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Dorothee Janssen

Ich muss nicht alles wissen

5 min read

Mein Selbstbewußtsein wächst mit dem Alter. Das liegt am Reisen, an Freundschaften und daran, dass ich merke, dass mein Glaube nicht erschöpft in den Kreisen derer, die alles wissen. Open Source. Sie verstehen? Man teilt, was man hat und weiß. Wir müssen nicht verzweifeln an unseren eigenen Unzulänglichkeiten.

Lorettokirche oberhalb des ehemaligen Klosters Murbach im Elsass. Klobiger Steinbau im Grünen.Schöne Grüße vom LUKi-Treffen in Fulda, wo wir bei der Gemeinschaft Geist und Sendung zu Gast sind. Wir lernen voneinander, wie man scannt, PDF erstellt, wie OCR funktioniert, was ein Podcast ist und Klaus Knopper lehrt uns als Gastreferent das 3-D-Drucken. Es ist unglaublich, wie viel Zeit wir konzentriert mit Lernen verbringen und wie wenig Reibungsverlust entsteht. Mich bedrücken die Erinnerungen an Ellebogenkämpfe in der Schulzeit. Wir diskutieren über selbstfahrende Autos, den Sinn von cloudbasierten Diensten, Gefahren und Notwendigkeiten.

Kein Mensch interessiert sich für die Zukunft

Wir müssen natürlich auch mal den Tisch abräumen. Wir werden müde, die Sonne blendet. Wir kommen gar nicht dazu, ein Podcast zu erstellen, obwohl wir alles an Zubehör und das nötige KnowHow vor Ort haben.

Die Loretto-Kirche in Murbach im Elsass

Oberhalb der Klosterruine von Murbach im Elsass steht eine der zahlreichen Lorettokirchen, deren Prototyp von Kreuzrittern aus dem Heiligen Land gerettet wurde, als ihnen klar war, dass sie das Heilige Land nicht würden halten können. Von da an entstanden Lorettokirchen an vielen Orten. Klobig. Innen drin mit viel Bildern und Figuren, die die Geschichte von Bethlehem erzählen.

Während ich dies schreibe, wird überlegt, ob ein Minkowski uns weiterbringt oder?

Der Podcaster hängt konzetriert an seinem Notebook, der Fahrradfahrer entwirft und entwirft und entwirft, der Vorsitzende schreibt einen Beitrag, alle anderen haben auch so ihre Aufgaben. Wir diskutieren und vergessen das Essen und Trinken. Einer knistert mit seiner Glutenfrei-Tüte. Es gibt überhaupt keine Mateflaschen und der Gottesdienst, den wir gemeinsam mit dem Barcamp in Köln hätten halten wollen, läuft grad ohne uns. Wir lernen was über Material, das beim Drucken in 3D verwendet werden kann und worauf man achten muss. Alles ohne Mittagspause. Auch der Referent findet kein Ende.

Haben wir wirklich ein Bildungsproblem in Deutschland?

Wenn ich etwas nicht verstanden habe, frage ich meinen Nachbarn. Wer was nicht weiß, labert mich nicht einfach voll. Ich frag den Nächsten. Manchmal sitze ich einfach da und höre zu. Prinzipiell können wir uns jetzt alles Mögliche ausdrucken. Die eigentliche Arbeit steckt im Entwickeln der Datei. Man muss in dem Programm aus geometrischen Figuren das zusammensetzen, was man sich denkt. Das kann man lernen. Dazu braucht man nicht viel. Aber ein 3-D-Drucker ist teuer. Wir erfahren, dass man schon 1500 € investieren muss. Wir erfahren auch, welche Gefahren so ein Gerät birgt. Dazu käme das Material und die Druckkosten. In manchen Schulen oder öffentlichen Büchereien stehen 3-D-Drucker, die allen zugänglich sind. Es ist wirklich nur die Arbeit, die man selber zu leisten hat: lernen und Übung und der Austausch mit anderen.

Mehr Freiheit

Wer selbstbewußt ist, muss sich nicht absichern. Wer geliebt wird, kann Risiken eingehen. Wer liebt geht Risiken ein. Atmen. Durchhalten. Neugierig sein.

Es gibt Menschen, die missionieren. Das meine ich so: Es gibt Menschen, die sind so begeistert, dass sie alles teilen - Sie wollen, dass auch andere die gleichen guten Erfahrungen machen. Glück. Geborgenheit. Staunen. Nichts, was man sich kaufen könnte. Es liegt auch gar nicht am Geld. Aber das ist schwer zu vermitteln. Es liegt auch nicht an den Parteien und nicht an wasweißich.

Wir reden über das, was uns begeistert. Wir lernen. Wir teilen. Wir fragen. Wir sind neugierig. Ich frage mich, warum das hier geht und nicht in meiner Heimatgemeinde. Ein Kollege fragt, wo meine Heimatgemeinde ist und ich zähle die Standorte auf, die dazugehören. Wir reden über Kirchenentwicklung und die freikirchlichen Kollegen lachen nicht. Sie wissen auch nicht alles besser.

Wenn ich etwas nicht verstehe und es verstehen möchte, muss ich fragen. Keiner lacht über meine Fragen. Anders als damals in der Schule muss ich meine Freiräume nicht erkämpfen. Aber zu wenig frische Luft und zu wenig Bewegung hatte ich auch hier. Man verläßt den Raum nicht gerne, man könnte ja was verpassen. Zum Beispiel, wie man Acetonfiguren mit Aceton schön blank kriegt. Aber wir reden natürlich auch darüber, dass wir unsere Freizeit kaum erkennen können. Denn was wir beruflich machen und was uns interessiert ist nahezu deckungsgleich.

Während ich diese Zeilen schreibe, wird gedruckt, gefrickelt, getippt, entspannt, gebetet und anderswo sterben Menschen. Auf einmal ist alles möglich. Es wäre möglich, dass alle Menschen leben können. Und ich bin sicher, dass wir das eines Tages hinkriegen. Wenn auch hier noch nicht alle Menschen erreicht werden, ... wenn wir auch aus unseren guten Erfahrungen keine Theorie entwickeln, ... egal. Das hier ist schon mal richtig gut.