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Dorothee Janssen

Ein sehr alter Mann

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Kurz vor Abfahrt erscheint ein sehr alter Mann an der Haltestelle. Seine schlichte Kleidung hat schöne Farben, ohne bunt zu sein. Er trägt einen verblassten Rucksack. Lang und dünn ist er. Und froh. Warum nur? Zwischen all den schönen jungen Menschen? Er sieht schlecht und trägt Hörgeräte. Er läuft ein wenig staksig. Wie alle steigt er vorne ein, um sein Ticket zu zeigen, und bittet um etwas, das ich nicht hören kann. Er setzt sich in die Reihe vor mich, nimmt behutsam den Rucksack auf seinen Schoß. Wir fahren los. In einer Plastikhülle in seiner Hand ist ein Gedicht zu sehen. Ich kann es leider nicht lesen, denn er hat sie schon umgedreht. Und nun sehe ich, ganz kurz nur, zwei Menschen im Brustportrait. Das ist wohl er. Und seine Frau? Wir fahren über die Brücke, die im kommenden Jahr komplett gesperrt sein wird, weil sie renovierungsbedürftig ist. Zu viele schwerer werdende Fahrzeuge nutzen sie, weil man so schneller in den Stadtteil kommt als über die Autobahn. Bald werden wir Umwege fahren müssen. Der alte Mann steht auf. Aber hier ist doch keine Haltstelle? Oder zumindest sollte unser Bus hier nicht halten. Der Bus hält aber. Die Türen öffnen sich. Der Mann blickt nach vorne und dankt. Dann steigt er vorsichtig aus. Die Türen schließen und wir fahren weiter. Der alte Mann blickt sich um, wir lächeln einander zu und ich denke, dass es schön sein wird im Alter.

This is not the end