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Dorothee Janssen

Strohhalme, Informationsoverload und die Wahrheit

6 min read

Aber eigentlich geht es hier darum, dass wir in der katholischen Kirche das Mitgefühl verlernen, weil wir das Veröffentlichen von Daten nicht auf die Reihe bekommen. In meinen beruflichen Anfängen konnten wir Aushänge im Schaukasten machen, wenn jemand gestorben war oder zwei heiraten wollten. Von Anfang an redeten wir nur darüber, ob wir das dürfen oder nicht. Wir sprachen nicht über die Menschen, mit denen wir es zu tun hatten, die wir kannten oder nicht kannten. Nur die Insider, die gaben einander Informationen über Krankenhausaufenthalte, Bedürftigkeiten und heiße Tipps.

So nahm alles seinen Lauf. Heute wissen wir nicht, wie wir mit der DSGVO anders umgehen können, als es für eine Einschränkung unserer Kreativität zu halten. In den zur Verfügung gestellten Generatoren werden Datenschutzerklärungen erstellt, die so oft das Wort Google enthalten, dass es schon zum Lachen ist. Wir sind das älteste Netzwerk der Menschheit, aber haben das vernetzen verlernt. In unseren Kreisen ist die Meinungsbildung kein Teil der Kultur. Teil der Kultur ist das Zurechtkommen mit dem, was "von oben" kommt (wobei der Bischof gemeint ist).

Viele Informationen, vieles, was man entscheiden müsste. Wir müssten mehr miteinander reden, aber nicht, um alles im Griff zu behalten, sondern um voneinander zu lernen.

Open Data und Privatsphäre

Open Data ist ein Begriff. Damit bezeichnet man die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Daten durch die Öffentlichkeit. Beispielsweise werden Daten, die im Besitz der Stadt Wuppertal sind, öffentlich zugänglich gemacht. Es geht dabei nicht mehr nur um Öffnungszeiten, Telefonnummern und Adressen. Alles, was von öffentlichem Interesse ist, wird gepflegt, präsentiert und kann genutzt werden. Das motiviert Bürger und Bürgerinnen zum Mittun. Sie sind nicht nur Teil ihrer Stadt, sondern betrachten das Ganze als ihr Eigentum (nicht als Besitz, den sie verkaufen könnten, sondern als Wert).

Macht euch die Erde untertan

- Genesis 1 und 2

Die Stadt ist nicht Sache der Stadt als eines unpersönlichen Gebildes. Die Stadt, das sind wir.

Es werden nicht Namen, Adressen und Sonstiges der Bürger und Bürgerinnen veröffentlicht. Das ist Privatsphäre. Die Privatsphäre wird geschützt. Was offen sein kann, wird geöffnet und allen zugänglich gemacht.

Kirche

Wuppertal soll ein Bild sein für das, was Kirche sein könnte. Stellen Sie sich vor, mit der Kirche wäre es genau so. Alle Daten wären öffentlich zugänglich, solange sie nicht mit Privatsphäre verknüpft wären. Man müsste nicht danach suchen. Die Daten wären so aufbereitet, dass man sie lesen und nutzen kann. Niemand würde behaupten, es wäre alles öffentlich, solange es nicht auch leicht zu finden ist und nutzbar ist.

Wie viele Gebäude haben wir?

Wie umfangreich ist der Haushalt und wer ist für ihn verantwortlich?

Wie wird entschieden, wer was bekommt?

Wer hat Zugang zu den Sakramenten?

...

Zu Open Data und Privatsphäre kommt noch :

Transparenz

Gut wäre es , wenn Vorgänge transparent wären. Wer spricht mit wem? Wie werden Entscheidungen getroffen? ... Und das alles ohne Rückgriff auf Totschlagargumente. Das Anliegen eines Mitmenschen würde ernst genommen. Man würde ihm nicht mit Paragraphen oder Bibelstellen kommen, sondern zuhören, verstehen lernen und aus dem Dialog die notwendigen Antworten finden. Das wäre möglich, weil jeder Mensch neu Lust bekommen, sich in einen Dialog mit seiner Kirche zu begeben. Denn es wäre möglich, die richtigen Telefonnummern und E-Mail-Adressen zu finden. Man stünde nicht mehr vor verschlossenen Türen, weil es kein Herrschaftswissen mehr gäbe. Alles wäre getränkt von dem Willen, zu leben wie Jesus. Damit das gelingen kann, müssen alle Menschen sich beteiligen - oder doch zumindest eine Menge Menschen. Die Verwaltung muss Wege bereitstellen. Anders geht es nicht. Denn sie hat die Macht. Es reicht nicht, Prozeduren einzurichten und öffentlich zu machen. Es müssen diese Prozeduren auch genutzt werden können. Wenn es so wäre, könnte niemand mehr herrschen, indem er teilt.

Die Verantwortung ...

... liegt bei den Mächtigen. Natürlich ist alles im Internet und sonstwo vorhanden, aber die Informationsflut macht einen bekloppt. Man wird hin und her gezerrt von sich widersprechenden Meldungen. "Ist der Bischof von Essen jetzt progressiv oder konservativ?" Diese Frage könnte man getrost der Privatsphäre überlassen, wenn man sich nicht übergangen fühlte. Noch ist nicht transparent, wo welche Informationen langfließen. Noch ist nicht gewährleistet, dass Informationen da ankommen, wo sie hinsollen. Was muss ich wissen? Was kann weg? Jeder einzelne Mensch kann in Wuppertal und in der Kirche Verantwortung übernehmen, wenn es möglich gemacht wird.

Strohhalme und die DSGVO

Lobbyarbeit sorgt allerorten für Verwirrung. Lobbyarbeit hat Ziele vor Augen und Macht im Sinn. Ihr haben wir es zu verdanken, dass die DSGVO mehr Verwirrung anrichtet, als sie es ohnehin schon getan hätte. Aber die DSGVO ist nicht verabschiedet worden, weil die Menschheit unterjocht werden soll, sondern weil die Macht von Facebook, Google, Amazon und einigen anderen bedrohlich wird. Die Privatsphäre muss geschützt werden. Fakemedlungen verbreiten Angst vor der DSGVO. Da hilft nur informieren.

Die EU will Plastikzeug verbieten. Es geht um Einweggeschirr. Im Grunde geht es um die Rettung des Planeten, weil die Weltmeere voll sind von dem Zeug. Verwirrung stiftet diese Meldung in der Behindertenszene, weil mancher Mensch dank dieser Strohhalme gut trinken kann. Alles andere wäre unschön. Schnabeltassen sind kein Ersatz. Der Aufschrei ist nicht halb so gut zu vernehmen wie der mit der DSGVO. Aber er ist da. Wenn nun Meinungsbildung und Verantwortung Teil unserer Kultur wären, würden Betroffene schlicht Kontakt mit verantwortlichen Stellen aufnehmen und ihr Anliegen mitteilen. Man würde im Dialog die Antwort auf das Problem finden. Fertig. Und jetzt wissen Sie auch, wie die Strohhalme in die Überschrift gekommen sind.

 


This is not the end