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Dorothee Janssen

Werdet ihr mich im Februar 2018 bei Willowcreek treffen?

4 min read

Gestern gab es ein inspirierendes Gespräch mit einer Kollegin. Wir leiden beide an dem Beharrungsvermögen unserer Gemeinden und müssen uns Zeit und Energie vom Pfarreientwicklungsprozess stehlen lassen. Aber wir wissen auch, dass es ohne Gemeinden nicht geht. Nur so unbegeistert und grundbelastet? Wir kamen auf Willowcreek. WILLOWCREEK? Werfe ich mich hier grade den Freikirchen an die Brust? Ist das eine Verzweiflungstat?

Es geht um Leitung

Leitung ist absolut nicht mein Thema. Denn Leitung ist in unserem Bereich immer noch Führung ohne Blick auf die Gemeinde, wie ich sie verstehe.

Was ist Gemeinde? Gemeinde sind die, die da sind. Oder ist Gemeinde die, die getauft sind? Oder ist Gemeinde noch größer? Gemeinde ist gewachsen. An meinem Wohnort begann die Gemeinde in einer Baracke. Langsam sterben die, die die Kirche aufbauten. Die Nachgewachsenen hatten nicht Hand angelegt. Sie fanden alles fertig vor. Alles? Nein, natürlich nicht. In unserer Gemeinde gibt es Menschen, die mitgestalten. Wir sind durchaus sprech- und sprachfähig. Beispielsweise das Gemeindezentrum: Es wurde gegen den Widerstand der damaligen Verantwortlichen mit viel Eigenleistung umgesetzt und ist eines der schönsten Orte für Feiern und Feste und Zusammenkünfte in großen Gruppen.

Es gibt bei uns viel gewachsene Beziehungen, die Gemeindebeziehungen sind. Vieles an Hilfeleistung wird nicht von der Leitung gesteuert, sondern geschieht einfach. Man kennt sich. Man teilt Freud und Leid. Das funktioniert prima. Aber leider nicht für alle. Etwa 5% unserer Gemeinde sind mehr oder weniger bewußt identifiziert und aktiv. Die Mehrheit leidet an der Umstrukturierung. Sie halten Priestermangel und Geldmangel für die Ursachen des Desasters. Sie finden Gemeindereferentinnen zu teuer und fragen sich, ob die Gelder wirklich gut verteilt sind und wissen, dass "die da oben" am Ende doch entscheiden.

Avanti Dilletanti

Derweil gibt es längst Bewegung. Aber bewegen Sie mal einen Hochseedampfer. Wir sind ja kein Kanu.

Es gibt eine Überfülle an Angeboten in unserem Bistum, die den Gemeinden helfen können, ihren Weg zu finden. Wie bringt man das zusammen: die Angebote und die grundfrustrierten 5%?

Frau Dr. Maria Lüttringhaus hat in einer Veranstaltung aus 12 Personen ihre Erfahrungen vermittelt und im Austausch Themen und Gespräche zum Vorschein gebracht, die der Antipädagogik und der Sozialraumentwicklung geschuldet sind. Wer nicht dabei war, liest viele Worte. Wer dabei war, wird erst einmal lächeln. Denn wo bekommen wir in den Gemeinden sonst so viel Selbstvertrauen vermittelt? Wo erleben wir, dass wir Arbeiter und Arbeiterinnen im Weinberg sind (wenn es schon das Arbeiten als Bild sein muss) und nicht Sklaven in Ägypten? Avanti Dilletanti ! Ganz so dumm sind wir ja nicht. Laßt uns loslegen und in vertrauensvollem Austausch miteinander unsere Erfahrungen fruchtbar werden lassen für die ganze Gemeinde.

Übrigens: Wir brauchen nicht mehr Angebote. Wir müssen rausfinden, was wir in der Gemeinde brauchen. Alle, nicht viele.

Soll ich oder soll ich nicht?

Aus der Überfülle meiner Bücherregale kommen immer wieder Sachen in das Mercator-Bücherregal vor dem St. Marien-Krankenhaus in Witten oder vor der Alten Oper ist Essen. Ich schaffe Platz. Der muss nicht neu gefüllt werden. Ich überlege, was ich brauche. Brauche ich Willowcreek? Welche Weiterbildungen brauche ich? Welche Menschen brauche ich? Wie teile ich meine Zeit ein? Christian Hennecke wird 2018 bei Willowcreek sprechen. Nanu. Das ist doch mal was.

Ich bin unentschlossen. Denn ein weiteres Spielfeld brauche ich nicht und niemand muss versuchen, mir den Stein der Weisen zu verkaufen. Den gibt es nämlich nicht. Aber dass Willowcreek sich als lernend versteht, ist mir sympathisch. Dass Melinda Gates dort auftritt gefällt mir nicht. Es ist überhaupt eine Riesenveranstaltung. Bisher konnte mir niemand erklären, was daran gut sein soll. Teilnehmer sagten mir, es sei toll, ich müsse einfach mal kommen. Unklug, wenn so ein Mensch mir erklärt, dass Jesus keine Kinder getauft habe ( -> die katholische Kirche macht ziemlich viel falsch ). Ich will nicht raus aus der katholischen Kirche. Sie ist meine Kirche. Jesus hat keine Kinder getauft, weil das Sozialgefüge des Glaubens bei den Erwachsenen beginnt.  (Aber das wäre ein anderes Thema.)

Wir haben ein reichhaltiges Angebot an Fortbildungen im Bistum Essen. Außerdem gibt es die und die und die und Kirche² und eigentlich habe ich schon genug. Aber wenn es Menschen gäbe, mit denen ich mich in Dortmund im Februar 2018 treffen könnte bei Willocreek, wär ich dabei.