.

Exodus 20,2–17 und Deuteronomium 5,6–21

10 Gebote, die man ernst nehmen kann.
Was fällt mir daran schwer?
Manchmal ist ein Gebot sogar die Lösung für ein zwischenmenschliches Problem.

"Selig, deren Weg ohne Tadel ist,

die gehen nach der Weisung des Herrn."

So lautet der erste Vers in der Einheitsübersetzung. Da hörte die geschmeidige Lektüre auf. Kann ich das auswendig lernen? Kann so mein Psalm sein? Und *Spoiler* es geht in diesem Stil weiter. Ja, wenn mein Weg ohne Tadel wär, dann wäre Vieles besser. Aber kann sowas überhaupt sein? Zusammengenommen ist das Gehen nach der Weisung des Herrn schon ein guter Fokus. Aber was ist die Weisung? Sie beginnt mit dem Hinweis: "Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Sklavenhaus Ägypten geführt hat." Und das ist der Clou. Wir sind befreit. Und darum ist es wichtig, sich die 10 Gebote immer wieder vor Augen zu führen. Das Gebot, das mir beim Erinnern nicht einfallen will, ist ein Hinweis auf eine Baustelle.

Es ist wunderbar, macht Spaß und tröstet.

This is not the end