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Dorothee Janssen

Warum ich keine Geocacherin mehr bin

6 min read

Das Rumstreunern in der Gegend, das Schlendern durch die Stadt, sowas macht mir Spaß. Warum also nicht auch Geocachen. Irgendwann stieß ich auf diese Form der Freizeitbeschäftigung und dachte, dass passe zu mir. Es ist ganz leicht, sich auf einer Plattform zu registrieren. Das Finden der Dosen war schon schwieriger. Aber ich lernte im Laufe der Zeit immer mehr dazu. Und ich kam an Orte, die mir sonst engangen wären.

Dann kam der Tag, an dem ich der Gemeinschaft etwas zurückgeben wollte und legte eine eigene Dose. Wie bei den anderen Dosen gesehen, packte ich das Ganze in eine Geschichte, wählte den Ort, ließ ihn prüfen, guckte nach den Eigenschaften, so dass jeder Geocacher sofort sehen würde, was für eine Art Cache das ist und mit welchen Schwierigkeiten er rechnen müsste.

Spielverderberin

Das erste Problem ergab sich durch Öffnungszeiten. Es gibt die Möglichkeit, mit Symbolen zu zeigen, wie der Cache beschaffen ist. Dazu gehört auch das Symbol der Öffnungszeiten. Aber das kriegten sogar einige der alten Hasen nicht hin. Also wies ich in der Beschreibung (dem Listing) extra darauf hin. Es gab einen zusätzlichen Link und einen Hint. Klappte trotzdem nicht. Ein neues Problem tat sich auf:

Darf man einen Cache in einer Kirche verstecken ?

Da kann man ja formulieren wie man will, wenn sich der Mensch erst einmal auf ein Problem eingschossen hat, lässt er davon nicht mehr los. Der Cache war im Vorraum einer Kirche. Aber das war offensichtlich schwer auseinander zu halten. Was ist der Vorraum? Was ist die Kirche? Das Problem bleibt. Schließlich gab ich nach und versteckte den Cache im Umfeld.

Der Cacheklau

Es war wirklich frustrierend: Die Dose kam an allen Orten weg. Natürlich wussten auch da wieder einige besonders Schlaue, dass ich es besser machen muss. Was soll 's. Ich hab den Cache zur Adoption freigegeben. Da ist er: https://www.geocaching.com/geocache/GC7GBEF_gerwins-engelbox-update

Community

Gemeinschaft

Zu den nachhaltigsten Erfahrung des Gecachens gehört die Gemeinschaft. An meinem Cache wurde nicht nur rumgenörgelt. Manche freuten sich über den Fund und bedankten sich fürs Legen und Pflegen. Manche schrieben mir direkt, um mir beim Lösen der Probleme zu helfen. Und diese Cachertreffen sind was ganz Besonderes. Es ist unkompliziert, die Anmeldung läuft über die Seite der Community, man erhält alle Informationen und spricht sich ab. Man gibt Tipps, fragt, zeigt Coins und spricht miteinander auch über ganz andere Dinge. Auf unerklärliche Weise gehört man zusammen. Diese Erfahrung konnte ich mit Opencaching machen. Auch dort gibt es verschiedene Typen vom Vollblutcacher mit Cachemobil bis zum zufälligen Gelegenheitscacher. Es gibt kein Gefälle in der Würde. Natürlich hat jemand mit viel Erfahrung auch mehr Ahnung und kann anderen helfen. Und jemand mit ohne Erfahrung wird nicht ein Cachertreffen organisieren. Bei diesen Treffen kommen keine Ausgrenzungen vor. Warum soll man auch jemanden ausgrenzen? Jeder, der nach Dosen sucht, ist ein Cacher.

Zeit

Aber man muss Zeit investieren. Und man muss auch mal nachgucken, wenn man einen Cache gelegt hat, ob der noch in Ordnung ist. Je öfter man nach Dosen sucht, um so schwierigere Aufgaben kann man lösen. Besonders schön ist es, wenn man sich ganz zufällig trifft, auf dem Weg zur Dose, unbekannte Menschen mit dem Blick auf ihr GPS-Gerät oder aufs Smartphone. Ob der da hinten vielleicht auch das Versteck sucht? Irgendwann merkt man, dass der Andere auch schon überlegt, einen anzusprechen. Wirklich klasse, wen man da so alles kennenlernt. Gemeinsam schafft man Aufgaben, die alleine kaum zu bewältigen wären. Der fremde Cacher gibt mir den entscheidenden Tipp. Und wenn es grad hinkommt, gehen wir gemeinsam noch einen Kaffee trinken.

Probleme

Probleme werden auch in der Community gelöst. Zum Beispiel die Sache mit dem Naturschutz. Sicher gibt es auch unter Geocachern Trampeltiere. Das bleibt nicht aus. Manches Versteck findet man über einen unerklärlich ausgetretenen Pfad in ansonsten beinah unberührter Natur. Schlimmer noch, wenn Weidezäune umgenietet werden. So Sachen gibt es. Aber in der Regel ist das Vorhandensein eines Naturschutzgebietes im Listing vermerkt. Sollte das nicht so sein, wird schnell ein anderer Cacher darauf aufmerksam und weist darauf hin. Man trägt es nach und die Sache ist geritzt. Geocacher pflegen Kontakte zu Förstern und Jägern. So ist ein altes Dauerproblem gelöst worden.

Streunen und Schlendern

Den Account kann man nicht so leicht löschen. Ich habe erstmal meine Dose zur Adoption freigegeben und lasse meine Aktivitäten ruhen.

Jetzt schlender ich wieder ziellos durch die Stadt, entdecke Cafes und Kulturorte, Graffitis, komme mit Menschen im Zug ins Gespräch. So Sachen eben. Dosen suche ich nicht mehr und teures Equipment brauche ich dazu nicht. Ich sehe nur noch das, was vorhanden ist, bin nicht mehr Teil einer Spielgemeinschaft. Es gibt keine Regeln mehr für das Entdecken und das Legen. Trotzdem hinterlasse ich Spuren. Manchmal hebe ich Müll auf und werfe ihn in die nächste Tonne. Oder ich kleb was https://godnews.de/ irgendwohin. Das Elend mancher Menschen macht mich traurig. Die Großzügigkeit mancher Menschen macht mich froh.

Es ist gut, dass die Erfahrung des Geocachens zu meiner Lebenserfahrung gehört. Suchen, Entdecken, miteinander-verbunden-sein sind wertvolle Erfahrungen für mich. Aber die kann ich besser leben ohne Geocaching. Letztlich war das Kommerzielle und das Fanatische daran Grund genug zu gehen. Meine Lebensenergie will ich nicht mehr als nötig an Dummheit verplempern. Wenn es eine Gemeinschaft gibt, die so groß ist wie das Geocaching und die es schafft, den Anlaß ihrer Gründung wach zu halten, ohne dass Organisation, Verwaltung und Kommerz die Wahrnehmung verwischen, wäre ich gerne dabei. Bis dahin streune ich durch die Gegend. Und wenn es diese Gemeinschaft gibt, werde ich mit Sicherheit darauf stoßen.

Vielleicht haben Sie es gemerkt: Man kann den ganzen Text ziemlich gut auf Kirche übertragen.

 

This is not the end