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Dorothee Janssen

Home Office

3 min read

Diese Zeit ist ein Traum. In Ruhe am Schreibtisch sitzen und Pausen im Garten verbringen. Der Himmel wird immer klarer. Meine Nachbarin beginnt wieder mit dem Lauftraining. Die Tomatenpflanzen drängen ans Licht. Im Home Office ist alles gut eingerichtet. Der Laptop des Arbeitgebers ist angekommen. Viele Texte entstehen in Ruhe, mit den gebotenen Pausen. Ich kann recherchieren und lege eine Pinnwand an:

https://padlet.com/Willkommenskultur/nurMut

nur ein Screenshot des Padlet

Immer mehr Menschen tragen etwas zu der Pinnwand bei. Sehr erfreulich. Anlaß waren fehlende Videos in Gebärdensprache. Es gab Telefonate mit Kollegen und Kolleginnen und intensiven Mailaustausch. Im Lauf der Coronapandemie kamen mehr Themen hinzu: Gebet, Bilder, Videos, Tipps für Blinde, Texte in Leichter Sprache. Mittlerweile ist es unübersichtlich. Ich suche nach einer besseren Möglichkeit, die die Fundstücke ordnet und leichter auffindbar macht.

Manche Menschen verschwinden in der Versenkung, andere Menschen vertiefen den Kontakt.

Eine wichtige Aufgabe in dieser Zeit ist die Übertragung des Markusevangeliums in Leichte Sprache. Das geschieht im Wiki der Offenen Bibel. Es ist ein Exerzitium. Alles geht mir sehr nah. Umkehr. Die Bedeutung wird mir klarer - nicht nur mit dem Kopf. Besonders das Brot, um das die Jünger sich so viel Gedanken machen, ist ein wichtiges Bild für die Fastenzeit für mich. Kann ich ohne Geld aus dem Haus gehen? Mach nicht auch ich mir fortwährend Gedanken um mein Leben? Was ist denn mit meinem Gottvertrauen?

Die Idiotie der Normailtät wird geschärft durch das Kontaktverbot. Manche machen einfach weiter. Wir leben ja. Wir nehmen Rücksicht auf die Schwachen, darum halten wir uns an das Kontaktverbot. Es ist für mich keine Einschränkung, sondern ein Weg.

Eine Hügelkuppe mit wenig Bäumen, Steinen und Moss. Blick über eine weite hügelige Landschaft. Der Weg ist kaum zu sehen.

Ich bin dankbar für mein Home Office. Arbeiten, Beine hoch legen, Musik hören, Telefonieren, den Garten wirken lassen und darin arbeiten, mit den Nachbarinnen plaudern, Wäsche aufhängen und wieder arbeiten.

Meine Schwester schickt Bilder von ihrer Wanderung. Die bringen mich auf Ideen und ins Träumen. Heute habe ich wieder Postkarten verschickt. Kontaktverbot heißt ja nicht, dass wir keinen Kontakt haben. Viel überflüssiges Zeug muss ich jetzt nicht machen. Es wird klarer, was wichtig ist. Schmerzlich für viele Kollegen im kirchlichen Dienst: Wir sind nicht systemrelevant. Systemrelevant sind Ärzte im Krankenhaus und Kassiererinnen im Supermarkt und alle Berufsgruppen, die jetzt noch das Alltagsleben am Laufen halten. Die BusfaherInnen der BOGESTRA haben offensichtlich Spaß. Es gilt immerzu der Samstagsfahrplan (außer an Sonn- und Feiertagen). Kontaktverbot zum Fahrgast, aber viel Kommunikation. Man lächelt einander zu. Da ändern auch die paar Blödköppe nichts dran, die die Presse zu interessant findet. Als würden Jugendliche im Puk rumlaufen und ständig hilflose Passanten anhusten. Die Luft wird klarer, es ist weniger laut. Der Paketbote ist trotz Überstunden gelassen. Er zuckt mit den Schultern. Es ist halt so. Mehr Stunden, mehr Pakete, aber weniger Stau.

Mal sehen, wie es nach der Pandemie weitergeht. Das Eine ist sicher: Zuallererst fahre ich ins Sauerland.