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Dorothee Janssen

Wieder was gelernt: Nicht zu viele Gedanken machen, kein Kopfkino, kommt eh anders

5 min read

Es gibt Verse in der Bibel, die ich nicht verstehe. Aber im Laufe meiner zigjährigen Lerngeschichte, konnten einige Weisheiten der Heiligen Schrift in meinem Leben, hm, ich würde sagen: materialisieren.

Zum Beispiel

Macht euch keine Sorgen, ob ihr das Richtige sagen werdet. Übt nicht für eure Verteidigung. Der Heilige Geist wird durch euch sprechen.

Die Geschichte dahinter

Vor vielen Jahren zerbrach eine Freundschaft. Das hätte nicht passieren dürfen. Es gab Gespräche, aber nichts half. Dann sahen wir uns Jahrzehnte nicht. Aber weil Freundschaft wie Familie ist und nicht kaputt gehen kann von meiner Seite, habe ich immer wieder darüber nachgedacht, wie eine zufällige Begegnung wohl ausgehen würde. Was würde ich empfinden und was würde ich sagen? Was würde ich sehen und hören? Wie könnte ich richtig reagieren? Ich stellte mir vor, dass Wut und Hilflosigkeit die Begegnung dominieren würden.

Die Lehre

Dann kam der Tag der zufälligen Begegnung. Auf der Straße. Augenblicklich und ohne Worte.

Mir war klar, dass ich wie gelähmt sein würde. Aber so war es nicht. Ich setzte meinen Weg fort und spürte aus meinem tiefen Inneren ( das ich nicht analysieren und nicht steuern kann ) große Dankbarkeit aufsteigen. Ich war nicht zu Tränen gerührt, ich war nicht handlungsunfähig.

Es war gut. Wir hatten eine gute Zeit. Und es war gut, dass diese Enttäuschung früh kam. In viele Beziehungs-Fallen, in die andere tappten, bin ich nicht gegangen. Für mein ganzes Leben hatte ich gelernt, die Lüge im Ausdruck meines Gegenüber zu erkennen. Es liegt nicht an mit, zu urteilen. Aber ich kann mich schützen.

Und ich bin Dankbarkeit für die Erfahrung gelungener Freundschaft, auch wenn sie sich letztlich als kaputt erweisen musste. Eine Zeitlang konnte ich daraus Kreativität und Energie schöpfen.

Der Rest

Es gibt noch viele Jahre, in denen ich mit vielen Menschen klar kommen muss. Mein Vertrauen ist erschüttert, aber offensichtlich nicht tief genug. Ich kann mich auf etwas verlassen, dass so tief in mir grundgelegt ist, dass es nicht zerstört werden kann. Manche mögen das seltsam finden. Aber es ist ja meine Erfahrung und ich spreche nur für mich.

Die Heilige Schrift

Matthäus 10, 5 - 42

Jesus sendet seine Jünger aus. Sie sollen sich keine Sorgen machen. Das Ganze liest sich blauäugig und die Jünger sind keine Helden. Wir gehen heute mit der Kirchenkrise in unseren Pfarreien und Gemeinden und Seelsorgeeinheiten und Pfarrverbünden ganz geerdet um. Die Entscheidungsträger in den Gremien können nicht an eine Kraft jenseits des Geldes glauben. Den Satz "Ohne Geld geht gar nichts" hören wir öfter als ein Wort von Jesus. Aber ich verlasse mich lieber auch den Heiligen Geist.

Das Ringen um die richtigen Entscheidungen in der Kirchenkrise

Zu wenig Gläubige, zu wenig Seelsorger, zu wenig Berufungen, zu wenig Geld. Eins bedingt das andere. Zu wenig Gebet und zu viel Lagerbildung. Dann kommt es zu solchen Szenarien:

https://www.katholisch.de/artikel/23679-hallermann-gemeinden-werden-zu-sehr-wie-unternehmen-betrachtet

https://www.katholisch.de/artikel/23703-die-glaeubigen-sind-nicht-nur-theologische-leistungsempfaenger

Aber das bedarf keiner Antwort. Wir debattieren und diskutieren. Wir werden Wege finden, die Kirche wird es auch in 100 Jahren noch geben. Nur wird sie sicherlich völlig anders sein als heute. Und wer den Sinn der Sache ausblendet ist abgemeldet. Und damit meine ich nicht die Armen. Ernsthaft: hier werden Sie keine Antworten finden. Nur meine ganz persönlichen Lebenserfahrungen, die mich prägen. Es ist ja ein öffentliches Tagebuch. Zu diesen Lebenserfahrungen gehört, dass ich nicht nur Mitglied der katholischen Kirche bin, sondern das Bistum Essen meine Arbeitgeberin ist. Ich muss Dienstanweisungen Folge leisten. Und ich darf davon ausgehen, dass wir Schwestern und Brüder sind. Wenn wir, wie es im Bistum Trier geschieht, die Hierarchie zur Hilfe nehmen müssen, um unser Recht durchsetzen zu können, ist es schwer einzusehen, wo wir da noch als Volk Gottes unterwegs sind. Die Überschrift des Artikels scheint auf Unternehmensstrukturen hinzuweisen. Aber es geht darum, dass wir in den größer werdenden Pfarreien, Gemeinden, Seelsorgeeinheiten, Pfarrverbünden, ... den Bezug zueinander verlieren und die Hirten in ihrer Funktion nicht mehr handlungsfähig sind. Das lässt sich imho nicht mit Paragraphen lösen. Da müssen wir schon den Blick auf die Menschen, auf uns, auf veränderte Lebensbedingungen richten und möglicherweise die verstopften Ohren (die wir abdichten, damit nicht zu viel in uns dringt und wir in Ruhe arbeiten können) öffnen für ... . Sie wissen schon.

This is not the end