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Dorothee Janssen

Adventsstress - die 100drölfte

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Seit ich denken kann heißt es, die Adventszeit sei stressig, dabei solle die eine Vorbereitungszeit auf Wiehnachten sein. Den Vogel schoss in dieser Woche eine Nachbarin ab, die sich das Genöle um den Weihnachtsstress anhörte und dann sagte, sie fände den Advent immer schön gemütlich, in ihrer Wohnung seien viele Lichter. *Grinsekatze* Das kommt von einer, die nie Zeit hat und Sorgen, die sie nicht teilt, weil die immer gleich bleiben. Sie lässt sich ihre Gemütlichkeit jetzt aber nicht von den Sorgen anderer kaputt machen. Das ist ja auch was. Frage mich halt nur, ob das im Sinne dieser Zeit ist. Fragemich rhethorisch. Versacken will ich in Genöle natürlich auch nicht. Eher das Ziel fest vor Augen haben.

Einkaufen, ÖPNV, Haltestellen, Bahnsteige, Weihnachtsmarkt ... und von Kirchensseite noch Adventsfenster ("Warum kommen Sie eigenlich nie zu unserem Adventsfenster?"), ungeklärte Erwartungen um traditionelle Gottesdienste, Todesfälle, Krippenspiele.

Jammer ich rum?

Meine Aufgabe ist es (und die wird an mich herangetragen) für Menschen ohne Hoffnung da zu sein. Das ist mein Beruf, das habe ich studiert, darin habe ich mich weitergebildet, das sagt mir meine Hoffnung, mein Glaube, meine Liebe, da sind die gelingenden Wege und das Gesetz Gottes. Und da bin ich zufrieden. Abends bin ich erschöpft, manchmal komme ich erst in der Nacht heim und muss früh raus. Das ist gut so.

Was nicht gut ist: Das unbedingte Beharren auf ein privates Recht auf Gemütlichkeit.

Da mach ich nicht mit. Manchmal kann ich mich dem nicht entziehen. Das saugt Energie hab. Grinsekatzenfressen mit Kerzen in den Händen und Glühwein und Tüten voller Black-Friday-Erjagtes. Vorräte anlegen, Up-to-date sein, dem Zeitgeist ins Gesicht lächeln und hoffen, nochmal davon zu kommen.

In unserer Stadt haben wir ein Auge auf Obdachlose. Das ist gut. Es gibt Aktionen mit Geschenken, kleinen Feierlichkeiten, man gibt auch mal was in den Hut. Die Profis machen ihre Arbeit gerne. Das merkt man ihnen an. Sie haben die Würde der Müllwerker, die sich mit Selbstbewusstsein aus ihrer Schmuddelecke erheben. Es braucht viele Menschen für die Arbeit, die Menschen im Blick hat. Pflege bräuchte mehr Arbeitsplätze und bessere Bezahlung. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Auch wenn es hier mit reinspielt. Denn alles, was mit Gemeinwohl zu tun hat, ist bei uns in Deutschland immer noch dem Wachstum untergeordnet. Wir packen nur Dinge an, deren Gelingen gesichtert ist und wundern uns dann, dass dieser BER einfach nicht eröffnet werden kann. Man kriegt es nicht hin. Es sind Turmbaue zu Babel im 21. Jahrhundert. Wir verstehen einander nicht mehr. Nicht, dass wir uns je verstanden hätten bei diesen großen Zielen. Der Turmbau zu Babel ist lange her und in der Zwischenzeit ist manches mit Blut und Tränen entstanden, dass mit Blut und Tränen in Trümmer geschossen wurde.

Im Advent finde ich Orte, an denen Menschen freundlich sind und an denen sie gerne freundlich sind. In manchem Café können sie das erleben. Da hat das Personal viel Freude an der Deko und überlegt sich was Nettes für die Gäste. Auch die Aktion der Offenen Kirchen im Advent könnte sich zu sowas Wohltuendem entwickeln. Offene, warme, gut ausgeleuchtete Kirchen mit schöner Musik und Plätzen, auf denen man es aushalten kann.

Letzens war ich vor Öffnung der Geschäfte und Cafés unterwegs und musste mal ganz dringend und kein öffentliches Clo in der Nähe und kalt war es auch, klirrend kalt. Kirche zu, Gemeindehaus zu, Schlüssel nicht zu kriegen. Im Kindergarten konnte ich in netter Atmosphäre eine Toilette benutzen, was nicht vorschriftsmäßig war. Sie hatten eine fremde Frau reingelassen. Sie waren freundlich und es hieß: "Gerne!" mit einem zugewandten Lächeln. Die Frauen in dem Kindergarten wissen um die Not, dringend auf die Toilette zu müssen. Es scheint aus der Ferne eine Kleinigkeit zu sein. Es ist eine Not. Ich bin dankbar.

Umkehr. Jetzt aber echt.

This is not the end